Die Fäaschtbänkler – zwischen Erfolg und Bescheidenheit

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Quelle: FM1Today

Sie können sich kaum noch vor Auftritten retten: Die Fäaschtbänkler, fünf junge Männer aus dem FM1-Land, erobern gerade die Welt der Volkspopmusik. Am Freitag kommt ihr neues Album raus und wir durften sie vorab im Aufnahme-Studio besuchen.

«Wann habt ihr Zeit für ein Interview?», fragte ich die Fäaschtbänkler anfangs August und merke schnell, dass die Terminfindung wohl eine der schwierigsten Aufgaben wird. Kein Wunder, schaut man auf die Tour-Daten der Band, wird schnell klar: Die Ostschweizer sind jedes Wochenende unterwegs. Vor allem im benachbarten Ausland sind die Fäaschtbänkler gefragter denn je. Dazu haben sie alle noch einen «normalen» Job. Kurz bevor ihr neues Album rauskommt, schaffen wir es doch noch. Ich treffe drei der fünf Band-Mitglieder im Aufnahme-Studio in Kriessern.

Ein Puzzle aus Songs

Eine knarrende Holztreppe führt mich in den Raum, der für die Geschichte der Fäaschtbänkler eine wichtige Rolle spielt. Hier werden Ideen für Songs gesammelt, Aufnahmen gemacht und eine Menge herumgealbert. Auch die Anfänge für das neue Album sind hier entstanden. «Schreiben wir neue Songs, sitzen wir erst in Grüppchen zusammen und spielen wild drauf los», sagt der Eichberger Roman Wüthrich. «Vieles wird natürlich auch wieder verworfen. Kommen aber gute Ideen dabei raus, nehmen wir diese direkt auf. Man muss sich das ganze wie ein Puzzle vorstellen.»

Alle fünf Mitglieder der Fäaschtbänkler.

© Tagblatt / Daniel Ammann

Vom Volkspop zu bis zu House

Ich setze mich zusammen mit dem 27-jährigen Akkordeonist an einen kleinen, eckigen Tisch. Seine beiden Band-Kollegen Roman Pizio aus Oberegg und Marco Graber aus Kriessern haben bereits eine Runde Mineralwasser für alle eingeschenkt. Der Raum ist einfach eingerichtet, dafür mit viel Charme – er passt zur Band. An den Wänden hängen Bilder, Platten und Instrumente, es gibt viel zu entdecken. Etwa so, wie auf dem neuen Album «malsomalso», das ein komplett buntes Cover hat. «Die vielen Farben passen super zum Album, denn farbenfroh ist auch das Motto», sagt Roman Wüthrich. «Die 16 Songs sind vom Stil her sehr unterschiedlich – von Latin-Pop und Volkspop, zu Party-Songs bis zu hin zu House und Swing ist alles dabei.»

«Das neue Album sind ganz wir»

Die Fäaschtbänkler sind sich auf dem neuen Album treu geblieben. In den Songs sind nach wie vor Bariton, Tuba, Akkordeon und co. zu hören, vieles im modernen Stil des Volkspops. Trotzdem wollte sich die Band dieses Mal nicht an einer Richtung festhalten. «Oft versucht man, eine Band in eine Schublade zu werfen», sagt der Trompeter Roman Pizio. «Auch wir haben bei früheren Projekten darauf geachtet, dass der Stil in eine Richtung geht. Dieses mal aber wollten wir uns komplett ausleben – das neue Album sind ganz wir.»

Wenn die Stimmung kippt

Um neue Songs zu entwickeln, fahren die Fäaschtbänkler auch schon mal in eine Berghütte, um sich von der Umgebung inspirieren zu lassen und in der Ruhe den Kopf frei zu kriegen. Obwohl, ruhig bleibt es dabei nicht immer. «Ist man so oft zusammen, lernt man sich richtig kennen», sagt Marco Graber und lacht. «Logisch, wir sind nicht immer gleicher Meinung, aber das ist vermutlich auch gut so. Wir können gut miteinander sprechen, wenn die Stimmung mal kippt.» Bis jetzt hätten sie den Weg zueinander immer wieder gefunden.

