«Geld macht Kultur grundsätzlich kaputt»

Dass sich Toggenburger gelegentlich die Meinung sagen, ist seit dem Bergbahnen-Streit bekannt. Auch das Thema Klanghaus Toggenburg polarisiert. Gegner sprechen von Geldverschwendung, Befürworter von einer grossen Chance. Die IG Klanghaus Toggenburg versucht, Unklarheiten aus dem Weg zu räumen.

«Langsam habe ich das Gefühl, dass man in Wildhaus der Meinung ist, die ganze Welt drehe sich nur um sie» - dieser Kommentar wurde auf FM1Today zu einem Artikel über das Ja im Kantonsrat zum Klanghaus veröffentlicht. Mathias Müller, Präsident der Klangwelt Toggenburg, nimmt zu diesem und weiteren Kommentaren auf unserer Seite Stellung.

Mathias Müller ist Präsident der Klangwelt Toggenburg und gleichzeitig Gemeindepräsident von Lichtensteig (Bild: pd)
© Mathias Müller ist Präsident bei Klangwelt Toggenburg und gleichzeitig Gemeindepräsident von Lichtensteig (Bild: pd).

«Langsam habe ich das Gefühl, dass man in Wildhaus der Meinung ist, die ganze Welt drehe sich nur um sie. Zuerst wollen sie sieben Millionen für ein österreichisches Hotel, dann fünf Millionen für einen Skilift und nun 22 Millionen für ein Klanghaus. Geht’s eigentlich noch? Die sollen erst selbst einmal etwas leisten.»

Mathias Müller: In den vergangenen Jahren wurde kein grösserer Beitrag an die Hotellerie oder an die Bergbahnen geleistet. Ausserdem haben die Bergbahnen und die Hotellerie nichts mit dem Kulturprojekt Klanghaus direkt zu tun. Das Klanghaus ist der erste Zahlungsgrund, die erste Zahlung an das Toggenburg. Ausserdem haben die Bergbahnen und die Hotellerie nichts mit der Thematik zu tun. Das Klanghaus gehört zur Kulturstrategie, die der Kanton verabschiedet hat. Nicht nur im Toggenburg, sondern in verschiedenen Regionen, wird investiert. In der Stadt St.Gallen in die Lokremise und das Naturmuseum, in Rapperswil-Jona in das Kunstzeughaus oder im Werdenberg-Sarganserland in das Schloss.

«So so, die Klangwelt übernimmt eine Million von 23,3 Millionen. Das ist doch lachhaft. Jetzt wollen sich die Wildhauser ein Klanghaus mit drei Klangsälen bauen lassen. Die Öffentlichkeit soll bezahlen und ein, zwei Wirte profitieren. Alles andere als ein NEIN zu diesem Projekt ist unvernünftig.»

Mathias Müller: Das entspricht nicht ganz der Wahrheit. Die Klangwelt hat über sechs Millionen Franken für das Projekt gesammelt. Eine Million Franken wird an die Investitionen geleistet. Mit dem restlichen Geld wird der Betrieb des Klanghauses finanziert. Wir sind übrigens das erste kulturelle Schwerpunktprojekt im Kanton, das in diesem Umfang selbst für den Betrieb aufkommt. Zudem entsteht wesentlich mehr als «nur» drei Klangsäle.

Das Klanghaus soll direkt am Schwendisee entstehen. (Bild: pd)
© Das Klanghaus soll direkt am Schwendisee entstehen (Bild: pd)

«Wir stimmen über Zersiedelung und Verdichtung ab. Hier aber soll ab von jedem Zentrum, ohne öV-Anschluss, ein Haus in ein Naturschutzgebiet gebaut werden. Und alles schön unter dem Deckmantel Kulturförderung. Geld macht Kultur grundsätzlich kaputt.»

«In den Dörfern verrottet jedes zweite Hotel, aber in der schönen Natur soll dafür alles verbaut werden. Dazu an einem Ort, wo niemand mit dem öV hinkommt. Man merkt, dass Grüne und SP im Obertoggenburg nicht vertreten sind. Diesem Treiben muss ein Riegel geschoben werden.»

Mathias Müller: Das Gebiet Schwendi ist sehr gut über zwei Bergbahnen erschlossen. Mehrere zehntausend Menschen sind im Sommer auf dem Klangweg unterwegs. Ausserdem ist ein Ruf-Busbetrieb geplant. Dieser soll ähnlich funktionieren wie im Winter der Skibus. Viele Liegenschaften sind über zwei Strassen erschlossen, die in das Gebiet führen. Die Erschliessung ist somit sichergestellt und dies nicht nur durch den Individualverkehr, sondern auch durch den öffentlichen Verkehr. Übrigens ist das Obertoggenburg sogar mit einem SP-Kantonsrat bestückt.

«Ich sähe die 23 Millionen im Spital Wattwil sinnvoller eingesetzt. Aber da wollen wieder einige ihren Kopf durchsetzen, ohne eine ehrliche Kosten-Nutzen-Analyse.»

«23 Millionen für eine Klanghalle? Die Kultur rund um den Säntis hat sich nur dank des Umstands so gut erhalten, weil sie sich an der Freude des Brauchtums erfreute und nicht am Geld. Mit dem Klanghaus würde ein falsches Zeichen gesetzt. Es gibt Wichtigeres zu erledigen im Obertoggenburg.»

Mathias Müller: Öffentliche Gelder sind oft Teil der Kultur. Das Klanghaus ist nicht das einzige, das durch Kulturgelder mitfinanziert wird. Dass wir zusätzlich so viel private Gelder zur Verfügung stellen, ist eine einmalige Situation. Ich denke, es gibt verschiedene Themen, die polarisieren, und Kultur gehört dazu. Jeder Mensch hat einen anderen Zugang zur Kultur und der ist entweder gut oder etwas weniger gut. Dadurch gibt es Diskussionen. Man muss aber sagen, dass das Klanghaus nicht nur ein Kultur- sondern auch ein Touristikprojekt ist.

«Jodeln am See ist auch ohne Dach möglich»

Mathias Müller: Menschen, die so argumentieren, wollen das Klanghaus grundsätzlich nicht. Für die Klangwelt Toggenburg ist es aber ein wichtiger Eckpfeiler und ergänzt das Angebot mit Klangweg, Klangkursen, Klangfestival oder Klangschmiede. Diese Dinge wollen wir im Klanghaus bündeln und dadurch den touristischen und kulturellen Mehrwert steigern. Das Toggenburg und der ganze Kanton als Klangwelt sollen sich dadurch weiterentwickeln.

Mathias Müller selbst hat sich riesig gefreut über die grosse Zustimmung am Mittwoch im St.Galler Kantonsrat: «Nach über drei Jahren harter Arbeit, vielen Gesprächen, Studien, Geld und Unterschriften sammeln und der Gründung einer IG mit über 1400 Mitgliedern ist die Erleichterung und Freude riesig, dass der Kantonsrat so deutlich zugestimmt hat.» Jetzt würden Kampagnen aufgestellt, damit das Projekt bei der St.Galler Stimmbevölkerung Anklang findet. Über das Klanghaus abgestimmt wird voraussichtlich am 30. Juni 2019.

Lara Abderhalden