Ostschweiz
St. Gallen

Konsequenz aus Plagiatsfall: HSG trennt sich von zwei Professoren

Konsequenz aus Plagiatsfall: HSG trennt sich von zwei Professoren

Wolfgang Stölzle wird die Universität St.Gallen Ende Juli verlassen, ein weiterer Professor bereits Ende April. Darauf haben sich die Beteiligten geeinigt, um einen langen Rechtsstreit zu vermeiden.

Die Universität St.Gallen beendet die Zusammenarbeit mit Wolfgang Stölzle und einem weiteren Titularprofessor vom Institut für Supply Chain Management, dem ebenfalls «Verstösse gegen die wissenschaftliche Integrität zur Last gelegt werden».

«Um langwierige und kostspielige Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden, haben sich die beteiligten Parteien geeinigt», heisst es in einer Mitteilung der HSG.

Zur Geschäftsführung von Wolfgang Stölzle hat die Uni St.Gallen im Oktober 2022 eine Administrativuntersuchung beauftragt. Diese kam zum Schluss, dass am Institut «eine problematische Führungskultur» bestand.

Stölzle befand sich laut Kommission in «mehrfachen Interessenskonflikten zwischen dienstlichen und privaten finanziellen Interessen». Die Uni teilte mit: «Nach Ansicht der HSG schadet Wolfgang Stölzle dem Ansehen der Universität in schwerwiegender Weise.»

Titularprofessor bestreitet die Vorwürfe

Gegen den Titularprofessor am selben Institut wurde wegen Plagiatsvorwürfen im Dezember 2022 eine Untersuchung eingeleitet. Gestützt auf zwei Gutachten kommt die Kommission zum Schluss, dass «eine wesentliche Verletzung der Regeln der wissenschaftlichen Integrität vorliegt».

Der Professor habe mehrfach Textteile studentischer Arbeiten für Eigenpublikationen verwendet. «Damit bestätigten sich aus Sicht der Universität die Plagiatsvorwürfe in mehreren Fällen.»

Der Titularprofessor bestreitet die Vorwürfe. Die laufende Überprüfung der Habitilation des Mannes ist weiterhin im Gang.

Der Titularprofessor wird die Universität St.Gallen Ende April verlassen, Wolfgang Stölzle Ende Juli. Bis dahin sind beide Professoren freigestellt.

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So kam es zur Plagiatsaffäre

Die Plagiatsaffäre ins Rollen brachte die «NZZ am Sonntag» im Oktober 2022. Sie berichtete, dass ein HSG-Professor bei seiner Doktorarbeit systematisch plagiiert haben soll. Die HSG prüfte die Vorwürfe und kam zum Schluss, dass es keine Verfehlungen gebe.

Darauf gab das «St.Galler Tagblatt» ein Gutachten bei einem Plagiatsprüfer in Auftrag. Dieser entdeckte mehrere Passagen, die nicht vom Professor stammen können.

Stölzle betreute den beschuldigten Professor bei seiner Habilitation und kam so ebenfalls in den Strudel der Plagiatsaffäre. Er drohte mehreren Studierenden und Mitarbeitenden mit einem Anwaltsschreiben, damit sie nicht mit den Medien sprechen.

veröffentlicht: 9. Januar 2024 11:29
aktualisiert: 9. Januar 2024 21:22
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