«Wollen nicht wie Promis behandelt werden»

Die drei schauen sich an und schmunzeln. Mir ist, als sässen wir in einer gemütlichen Plauder-Runde und nicht in einem Interview. Die Fäaschtbänkler bleiben im Gespräch bescheiden, keiner spricht von sich aus über den grossen Erfolg, den die Band momentan vor allem im benachbarten Ausland feiert. Hört man sich bei den Fans um, ist das Markenzeichen der Band, dass sie auf dem Boden bleibt. Der 31-jährige Roman Pizio wird plötzlich ernst. Es sei ein Glück, dass die Fans sie so mögen, wie sie sind. «Viele müssten sich dafür vielleicht verstellen. Wir aber sind alle einfach aufgewachsen und sind absolute Normalos. Wir fühlen uns nicht wohl, wenn man uns wie Promis behandelt, sondern schätzen es, wenn wir uns vor und nach einem Konzert unter die Leute mischen oder mit dem Veranstalter noch ein Bier trinken können.»

Mit dem Nightliner durch Kriessern

Ein Bier nach dem Konzert könnte in Zukunft öfters vorkommen. Bis anhin sind die Fäaschtbänkler immer selbst mit einem kleinen Bus an die Auftritte gefahren, jetzt aber haben sie testweise einen Nightliner gemietet und haben einen Fahrer. «Wir brauchen ihn nur aus praktischen Gründen. Wir haben immer öfters Konzerte, die viele Stunden von zuhause weg sind. Mit dem Nightliner können wir auf dem Heimweg schlafen und sind am nächsten Tag ausgeruht», sagt Roman Wüthrich. Trotzdem: Mit dem grossen Bus zum Beispiel durch das kleine Dorf Kriessern zu fahren, ist der Band schon wieder unangenehm. «Uns gefiel es, bisher ganz einfach und selbstständig unterwegs zu sein. So ein grosser Bus repräsentiert eigentlich das, was wir nicht sein möchten. Trotzdem ist es jetzt halt Mittel zum Zweck.»

Wollen nicht ganz auf Musik setzen

Auch wenn sie den Promi-Status eigentlich nicht wollen, der Erfolg nimmt zu und die Konzerte werden mehr. Dazu gehörten dieses Jahr schon Auftritte am «Woodstock der Blasmusik» in Österreich oder beim «Donnschtig-Jass» im SRF. So landen die Ostschweizer auch schon mal an einer Pressekonferenz, mitten im Blitzlichtgewitter und Fan-Geschrei. Mittlerweile würde der Erfolg bestimmt ausreichen, um ganz auf die Musik zu setzen. Das kommt vorläufig aber nicht in Frage, sagt der 36-jährige Familienvater Marco Graber. «Klar, man könnte es wagen. Doch wenn man ein Haus und Familie hat, ist man wohl etwas vorsichtiger. Unsere Ansichten gehen da etwas auseinander.»

Die «Fäaschtbänkler» bei einem ihrer Auftritte.

© Facebook/Fäaschtbänkler

Der Spass geht nicht verloren

Auch jetzt sei es manchmal schwierig, alles unter einen Hut zu bringen. Aber immerhin gehe der Spass nicht verloren, findet Roman Wüthrich. «Wir spielen zum Teil bis zu fünf Mal an einem Wochenende. Wären es noch mehr Auftritte, könnte es ja sein, dass die Freude auf der Bühne etwas abnimmt. Wenn man unter der Woche aber etwas anders macht als Musik, ist das Leben extrem abwechslungsreich und der Spass auf der Bühne bleibt unglaublich gross.»

Alles soll bleiben wie es ist

Bei der Frage, wo es denn mit den Fäaschtbänkler noch hin geht, werden die Bandmitglieder etwas nachdenklich. Ich blicke in die Runde und alle schauen auf ihren Becher mit Mineralwasser. Dann nimmt Marco Graber einen Schluck und sagt: «Was in ein paar Jahren ist, wissen wir sowieso nicht. Wir sind einfach unglaublich dankbar, dass es zurzeit so gut läuft. Eigentlich wollen wir nur, dass alles so bleibt, wie es jetzt ist.» Nun lachen wieder alle drei.