Die 5 grössten Masken-Mythen und was dahintersteckt

Franziska Kluschke, Ausserrhoder Kantonsärztin, klärt über den richtigen Maskengebrauch auf.
© Radio FM1
Für Kinder können sie zur Gefahr werden und selbstgenähte Masken sind für die Katz: Franziska Kluschke, Kantonsärztin von Appenzell Ausserrhoden, klärt die fünf grössten Mythen rund um Schutzmasken.

Mythos 1: Masken sind für Kinder gefährlich

Unter anderem auf Social Media wird davon abgeraten, Kindern unter sechs Jahren eine Maske aufzusetzen – weil sich darunter CO2 sammle und dieses eine Atemlähmung verursachen könne. Ist tatsächlich Vorsicht geboten?

Franziska Kluschke: Die Funktion von Atemschutzmasken besteht darin, den Träger vor Schadstoffen zu schützen, die sich in der Luft befinden – und zwar ohne dabei die normale Atmung zu beeinträchtigen. Je höher die Schutzkategorie einer solchen Maske, desto kleiner sind die Partikel, die herausgefiltert werden. Für normale Atemgase wie Sauerstoff oder Kohlenstoffdioxid sind die Masken in jedem Fall durchlässig und die Sorge, dass es zu einer Ansammlung von gefährlichen Atemgasen kommen könnte, ist unbegründet.

Richtig ist aber, dass Masken, damit sie ihre Funktion erfüllen können, richtig angewendet werden müssen. Sie müssen eng anliegen und entsprechend richtig aufgesetzt werden. Damit ist es natürlich sinnvoll, wenn Kinder erst ab einem Alter eine Maske tragen, in dem sie die Anwendung der Masken verstehen und diese richtig umsetzen können.

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Quelle: CH Media Video Unit

Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit betont immer wieder, dass Kinder keine wesentlichen Überträger des Coronavirus seien – und wenn überhaupt, nur leicht erkranken. Ist der Masken-Einsatz also überhaupt sinnvoll?

In Situationen, in denen kleinere Kinder unter sich sind, etwa in der Schule, wird das Tragen von Masken klar nicht empfohlen. Wenn die Kinder älter werden und die Möglichkeit zunimmt, dass sie das Virus übertragen können – und sie den Mindestabstand von zwei Metern beispielsweise im öffentlichen Verkehr nicht einhalten können – kann es auch für Jugendliche Sinn ergeben, eine Maske aufzusetzen, wenn denn die richtige Anwendung gewährleistet ist.

Mythos 2: Masken schützen gar nicht

Inwiefern schützen Einwegmasken, die es derzeit unter anderem in Supermärkten zu kaufen gibt?

Der wichtigste und beste Schutz bleibt das Einhalten der Abstandsregeln und der allgemeinen Hygieneempfehlungen. Wenn wir eine Distanz von zwei Metern nicht einhalten können, können Masken, insbesondere die bekannten Einweg-Hygienemasken, zusätzlichen Schutz bieten. Wie auch beim Zahnarzt oder beim Chirurgen im OP verhindern die Masken, dass Tröpfchen zum Beispiel beim Husten oder Sprechen ausgeschieden werden und so das Virus auf ein Gegenüber oder Oberflächen gelangt, wo sich jemand anderes anstecken kann.

Wie erkenne ich als Nutzer, welche Maske einen ausreichenden Schutz bietet?

Der wichtigste Hinweis, auf den ich achten kann, ist eine CE-Zertifizierung der Maske. Diese garantiert, dass der Schutz der Maske ausreichend ist und sie die Sicherheitsstandards erfüllt. Personen, die ältere Masken im Schrank haben, wird empfohlen, das Ablaufdatum zu überprüfen und gegebenenfalls abgelaufene Masken durch neuere zu ersetzen, um sicherzugehen, dass der Schutz nach wie vor gewährleistet ist.

Mythos 3: Einwegmasken muss man nach einmaligem Tragen wegwerfen

Masken sind noch immer nicht im Überfluss vorhanden. Können Einwegmasken zur Not auch mehrmals verwendet werden?

