Anspruchsvolle Flugzeugbergung im Bodensee verzögert sich

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Quelle: FM1Today / TVO

Bei dichtem Nebel stürzte das Kleinflugzeug der Marke Piper in den Bodensee, der Pilot überlebte auf wundersame Weise. Nun läuft die Bergungsaktion vor Staad. Doch es gibt unvorhergesehene Komplikationen.

Der Bodensee zeigt sich von seiner besten Seite. Der Frühling hat es heuer eilig, die Sonne strahlt Ende Februar vom Himmel wie manchmal nicht mal im April und der See vermittelt eine stoische Ruhe.

Kaum etwas erinnert mehr an die Verhältnisse vor genau einer Woche. Die dicke Nebelsuppe, die garstigen Bedingungen, welche zum Absturz eines Kleinflugzeugs vor dem Staader Hafen geführt haben. Doch noch liegt es da unten – einige Hundert Meter von der Küste entfernt.

Seit dem heutigen Donnerstagmorgen markiert ein Bergungsschiff die Stelle. Der rote Kran ist gut zu erkennen. Mit an Bord: Tauchspezialisten aus der ganzen Schweiz.

Nur zehn Minuten Zeit

Die Unterwasserbergung in 84 Metern Tiefe ist ein äusserst anspruchsvolles Unterfangen. Dies bestätigt Florian Schneider, Mediensprecher der St.Galler Kantonspolizei, und selbst Taucher: «Den Tauchern bleiben in der grossen Tiefe von 84 Metern bloss zehn Minuten. In dieser Zeit müssen sie es schaffen, die Gurte am Flugzeug zu befestigen.»

Die Belastung für die Taucher in dieser Tiefe ist enorm. Der Tauchgang dauert insgesamt 90 Minuten. Würden die Taucher eine längere Zeit am Seegrund verbringen, so würde sich das Auftauchen exponentiell in die Länge ziehen. Und es würde den Einsatz noch gefährlicher machen.

Alltäglich ist ein solcher Einsatz auch für die Taucher nicht. Die Spezialisten wurden dafür aus der ganzen Schweiz zusammengezogen. Die Taucher der St.Galler Kantonspolizei werden von Spezialisten aus Genf und der Waadt unterstützt.

Seil hat sich verhakt

Ursprünglich schrieb die Kantonspolizei St.Gallen, das Flugzeug werde nicht vor dem Mittag zu sehen sein. Das hat sich bewahrheitet – laut einer neuen Schätzung dürft es sogar Abend werden.

Dies, weil sich das Seil des Krans mit der Boje verhakt hat, die den Standort des Wracks anzeigt. Die Neujustierung wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Es ist auch möglich, dass die Bergung verschoben wird und sich in den Freitag hineinzieht.

«Die Lage wird laufend neu beurteilt», sagt Polizeisprecher Hanspeter Krüsi, der sich zusammen mit Kollege Florian Schneider im Staader Hafen befindet und Kontakt zur Bergungscrew hält. Und Krüsi, schon weit länger als zehn Jahre Mediensprecher der St.Galler Kantonspolizei, spricht von einem historischen Tag: «Ich hoffe, es kommt nicht mehr vor, dass wir ein Flugzeug aus dem Bodensee bergen müssen.»

Pilot hatte unglaubliches Glück

Trotzdem ist es eigentlich eine «schöne» Bergungsaktion. Der Pilot hat den Absturz auf wundersame Weise überlebt und konnte sich an einem abgebrochenen Rad festhalten, wie ein Berufsfischer, der die dramatischen Minuten miterlebte, schilderte. Lediglich leicht unterkühlt konnte er geborgen und ins Spital gebracht werden.

Den Tauchern bleibt damit eine unschöne Begegnung in der Tiefe erspart. Und da es nur um die Bergung einer Sache geht, besteht trotz hoher Kosten kein absoluter Zeitdruck. Sollte es Sicherheitsbedenken geben, so wird die Bergung verschoben. Den Tauchern soll auf keinen Fall zu viel zugemutet werden.

Nach der erfolgreichen Bergung – wann auch immer das sein wird – soll das Wrack in den Rorschacher Hafen gebracht und dort demontiert werden. Danach geht es weiter nach Payerne – wo das Flugzeugwrack untersucht und die Instrumente ausgewertet werden.