So viele Rattenmeldungen wie noch nie: Hat St.Gallen ein Problem?

Quelle: FM1Today/Marian Märki/Philomena Koch

In der Stadt St.Gallen häufen sich die Meldungen von Rattensichtungen. Vor allem um den Bahnhof sollen die Nager zu Hause sein. Doch sind sie eine Plage? Und wie sehen es die St.Gallerinnen und St.Galler? Wir haben nachgefragt.

Im St.Galler Stadtmelder gibt es mittlerweile mehrere Einträge zu unerwünschten Nagern. Auch wurden dieser Redaktion mehrere Videos von den herumwuselnden Tierchen zugeschickt. Gemeint sind Ratten. Vor allem rund um den Bahnhof – namentlich beim Kornhausplatz und an der Rosenbergstrasse – sollen sich die Tiere gemäss den Einträgen tummeln.

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Tummeln dürfte aber das falsche Wort sein. So zeigt eine Strassenumfrage von FM1Today, dass zwar einige St.Gallerinnen und St.Galler den Tieren schon über den Weg gelaufen sind. So sagen zwei junge Männer, dass sie den Nagern regelmässig am Morgen und am Abend begegnen. Von einer Plage oder einem Problem spricht allerdings niemand. Auch stören sich die wenigsten daran. So weist eine Befragte auf hygienische Bedenken hin, aber Angst oder Panik vor den Ratten hätte sie nicht.

Stadt entwarnt

Also alles halb so schlimm? «Ja», sagt Peter Baumann, Leiter Öffentlicher Raum und Tierschutz bei der Stadtpolizei St.Gallen, gegenüber FM1Today. Es sei richtig, dass die Tiere zu Gegend seien, vor allem um den Kornhausplatz. Dass Ratten sich in der Stadt heimisch fühlen, sei laut Baumann nicht aussergewöhnlich, aber: «Aussergewöhnlich ist, dass man sie manchmal auch am Tag sehen kann.»

Die Begründung dafür ist aber recht einfach. «Auf dem Kornhausplatz essen die Leute – und da fällt auch mal was auf den Boden. Die Ratten haben also eine Futterquelle», erklärt Baumann. Dies sei auch nicht weiter tragisch. Anders sieht es aus, wenn mutwillig Futter verteilt wird. Denn gemäss Baumann gebe es Leute, die Tauben im grösseren Stil füttern würden. «Da wird zum Teil kiloweise Vogelfutter verstreut. Das freut aber eben nicht nur die Tauben, sondern lockt auch die anderen Tiere an.» In der Stadt St.Gallen ist das Taubenfüttern nicht verboten, daher versucht die Stadtpolizei, die Vogelfreunde auf die schädlichen Aspekte hinzuweisen. Auch problematisch sei, wenn der Kehricht zu früh aus dem Haus gestellt wird. Dies würde ebenfalls Tiere anlocken. Die einfache Lösung der Stadtpolizei: Den Abfall in einen Container werfen. Diese gebe es schon ziemlich günstig zu kaufen und das Problem sei damit behoben.

So viele Ratten wie noch nie

Weiter sagt Baumann auch, dass die Stadt St.Gallen noch nie so viele Rattenmeldungen wie aktuell erhalten hat. Man müsse dies aber auch nüchtern betrachten. «Wir sprechen hier von fünf bis zehn Tieren, die gesehen wurden», erklärt er. Vermutlich gebe es aber noch einige weitere, die sich in der Kanalisation verstecken. Ein Problem oder gar eine Plage sei dies nicht.

Dennoch ist sich die Stadtpolizei bewusst, dass die Ratten zu einem Problem werden könnten. «Wenn sie in einer grossen Zahl auftreten, können sie Schwierigkeiten verursachen. Die Tiere vermehren sich ziemlich schnell.» Baumann weist hier auch auf Krankheitserreger hin, welche durch die Ratten verbreiten werden können.

Achtung: Keine Köder auslegen

Die Stadtpolizei wird gemäss Baumann im Frühling die Lage beim Kornhausplatz gemeinsam mit den zuständigen Stellen nochmals genauer unter die Lupe nehmen. Dazu gehöre der Wildhüter sowie ein professioneller Schädlingsbekämpfer. Man werde versuchen, andere Lösungen als die chemische zu finden. Denn der Einsatz von Giftködern müsse vom Bund bewilligt werden, da auf öffentlichem Grund nicht einfach Köder ausgelegt werden dürfen. Baumann mahnt daher auch ausdrücklich: «Wenn jemand eine Ratte bei sich zu Hause sieht, kann er Fallen und Köder auslegen. Auf öffentlichem Grund, also beispielsweise auf der Strasse vor dem Haus, ist dies nicht erlaubt und sogar strafbar.» Denn die Köder könnten andere Tiere wie Hunde oder Katzen oder gar Menschen vergiften.

veröffentlicht: 27. Februar 2024 05:20
aktualisiert: 27. Februar 2024 05:20
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