«Kinder gehören nicht zu meinem Publikum»: So lebt es sich als Rapper und Lehrer

Der 33-Jährige ist Primarlehrer und Rapper.
© Yoel Morales
Rund viereinhalb Jahre hat der St.Galler Musiker Depat Milieu an seinem neuen Rap-Album gearbeitet. Hauptberuflich ist der 33-Jährige nämlich Primarlehrer. Wie er die beiden Berufe in Einklang bringt, erzählt er im Interview.

«Ab und zu fliesst etwas Hip-Hop-Kultur in meinen Unterricht mit ein», erzählt Patrik Wohlwend alias Depat Milieu. Der 33-Jährige ist nämlich nicht nur Primarlehrer, sondern auch Rapper. Im Fach Bildnerisches Gestalten gebe es manchmal Aufgaben im Bereich Streetart oder es werden Rap-Texte im Musikunterricht geschrieben.

Und davon profitieren nicht nur die Kids: «Der kreative und bewusste Umgang mit Wörtern und Sprache gehört als Rapper dazu. Das bringt mir auch im Berufsalltag als Lehrperson viel, da Kommunikation ebenfalls eine wesentliche Rolle spielt.»

Keine Texte unter der Gürtellinie

Im Grossen und Ganzen hätte er nie Probleme damit gehabt, die beiden Tätigkeiten zu vereinbaren. Im Schulzimmer sei er für die Schülerinnen und Schüler primär die Lehrperson. «Ich habe grosse Freude daran, Kinder und Jugendliche beim Lernen zu begleiten und zu unterstützen.»

Doch muss man hier nicht beim Texten aufpassen? «In der Freizeit bin ich Rapper und schreibe das, was mich bewegt und inspiriert, in Songs nieder. Kinder und Jugendliche gehören in aller Regel aber nicht zum Publikum, an welche ich die Lieder richte», sagt Wohlwend, der in St.Gallen wohnt.

Ihm sei aber bewusst, dass Schülerinnen und Schüler mit seinen Songs und Texten in Kontakt kommen könnten. Aber: «Da harte Texte und Lines unter der Gürtellinie nicht das Stilmittel meiner Wahl sind, mache ich mich hier keine übermässigen Gedanken.»

Überraschte Reaktionen

Aktuell vertritt der 33-Jährige vor allem Berufskolleginnen und Berufskollegen während deren Weiterbildungen oder Mutterschaftsurlauben, weswegen er ab und zu das Schulhaus wechselt. «In der Regel kommuniziere ich jeweils vor Stellenantritt, dass ich unter anderem Musik in meiner Freizeit mache. Bei Interesse präzisiere ich das auch gerne», so Wohlwend.

Es sei auch schon vorgekommen, dass neugierige Eltern oder Schülerinnen und Schüler seinen Namen googelten: «Rasch stösst man dann auf meinen Hip-Hop-Background. Die Reaktionen sind grösstenteils positiv oder überrascht.»

Vom Fan zum Rapper

Anfangs der Nullerjahre ist Depat Milieu über den «damals aufstrebenden Mundart-Rap» mit der Hip-Hop-Kultur in Kontakt gekommen. «Die Möglichkeit, Gedanken in Worte zu fassen und schliesslich als Rap-Zeilen auf einen Beat zu packen und mit anderen zu teilen, fasziniert mich bis heute», sagt er.

Sein neues Album «Patagonia Tape», welches am 9. Februar erschienen ist, sei sehr positiv in seinem Freundeskreis und Umfeld angekommen. Einen Lieblingstrack habe er aber nicht, da es «inhaltlich und musikalisch sehr abwechslungsreich ausgefallen ist». Mit dem Song «Ruta 5» sei ihm aber ein stimmiger Abschluss für das Album gelungen, findet er.

Insgesamt arbeitete er viereinhalb Jahre an «Patagonia Tape». Die ersten Songideen und Texte sind 2019 entstanden: «Damals bin ich für fast drei Monate durch Argentinien und Chile gereist. Ab 2022 war ich mit Jonas Haller für die Produktion der Beats im Austausch, die ersten Aufnahmen entstanden dann im März 2023.»

Konzerte sind aktuell aber noch keine geplant: «Doch mit dem neuen Release in petto werde ich in den nächsten Wochen verschiedene Konzertveranstalter und -veranstalterinnen anschreiben und hoffe, mit den neuen Songs bald auch wieder vor Publikum aufzutreten.»

Scan den QR-Code

Du willst keine News mehr verpassen? Hol dir die Today-App.

veröffentlicht: 16. Februar 2024 05:52
aktualisiert: 16. Februar 2024 05:52
studio@radiofm1.ch