Alle Jahre wieder: «Dumme» Schwäne sind zurück

Das vermeintlich «dumme» Schwanenpaar aus Rorschach baut gerade erneut sein Nest an dem ungünstigen Ort beim Arion. Grund dafür sind zu wenige gute Nistplätze am Bodensee. Ob die Tiere beim Ausbrüten Hilfe brauchen, ist noch unklar.

Es ist Mittag, in Rorschach scheint die Sonne und am Ufer beim Arion bleibt ein Paar mittleren Alters stehen. Er zeigt auf die vielen Äste direkt am Rande des Wassers. «Schau mal, da bauen Schwäne wieder ein Nest!», sagt er. «Lernen diese Tiere denn nie dazu?», fragt sie und schüttelt den Kopf.

Die ganze Stadt bangt um Nachwuchs

Tatsächlich spielt sich diese Szene in Rorschach Jahr für Jahr ab. Mitte April baut ein Schwanenpaar jeweils sein Nest an einem denkbar ungünstigen Ort zwischen Badhütte und Arion, wo es bei hohem Wasserpegel droht, in den See gespült zu werden. Dank ihrer Unbelehrbarkeit und dem exponierten Nistplatz sind die «dummen» Schwäne mittlerweile eine kleine Berühmtheit sowie ein beliebtes Fotomotiv für Passantinnen und Passanten. Die ganze Stadt bangt ausserdem jedes Jahr um deren Nachwuchs.

Braucht es Massnahmen?

Vor zwei Jahren versenkte ein lokaler Gartenbauer zusammen mit dem Ostschweizer Wildhüter Mirko Calderara sogar vorübergehend Steinblöcke im Wasser. Dies, um die Wellen zu brechen, welche das Nest wegreissen können. Ob es dieses Jahr wieder eine solche Aktion braucht, ist unklar. Das Schwanenpaar ist zwar wieder da, wie Fotos von Sonntag zeigen. «Es kann aber sein, dass der Wasserstand gar nicht so sehr steigt und dem Nest nichts passiert», sagt Calderara. Falls doch, werde man die Situation neu beurteilen.

Nur wenig gute Nistplätze

Der Grund, warum die Schwäne ihr Nest jedes Jahr an einer solch ungünstigen Stelle bauen, ist nicht etwa ihre Dummheit – es sind die raren Nistplätze am Bodensee. «Das Ufer ist ziemlich verbaut und für die Schwäne wird es zunehmend schwieriger, einen geeigneten Platz zu finden», sagt der Wildhüter. Hinzu komme, dass im Bodensee sehr viele Schwäne lebten und das Brutgebiet auch deshalb sehr eng sei. «Schwäne werden alt und die guten Nistplätze bleiben etliche Jahre besetzt.»

«Der Natur freien Lauf lassen»

Da es ohnehin schon so viele Schwäne gibt, komme es auch nicht in Frage, künstliche Nistplätze für die grossen Entenvögel zu schaffen. «Generell klappt ja alles sehr gut und manchmal muss man der Natur auch einfach freien Lauf lassen», sagt Calderara. Letztes Jahr konnten die Schwäne ihre Eier an ihrem riskanten Nistplatz in Rorschach erfolgreich ausbrüten. Es gab laut Calderara zwei oder drei Schwanenbabys. Je nachdem, wie viele Eier befruchtet sind, könnte es auch diesen Mai wieder soweit sein. Dann hat Rorschach neben dem exponierten Nest beim Arion wohl eine weitere Attraktion.

veröffentlicht: 20. April 2021 10:04
aktualisiert: 19. April 2021 16:53