«Sie will die Bergbahnen Wildhaus schlechtmachen»

Wird von einem Zweitwohnungsbesitzer heftig kritisiert: Mélanie Eppenberger. (Archivbild)
© St.Galler Tagblatt/Hanspeter Schiess
Ein einseitiges Machtverhältnis, Erpressungsversuche, absichtliche Geldblockaden und eine vehemente Ablehnung all dessen, was eine Zusammenarbeit erfordert – diese Vorwürfe gelten der Frau an der Spitze der Toggenburg Bergbahnen, Mélanie Eppenberger, und kommen von einem Insider. Eppenbergers Sprecher wehrt sich.

«Es ist eine Feindseligkeit spürbar, da läuft es einem kalt den Rücken herunter.» Ein Zweitwohnungsbesitzer im Toggenburg berichtet von verschiedenen Treffen mit den Präsidenten der beiden Bahnen im Toggenburg, Jack Rhyner (Bergbahnen Wildhaus) und Mélanie Eppenberger (Toggenburg Bergbahnen). «Wenn die beiden an einem Tisch sassen, sträubten sich die Haare der Anwesenden.»

Jack Rhyner leide psychisch sehr unter dieser Feindseligkeit, «während Melanie Eppenberger alles egal war». «Sie kam in den Raum mit einem freundlichen Gesicht, ihrem sehr guten Umgang, aber dieser kalten, strategischen Art», sagt der Aktionär beider Bergbahnen.

«Simon Ammann würde nie in Wildhaus investieren»

Seine Vorwürfe an Mélanie Eppenberger sind happig, die zentrale Botschaft daraus: «Die Verwaltungsratspräsidentin der Toggenburg Bergbahnen blockiert absichtlich Gelder, welche die Bergbahnen Wildhaus dringend für einen Ausbau benötigen. Es ist alles eine ausgeklügelte Strategie, um Wildhaus fertig zu machen.»

Aber von vorne: Gemäss Quelle hat Mélanie Eppenberger bei Generalversammlungen der Toggenburg Bergbahnen im Zusammenhang mit den Bergbahnen Wildhaus (BBW) abschätzig über einen «geschmäcklerischen Billigtourismus» gesprochen. Immer wieder sei Wildhaus negativ bewertet worden: «Verwaltungsrat Simon Ammann sagte einmal, dass er nie einen Franken in die andere Bahn investieren würde», sagt der Insider. Für ihn geht das zu weit: «Man macht den anderen nicht schlecht, erst recht nicht als Sportler aus dem Toggenburg.»

Ansonsten halte sich Simon Ammann aber zurück, genau wie Mélanie Eppenbergers Ehemann, der ebenfalls im Verwaltungsrat sitzt: «Der Verwaltungsrat ist in der Hand der Familie Eppenberger. Mélanie Eppenberger hat sich zur starken Frau an der Spitze etabliert und damit das Sagen. Die Präsidentin hat den Stichentscheid bei Entscheidungen.» Dieses einseitige Machtverhältnis wirke sich negativ auf die Aktionäre und die ganze Entwicklung des Unternehmens aus.

Unstimmigkeiten zwischen den beiden Bergbahnen habe es schon immer gegeben – den Höhepunkt erreichten die Streitereien aber im Juni 2017, als Mélanie Eppenberger per Zeitungsinserat den Wildhauser Aktionären anbot, ihre Aktien für 25 Franken zu übernehmen. «Du kannst doch nicht eine ganze Bahn für den Preis eines Pistenfahrzeugs übernehmen», sagt der Zweitwohnungsbesitzer. «Was steckt dahinter?»

Für ihn ist klar: «Mélanie Eppenberger führt diese Übernahmeschlacht systematisch. Das feindliche Übernahmeangebot wurde nur gemacht, um die Regierung bei der Stange zu halten.» Schon mehrere Jahre ist bekannt, dass die Bergbahnen Wildhaus einen Bundesbeitrag von fünf Millionen Franken nur erhalten, wenn die beiden Bahnen zusammenarbeiten. Darauf beharrt die Regierung auch nach den neusten Entwicklungen.

Der Insider behauptet, Mélanie Eppenberger spiele gezielt mit diesem Entscheid der Regierung: «Eppenberger hat ein Druckmittel. Stimmen die Aktionäre dem Angebot nicht zu, gibt es kein Geld und keinen Ausbau. Auf diese fünf Millionen Franken sind die Wildhauser aber angewiesen.»

Der Aktionär betont, dass Eppenberger mehrmals ausgeführt habe, dass die Abtretung der Aktien für 25 Franken die einzige Lösung für einen Zusammenschluss und somit ein gemeinsames Ticket sei. «Sie war dabei immer stur und lehnte jegliche Vermittlungsversuche ab.»

