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Ab Sommer 2024 gibt es zwei neue Lehrberufe in der Solarbranche

«Wichtiger Schritt für Energiewende» – Solarbranche erhält zwei Lehren

Ab diesem Sommer bildet die Solarbranche ihre Fachleute selbst aus. (Symbolbild)
© Keystone/CHRISTIAN BEUTLER
Die Solarbranche wächst seit Jahren und wird es angesichts der Energiewende auch noch weiter tun. Wie fast überall fehlt es aber auch dort an Fachkräften. Bis anhin gab es jedoch noch keine Lehre in der Branche – das ändert sich jetzt.

Solaranlagen montieren, installieren und reparieren – das tun Solarinstallateure bei ihrer täglichen Arbeit. Was bis anhin ein Quereinsteigerberuf war, erhält nun ab diesem Sommer zwei eigene Lehrberufe: Solarinstallateur EFZ und Solarmonteur EBA. Dadurch soll der Fachkräftemangel in der Branche bekämpft werden und gleichzeitig ein Qualitätsstandard für die Arbeiten an Solaranlagen gesetzt werden.

«Das Interesse der Leute ist gross»

Bei der A. Kuster AG in Weinfelden tritt im August einer der ersten Solarinstallateure seine 3-jährige Lehre an. Für den Geschäftsführer Andreas Kuster ist klar, dass die neuen Solar-Ausbildungen wichtig sind: «Wir brauchen und wollen Leute, die Solaranlagen sauber und einwandfrei montieren. Also müssen wir Fachkräfte schaffen, das geht am besten über eine Ausbildung. Dadurch erhält der Beruf einen Stellenwert und einen Qualitätsstandard.»

Laut Kuster ist das Interesse der Leute eigentlich hoch, denn: «Die neuen Lehrberufe haben höchste Zukunftsperspektiven. Gerade auch die Thematik der Energiewende und mehr Eigenversorgung spielen in die Karten des Berufs.» Trotzdem erhielten sie auf die ausgeschriebene Lehrstelle nur wenige Bewerbungen. Dies liegt aber an der Kurzfristigkeit, denn die Berufe gibt es offiziell erst seit letztem Oktober, als die Berufsverordnung in Kraft trat.

«Was wir aber merken, ist, dass Schnupperlehren gefragt sind. Wir erhalten regelmässig Bewerbungen von Jugendlichen, welche diesen Beruf bei uns schnuppern wollen», so Kuster.

Die A. Kuster AG installiert bereits seit 14 Jahren Photovoltaikanlagen in verschiedensten Formen und bildet auch verwandte Lehrberufe aus. «Bis anhin waren ja alle in der Solarbranche Quereinsteiger, denn es gab gar keine Ausbildung. Man hat die Leute indirekt selbst ausgebildet und ich habe auch Mitarbeiter, die Fachkurse unterrichten», sagt Kuster. Somit war klar, dass sie auch Lernende in den neuen Solarberufen ausbilden wollen: «Wir können ja nicht jammern, dass wir keine Leute haben und dann keine selbst ausbilden. Das geht nicht auf.»

Wer ist Lehrmeister, wenn es die Lehre bislang gar nicht gab?

Gemäss Beat Hanselmann, Leiter Bildung beim Bildungszentrum Polybau Uzwil, haben bis jetzt zirka 60 bis 70 Betriebe schweizweit eine Ausbildungsbewilligung für die neuen Solarlehrstellen erhalten. Davon stammen zirka 30 Betriebe aus der Ostschweiz.

Um eine solche Ausbildungsbewilligung zu erhalten, müssen Betriebe gewährleisten können, dass der oder die Auszubildende die im Bildungsplan geforderten Arbeiten auch im Betrieb erlernen kann. Dazu gehört beispielsweise die Montage von Solaranlagen auf Steil- und Flachdach sowie Installationsarbeiten an Solaranlagen.

Zusätzlich müssen die Betriebe mindestens eine NIV-14-Bewilligung haben und einen Lehrmeister. Aber wer ist Lehrmeister, wenn es die Lehre bis anhin noch gar nicht gab? Jemand mit Berufsbildnerkurs, der einen verwandten Beruf gelernt hat und Erfahrung in der Solarbranche hat. «Natürlich gibt es auch noch ein paar Auflagen, wie der Betrieb eingerichtet sein muss, damit die Qualität der Ausbildung gewährleistet ist», sagt Hanselmann.

30 Lernenden sind angemeldet

Bis zum jetzigen Zeitpunkt seien offiziell 30 Lernende für den Schulstart im August beim Berufszentrum Polybau angemeldet. Laut Hanselmann rechnet Polybau aber mit 60 bis 80 Lernenden im Sommer: «Als Bildungszentrum nehmen wir, was kommt. Die Branche hätte natürlich am liebsten schon 400 Lernende, aber wenn wir mit 60 bis 80 starten, ist das eine gute Zahl.» Gerade, auch wenn man es mit den Zahlen von «alten» Berufen im gleichen Berufsfeld vergleicht: Bei den Dachdeckern starten beispielsweise jeweils zwischen 100 und 120 Jugendliche ihre Lehre.

«Die Solarbranche ist sehr engagiert und freut sich auf das Ausbilden ihrer eigenen Fachleute», sagt Hanselmann weiter. Gerade deshalb und durch die gute Zusammenarbeit der Branche sowie Bund und Kantonen waren die schnelle Erschaffung der neuen Lehrberufe überhaupt möglich.

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Linda Hans
veröffentlicht: 11. April 2024 05:52
aktualisiert: 11. April 2024 05:52
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