Reformierte und Katholiken unter einem Dach

Matthias Wenk ist Pfarreibeauftragter in der ökumenischen Gemeinde in Halden.
© zVg
Vor 500 Jahren spaltete sich ein Teil der Katholiken von der Kirche ab und sie gründeten ihre eigene Glaubensgemeinschaft. Die Reformation mit Leitfiguren wie Luther, Zwingli oder auch Vadian wurde vollzogen. Heute feiern Reformierte und Katholiken teilweise wieder gemeinsam Gottesdienst, zum Beispiel in der ökumenischen Kirche Halden in St.Gallen.

Vor 40 Jahren haben sich die Reformierten und Katholiken in der Gemeinde zusammen getan und eine ökumenische Kirchgemeinde gegründet. Etwas sehr spezielles zu jener Zeit. Noch heute hat die Gemeinde Halden eine Ausstrahlung, die weit über St.Gallen hinausreicht. Zwar ist die Gemeinde Halden in die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Tablat und die römisch-katholische Seelsorgeeinheit St.Gallen Ost unterteilt - die ökumenische Zusammenarbeit findet aber auf allen Ebenen statt. Seit 2003 hat man ein gemeinsames Büro. Das Seelsorgeteam ist ebenso konfessionell durchmischt wie die Leitungsgremien.

«Reformation war nötig»

Der Pfarreibeauftragte der Kirche Halden ist Matthias Wenk. In der FM1-Sendung «Gott und d'Wält» spricht er über die Reformation und die Zukunft der Ökumenischen Kirche.

Wenn er 500 Jahre zurück schaut, sagt er: «Die Reformation war nötig. Als sie stattfand, herrschten ganz viele Missstände in der katholischen Kirche. Man versuchte, den Kern des Christentums zu suchen und das hat der Kirche offensichtlich sehr gut getan.»

Als die Kirche Halden entstanden ist, wollte man sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche berücksichtigen. «Hätte es die Reformation nicht gegeben, wäre die Kirche sehr viel katholischer», sagt Matthias Wenk. «So sind wir in der ökumenischen Kirche Halden alle auf einer Ebene, der Altar ist nicht speziell abgehoben und man kann den Kirchenraum für vieles nutzen.»

Reformation hat Katholiken auf Bibel fokussieren lassen

Die Reformation habe nicht nur für die Reformierten Vorteile gebracht, auch die Katholiken hätten dadurch eine Art Reinigung ihrer Kirche erfahren. So hätten die Katholiken wieder verstärkt zur Bibel gefunden und sie mehr für ihre Gottesdienste genutzt. «Ausserdem hat man begonnen, sich mit anderen Glaubensrichtungen auseinander zu setzen», sagt Matthias Wenk. «Die Reformation gab den Katholiken Konkurrenz und das belebte den ‹Wettbewerb›». Matthias Wenk findet, die Kirche sollte sich immer wieder auf die Bedürfnisse ihrer Bürger rückbesinnen und diese hinterfragen.

Ökumenische Kirche - eine Kirche der Zukunft?

Auf der Webseite der Ökumenische Gemeinde Halden ist das Lebensmotto von Matthias Wenk aufgeführt: «Lebe das, was du vom Evangelium verstanden hast. Und wenn es noch so wenig ist. Aber lebe es.» Ein Motto, das sich wohl gut auf seine Kirchgemeinde ableiten lässt. Treffen sich dort doch Gruppen von ganz verschiedenen Religionen.

Dieses Modell einer Kirche für Reformierte und Katholische hat Potential für die Zukunft, meint der Pfarreibeauftragte. «Wir bekommen immer wieder Post, auf der ‹ökonomische Kirche› steht», sagt Matthias Wenk und lacht. Das passe eigentlich ganz gut: «Die Teilung der Kirche wirkt sich aufs Budget aus und ich habe das Gefühl, die Leute unterscheiden gar nicht mehr gross, was katholisch und was reformiert ist.»

500 Jahre ist es her, seitdem sich die Christen in Katholiken und Reformierte getrennt haben. Matthias Wenk hat lange darüber nachgedacht, welcher Reformator sein liebster ist. «Zwingli, der in Zürich wirkte, finde ich kritisch, weil er mit den anderen Religionen sehr kritisch und harsch umging. Die Einstellung von Vadian, der hier in St.Gallen tätig war, finde ich sehr interessant. Ihm ist es gelungen, die Reformation friedlich über die Bühne zu bringen und er hatte Respekt vor Menschen mit anderem Glauben.»

«Wir müssen dran bleiben»

Matthias Wenk findet den Austausch zwischen den Kirchen heute sehr wichtig. «Wenn wir nur schon 70 Jahre zurückdenken, ins Dritte Reich, da sehen wir, für wie dumm die Menschen damals gehalten wurden und so etwas darf einfach nicht mehr passieren.» Schuld für dieses Debakel ist laut ihm die Bildung. «Wer frei sein will, braucht Bildung und wer Bildung hat, kann sich Freiheit erarbeiten, auch im Diskurs. Wenn man miteinander spricht, sich austauscht und diskutiert, dann kann man sich dieses Wissen erarbeiten», findet der Pfarreibeauftragte.

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Fabienne Engbers
veröffentlicht: 22. Januar 2017 12:29
aktualisiert: 22. Januar 2017 12:29