Wie der Name «Einweg» schon andeutet, sollten die normalen Hygienemasken tatsächlich nur einmal angewendet und danach ersetzt werden. Es gibt gewisse Ausnahmesituationen in Spitälern, in denen ausgebildetes Personal eine Maske unter ganz einwandfreier Hygiene anlegen, tragen und absetzen und auch sicher übertragungsgeschützt lagern kann. Dann können die Einwegmasken nach einer Pause auch mal weiterverwendet werden. Diese Schutzmassnahmen lassen sich im Alltag aber nicht umsetzen und hier ist es korrekt, die Maske nach einmaliger Nutzung sicher zu entsorgen, denn sie könnte an der Oberfläche schon kontaminiert sein.

Verschiedene Schweizer Firmen haben auf die Herstellung von Schutzmasken umgestellt.

© Keystone

Einwegmasken können mit «Tricks» wie Bügeln oder Waschen also auch nicht wieder virenfrei gemacht werden.

Nein, das ist nicht zu empfehlen. Einwegmasken sollten nicht wieder aufgearbeitet, sondern ersetzt werden. Wir sind Gott sei Dank im Moment auch in der Situation, dass die Verfügbarkeit an Masken am Markt ausreichend ist, um dieses Vorgehen zu gewährleisten.

Mythos 4: Masken sind Infektionsherde

Inwiefern können Masken selber zur Gefahr werden?

Die grösste Gefahr, die durch das Tragen von Masken ausgeht, ist das Gefühl einer falschen Sicherheit, das sie vermitteln – nämlich, wenn sie dazu führen, dass die Distanz- und Hygienevorschriften nicht mehr eingehalten werden. Dass mehr soziale Kontakte gesucht werden als unbedingt nötig. Dadurch geht der Schutz, der durch das Social Distancing entsteht, verloren. Auch bei einer richtigen Anwendung bietet die alleinige Anwendung von Masken dem Träger keinen hundertprozentigen Schutz.

Wenn sie nicht korrekt angewendet werden, können Masken sogar zur Gefahr werden. Zum Beispiel können sich in feuchten Stoffmasken Erreger sammeln und im feuchten Milieu auch über längere Zeit überleben. Fasst man eine solche Maske von aussen an, hat man die Erreger auf der Hand und kann sie in die Schleimhäute übertragen. Von daher sollten Masken in Situationen, in denen ich einen engen Kontakt zu anderen nicht vermeiden kann, entsprechend der Vorgaben korrekt angewendet werden.

Welche sind die grössten Fehler im Umgang mit Schutzmasken?

Man muss sich einfach überlegen, wo die Keime sein könnten – und wie man vermeiden kann, dass sie von der Maske woanders hingelangen. Sicher sollte man seine Hände ordentlich und gründlich waschen oder desinfizieren, bevor man die Maske überhaupt anfasst. Zudem sollte die Maske an den Bändern angefasst werden, man sollte nicht allzu sehr an der Maske selbst herumdrücken. Sicher nicht zu empfehlen ist es, sich die Maske unters Kinn zu klemmen und anschliessend wieder aufzusetzen, da ist die Schutzwirkung natürlich zunichte gemacht.

Mythos 5: Selbstgebastelte Masken nützen nichts

Ob aus Staubsaugerbeuteln oder alten Stoffresten, es liegt offenbar im Trend, selbst Schutzmasken herzustellen. Bringen diese überhaupt etwas?

Das Problem mit den selbstgenähten Stoffmasken ist, dass diese aufgrund der unterschiedlichen Fertigungsweisen und Stoffe nicht standardisiert sind. Die Schutzwirkung, die für die Umgebung durch solche Masken entsteht, kann nicht vorhergesagt oder beurteilt werden. Es gibt wenige Untersuchungen zu selbstgebastelten Masken und die besagen, dass die Schutzwirkung im Grunde deutlich geringer ist, als bei handelsüblichen, standardisierten Hygienemasken. Auch variiert sie je nach Beschaffenheit der Stoffe stark.

Sie raten vom Tragen selbstgemachter Masken also ab.

Wenn jemand eine Stoffmaske tragen möchte, dann doch bitte nur, wenn die Distanz- und Hygienemassnahmen eingehalten werden können. In Situationen, in denen man diese Distanz nicht einhalten kann, muss dringend angeraten werden, eine Maske zu verwenden, die nachweislich schützt. Es kommt auch nicht darauf an, ob man schnell mal aus dem Haus geht oder für längere Zeit, sondern auf die Situation, der man sich aussetzt.