Taylor Swifts Texte «zu banal oder trivial»

Taylor Swift wird in einem Copyright-Prozess freigesprochen. Der Grund ist allerdings wenig schmeichelhaft. Ihre Texte seien nicht kreativ genug.

Das tönt jetzt ein bisschen hart: Aber ein Gericht in Kalifornien befand den Text zum Taylor-Swift-Hit «Shake It Off» zu «banal oder trivial». Deshalb könne Swift auch nicht vorgeworfen werden, sie hätte einige Zeilen aus «Playas Gon' Play» von Sean Hall und Nathan Butler geklaut. Der richterliche «Diss» trifft damit nicht einmal in erster Linie Taylor Swift, da ja bereits die ursprüngliche Textpassage nicht schützenswert sei.

Hall und Butler sangen in ihrem Song von 2001 «Playas they gonna play, and haters they gonna hate». Bei Taylor Swift hiess es 2014: «The players gonna play, play, play, play, and the haters gonna hate, hate, hate, hate.»

Der Richter sah hier keine direkte Referenz. Er meinte: «In den frühen 2000er-Jahren war die Populärkultur mit dem Konzept der ‹players› und ‹haters› genügend vertraut, um Sprüche wie ‹playas... gonna play› oder ‹haters... gonna hate› zu machen. Etwa ähnlich unkreativ wäre ‹runners gonna run›, ‹drummers gonna drum› oder ‹swimmers gonna swim›.»

Der Anwalt von Hall und Butler meinte gegenüber CNBC, dass er das Urteil eine Instanz weiterzieht: «Ein Richter kann sich doch nicht als Musik-Experte geben. Sorry, aber dieses Urteil ist einfach nur peinlich.»

Mindestens in einem Punkt müssen wir dem Anwalt recht geben. Wirklich kreativ ist der Urteilsspruch nicht. Bereits 2015 wollte ein Mann Schadenersatz für genau diese Passage aus «Shake It Off» von Swift. Er meinte, dass Swift nie auf diesen Text gekommen wäre, wenn er ihn nicht in einem Youtube-Video gebracht hätte.

Die Richterin wies die Klage ab und zitierte in der Begründung gleich mal aus zwei Swift-Songs («We Are Never Ever Getting Back Together» und «Blank Space»). Weil es so grandios ist, müssen wir das hier auch im Original wiedergeben: «At present, the Court is not saying that Braham can never, ever, ever get his case back in court. But, for now, we have got problems, and the Court is not sure Braham can solve them. As currently drafted, the Complaint has a blank space—one that requires Braham to do more than write his name. And, upon consideration of the Court's explanation . . . Braham may discover that mere pleading Band-Aids will not fix the bullet holes in his case. At least for the moment, Defendants have shaken off this lawsuit.»

Frei übersetzt: Momentan heisst das nicht, dass Braham (der Kläger) diesen Fall nie mehr wieder, wieder, wieder vor Gericht bringen kann. Aber derzeit haben wir ein Problem und das Gericht ist sich nicht sicher, ob Braham es lösen kann. So, wie die Klage jetzt formuliert ist, hat sie eine Lücke - eine, bei der Braham mehr machen muss, als nur seinen Namen hinzuschreiben. Und, so wie es das Gericht sieht... wird Braham merken, dass es nichts nützt, wenn man Pflästerli für eine Schusswunde fordert. Mindestens für den Moment haben die Angeklagten den Prozess abschütteln können.

René Rödiger
veröffentlicht: 16. Februar 2018 12:33
aktualisiert: 16. Februar 2018 13:24