Widnauer räumt Kurz-Filmpreis in Toronto ab

Am Internationalen Filmfestival in Toronto gewinnt der junge Widnauer Regisseur Lasse Linder mit seinem Kurzfilm unerwartet den Hauptpreis. Der Dok-Film läuft auf den bedeutendsten Filmfestivals der Welt und könnte für einen Oscar nominiert werden.

Locarno, Toronto und St.Petersburg: Regisseur Lasse Linder reist gerade um die halbe Welt und erlebt die spannendste Zeit seines Lebens. Seine Bachelorarbeit, der 18-minütige Dok-Kurzfilm «Nachts sind alle Katzen grau», macht in der Filmwelt die Runde, nachdem der 25-Jährige damit den Hauptpreis am bedeutenden Internationalen Filmfestival in Toronto gewonnen hat.

Einsamkeit und Katzen interessieren immer

So speziell, wie sich die Bachelorarbeit zu einem Hit entwickelt hat, ist auch der Protagonist des Kurzfilms. Der Dokumentarfilm handelt von Christian Amann (48) aus Bregenz. Seine Familie sind seine zwei Katzen. «Die Katzen entwickelten sich für ihn von einem Hobby zu einer Obsession», sagt Linder. So sehr, dass der Katzenmann entschied, Vater von Katzenbabys zu werden.

Der Film verfolgt den komplizierten Weg seiner Katzendame, schwanger zu werden. «Christian Amann geht durch verschiedene Emotionen: Vorfreude, Angst, Glück, Zweifel und Hoffnung, wie in einer menschlichen Beziehung», beschreibt Lasse Linder. «Katzen und Einsamkeit sind Themen, mit denen man fast alle abholen kann.»

14 Tage lang hat Linder sich mit seinem Team beim Bregenzer Katzenmann in der Wohnung eingenistet, ihm stillschweigend zugesehen und den Alltag dokumentarisch festgehalten. «Wir haben in der Wohnung geflüstert und ihm sogar beim Schlafen zugesehen.»

«Im Leben nicht damit gerechnet»

Nun hat dieser Film in Toronto gewonnen, wo Linder die weltbekanntesten Regisseure und Filmschaffenden traf. Der Rheintaler setzte sich gegen 4500 Mitbewerber durch. «Ich rechne zwar nicht damit, aber rein theoretisch könnte ich für einen Oscar nominiert werden und somit einen gewinnen.» Lasse Linder bleibt aber realistisch. Von den 90 Filmfestivalgewinnern, wovon Linder einer ist, werden letztlich nur fünf für einen Oscar nominiert.

Niederländer entdeckten den Rheintaler

Erst im August feierte «Nachts sind alle Katzen grau» in Locarno Weltpremiere. Dann ging alles relativ schnell: Nächste Woche ist der preisgekrönte Film bereits mehrfach an den Internationalen Kurzfilmtagen in Winterthur zu sehen.

Neben finanzieller Unterstützung vom Schweizer Radio und Fernsehen, der Hochschule Luzern und der Rheintaler Kulturstiftung hat er seinen Erfolg vor allem einem niederländischen Film-Distributoren zu verdanken. «Er ist dafür verantwortlich, dass mein Kurzfilm bei so vielen Festivals zu sehen ist», sagt Linder.

«Das Rheintal ist meine Hassliebe»

Im Moment ruht sich Linder gerade etwas aus. Wünscht sich aber das harte Leben des Filmschaffenden wieder zurück. «Ich freue mich auf das Brainstorming, die Denkarbeit, die Müdigkeit und den Stress eines nächsten Projekts.» In Gedanken schwebt dem Widnauer ein Film vor, der im Rheintal handelt. «Das Rheintal ist meine Hassliebe. Ich wollte früh weg. Komme jetzt aber gern wieder zurück.»