«Amerikanische Strategie funktioniert im Toggenburg nicht»

Dokumente, die FM1Today vorliegen, zeigen einige Versuche des Gemeindepräsidenten von Wildhaus, Rolf Züllig, und Toggenburg-Tourismus-Präsident Max Nadig, zwischen den Parteien zu vermitteln. Die Toggenburg Bergbahnen bedanken sich in mehreren Schreiben für die Bemühungen eines gemeinsamen Tickets, weisen jedoch auf das laufende Kauf- und Tauschangebot hin.

Die beiden Bergbahnen werden niemals auf einen gemeinsamen Nenner kommen, das ist für den Insider so klar, wie die Churfirsten im Toggenburg stehen. Für ihn ist nun die Regierung am Zug: «Nur wenn die Regierung die Gelder für Wildhaus freigibt, kann Wildhaus auf Augenhöhe mit den Toggenburger Bergbahnen verhandeln und nur dann kann sich eine Lösung in diesem langwierigen Streit abzeichnen.»

Für ihn als Wohnungsbesitzer im Toggenburg steht fest: «Frau Eppenberger fehlt das Herz, das für das Toggenburg schlägt. Sie ist eine auswärtige Unternehmerin, die als Hobby eine Bahn führt. Diese amerikanische Strategie, die sie im Toggenburg verfolgt, taugt vielleicht im Silicon Valley, nicht aber bei uns.»

«Wir sind für Fusionsgespräche bereit»

Zu den Vorwürfen des Aktionärs wollen die Toggenburg Bergbahnen keine Stellung beziehen: «Wir fühlen uns nicht verpflichtet, auf anonyme Aussagen zu antworten», schreibt Medienmanager Alex Singenberger. Dennoch wollen die Bahnen einige Sachverhalte klar stellen.

Seit über zehn Jahren und somit bevor es das feindliche Übernahmeangebot gab, sei klar, dass es keine öffentlichen Gelder ohne Fusion gibt: «Die Entscheidung der Regierung hat also nichts mit Mélanie Eppenberger zu tun, möglicherweise vielmehr mit den bedenklichen Ergebnissen in anderen Fällen, in denen öffentliches Geld im Giesskannenprinzip in den Bergbahn-Tourismus gegossen wurde.»

Dass sich Mélanie Eppenberger gegen Fusionsgespräche sträubt, wird mit Dokumenten widerlegt, die Alex Singenberger dem Schreiben beilegt. «Die Toggenburg Bergbahnen waren schon immer für Fusionsgespräche bereit und haben dies mehrfach schriftlich und unzählige Male mündlich kommuniziert.»

«Pflästerli-Politik bringt keinen Erfolg»

Ein Interview aus dem Jahr 2008 mit Jack Rhyner zeige ausserdem, dass die Bedingungen, die der Verwaltungsratspräsident der Bergbahnen Wildhaus damals für eine Fusion stellte, mittlerweile längst erfüllt seien. Nur sei Rhyner jetzt nicht mehr für Fusionsgespräche zu haben. In einem Schreiben an die Aktionäre empfehle er diesen, nicht auf das Angebot der Toggenburg Bergbahnen herein zu fallen und das Übernahmeangebot abzulehnen. «Pflästerli-Politik und Gärtlidenken haben nie den Erfolg gebracht, den das Toggenburg heute braucht», schreibt Alex Singenberger abschliessend.

Die Chäserrugg-Seite (Toggenburg Bergbahnen) will, gemäss eigener Aussage, bei einer Fusion die Verbindungen zwischen den Skigebieten verbessern, den Skinachwuchs fördern und das Oberdorf in Wildhaus bewusst als Familiengebiet positionieren und entwickeln.

Stecken finanzielle Gründe hinter Übernahmeversuch?

Die Übernahme habe nur finanzielle Gründe, sagen die Bergbahnen Wildhaus: Im neusten Aktionärsbrief der Bergbahnen Wildhaus vom Mittwoch spricht der Verwaltungsrat von einem «unsäglichen Erpressungsversuch im Obertoggenburg». Der Ursprung des Übernahmeangebots seien fehlende liquide Mittel, die von der hohen Schuldenlast der Chäserrugg-Investitionen herrührten. Nur durch eine Übernahme könnten die Toggenburg Bergbahnen die Mittel der faktisch schuldenfreien Bergbahnen Wildhaus einheimsen.

Schulden, einseitige Machtverhältnisse, Uneinsichtigkeit, Gärtlidenken - die Liste der Vorwürfe beider Parteien ist lang - so lange wie der Weg, den es braucht, bis die Bahnen wieder an einem gemeinsamen Strick ziehen werden.