Vorhang verkauft: Der Zirkus ist tot

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Quelle: FM1Today / TVO

Nach Jahren schlechter Führung und Misswirtschaft findet der Circus Royal sein definitives Ende. Was von den Überresten nicht verkauft werden kann, wird verschrottet. Ein Augenschein bei der Auktion in Gossau.

Auf dem Abstellplatz zwischen St.Gallen und Gossau herrscht der Tod. Daran besteht nicht der geringste Zweifel. Auch das gleissende Sonnenlicht, das erste seit Wochen, vermag nicht darüber hinwegzutäuschen.

Im Matsch neben dem Schlachthof warten die gelb-blauen Wagen des einst stolzen Circus Royal darauf, endlich sterben zu dürfen. Sie sind heruntergekommen, die Farbe blättert, sie sind umgeben von Gestank. Auf eine Wiedergeburt dürfen sie kaum mehr hoffen.

Denn was bis Samstag keinen Abnehmer findet, wird verschrottet, wie der Konkursverkäufer Gust Bischofberger im Vorfeld ankündigte. So finden sich einige Schaulustige und Kaufinteressierte unter den Besuchern. Ab und zu hört man bei der Begehung klar und deutlich eine Kuh aus dem Schlachthof schreien. «Do tötelets», sagt einer der Besucher zu seinem Kollegen.

Heilloses Chaos

Der Restverkauf des Circus Royal lockt die unterschiedlichsten Interessenten an. Einige wollen nur schauen, andere suchen nach Spezifischem. «Wir wollten einen der Buchstaben kaufen», sagt eine junge Frau. Sie sei bereit, dafür bis zu 100 Franken zu bezahlen. Doch die begehrten Objekte sind wohl schon weg.

Was bleibt, ist ein heilloses Chaos. In den Wägen stapelt sich Abfall, man sieht halb von den Bettgestellen gerissene Matratzen, alles ist voll Dreck.

Nicht gerade heimelig: Das Quartier in einem der Wagen. 

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«Dieses Ende passt zum Circus Royal», meint ein Pärchen in Anlehnung an die Geschichte des Skandalunternehmens. Sie seien Zirkusfans, doch hier gebe es für sie nichts, was sich mitzunehmen lohne. Der Zustand der Wagen und des verbliebenen Inventars sei ernüchternd.

Alles Gute ist schon Weg

Der Gossauer Unternehmer Gust Bischofberger ist ebenfalls anwesend. Sein Handy klingelt beinahe ununterbrochen. «Die besten Wagen wurden schon vor dem Winter verkauft», sagt er gegenüber FM1Today. Doch auch die Restposten liefen gut. Das Zirkuszelt etwa und auch die berühmte Krone des einst royalen Zirkus seien verkauft und würden abgeholt.

Für die verbliebenen Wagen verlangt er den Gegenwert des Eisenpreises. Das ist an sich nicht besonders viel – doch er stellt Bedingungen. Die Käufer müssen den Wagen samt Inhalt mitnehmen. Und die verbliebenen Wagen sind entweder riesig, mit Ramsch vollgestopft, oder beides.

Eines der wenigen verbliebenen Zirkustiere.

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Ein Pärchen sucht nach einem Verkaufswagen, wird aber nicht fündig. Die vorhandenen seien zu gross und man müsste wohl noch viel Zeit darin investieren. Das musste auch Gust Bischofberger. Er sei vom Thurgauer Konkursamt angefragt worden und kümmere sich um den Verkauf. Es sei aber vor allem eine Möglichkeit, um sein Unternehmen «Rampenjakob» zu bewerben.

Denn der Unternehmer muss in der Krise Federn lassen. Seine andere Firma, Gusts's Party Zubehör GmbH, steht seit fast einem Jahr still. Nun möchte jedoch auch er mit dem Zirkus abschliessen. Die übrig gebliebenen Wagen würden unter anderem Standkosten verursachen.

Trotz Krone nichts Königliches

Beim Besuch des Verkaufsplatzes kommt man aus der Verwunderung kaum heraus. Vor einem der hinteren Wagen liegt kistenweise Christbaumschmuck. Aus einem der mittleren fallen achtlos zusammengeworfene Kostüme heraus, die Türen sind aus den Angeln gerissen und hängen einfach so herab.

In einem Wagen sitzt ein sonderbarer Plüschgorilla. Er scheint traurig in die Ferne zu blicken und sich an bessere Tage zu erinnern. Diese sind heute schwer Vorstellbar. Es sieht so aus, als wären die Artisten, Tiere und Zirkusleute vom einen Moment auf den anderen aufgebrochen und hätten alles liegengelassen.

Die ach so königliche Vergangenheit ist nur noch eine Spiegelung in einer Pfütze aus Schlamm.

Kein königliches Ende für den Circus Royal. 

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