«Schnell sein macht Spass» – Familie Eggenschwiler lebt für das Kartfahren

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Quelle: Tele 1

Eine Leidenschaft verbindet die Familie Eggenschwiler: Das Kartfahren. Sohn Aurelio ist der Pilot, sein Bruder Mattia der Tüftler und die Eltern unterstützen, wo es geht. Ein Hobby, das zwar viel Nerven braucht, die Familie aber zusammenschweisst – und bei dem sie auch schon Kimi Räikkönen trafen.

Der Geruch verbrannten Gummis liegt in der Luft und bei jedem Schritt in Richtung Kart-Bahn wird der Motorenlärm lauter. Niuum. Niuum. Die Karts brausen vorbei. Unglaublich schnell. Im Startbereich der Go-Kart-Bahn in Wohlen schrauben Mechaniker an den Gefährten herum, prüfen den Druck der Pneus, füllen Benzin, lassen die Motoren aufheulen.

Saison kostet rund 60'000 Franken

Schreiend stellen sich Marco und Rita Eggenschwiler aus Eich vor. Der Lärm sollte bald abklingen, versichern sie. Sie tragen dunkelblaue Team-Pullover mit der Aufschrift «Spirit» und stehen neben einem Jungen in Rennanzug. «Ich bin Aurelio», sagt dieser. Aurelio ist neun Jahre alt und fährt seit drei Jahren Go-Kart-Rennen für die Mannschaft «Spirit Karting» aus Bremgarten. Im Hintergrund hantiert sein Bruder Mattia am Fahrzeug. «Mattia ist Aurelios Mechaniker», sagt Papa Marco. Er sei der Tüftler und hat seine eigene Werkstatt zuhause. Die Familie aus Eich betreibt das Go-Kart-Fahren als grosses gemeinsames Hobby.

«Für uns ist es wunderschön, dass wir etwas gefunden haben, das beiden Jungs so gut gefällt und das wir alle zusammen unternehmen können. Das ist uns lieber, wie wenn die Kinder die Freizeit beispielsweise mit Gamen verbringen würden», sagt Mutter Rita. Sie geniesse die Zeit mit ihren Kindern, ihrem Mann. «Solange die beiden Spass daran haben, unterstützen wir sie.»

Für das gemeinsame Hobby opfern die Polizistin und der selbständige Berater und Experte für Unternehmen nicht nur viele Wochenenden, sondern auch viel Geld. Eine Saison kostet die Familie rund 60'000 Franken. Dazu gehören Kosten für Rennen, Unterhalt, Personal, Unterkunft, Material und Reisen. Die Rennen der Vega-Trofeo, die Liga in der Aurelio fährt, finden in Frankreich statt. Dafür mietet die Familie jeweils ein Wohnmobil, mit dem sie von Rennen zu Rennen touren.

Mattia unterstützt seinen Bruder bei Rennen

«Es ist teuer und es ist zeitaufwendig, aber wenn wir sehen, wie glücklich es die beiden macht, ist es uns das wert. Wir leben im hier und jetzt», sagt Rita. Der Go-Kart von Aurelio ist nun bereit. Mattia hat Ketten, Reifendruck und Benzin geprüft. Sein Bruder darf nun auf die Piste. Aurelio setzt seinen Helm auf, in der gelben Brille spiegelt sich die Bahn. Er setzt sich in seinen Kart und kaum Platz genommen, ist von ihm nichts mehr zu sehen. Schnell wird klar, dass er an diesem Nachmittag im Training zu den Schnellsten gehört. Mattia steht an der Rennbahn. Misst Aurelios Zeit und hat seinen Benzinstand im Kopf. Durch Zeichen gibt er seinem Bruder zu verstehen, ob er nun schneller fahren muss und wann es für ihn Zeit ist, zurück in den Mechaniker-Bereich zu kommen.

Mattia streckt einen Finger in die Höhe. Aurelio weiss, dass er nach der nächsten Runde rausfahren muss. In dieser Pause prüft Mattia den Druck der Reifen, füllt wenn nötig Benzin nach. «Am Abend baue ich dann den Motor aus.» Er versuche immer Methoden zu finden, Aurelio noch schneller zu machen. Beispielsweise in dem es für verschiedene Wetterverhältnisse verschiedene Pneus gibt und diese unterschiedlich viel Luft brauchen. Bei Rennen wird Mattia noch von einem erwachsenen Mechaniker begleitet.

«Es geht nicht immer um das Gewinnen»

Für Aurelio war es dieses Jahr das erste Mal auf der Kartbahn und er hat es vermisst: «Es macht schon unglaublich Spass, ein bisschen Gas zu geben.» Aurelio hat im vergangenen Jahr vier von fünf Rennen gewonnen und holte sich in seiner Kategorie den Gesamtsieg. Trotzdem steht für ihn das Gewinnen nicht im Zentrum: «Es geht nicht immer um das Gewinnen, mir macht das ‹Fighten› mit anderen Freunden Freude.» Und ihm gefällt die Geschwindigkeit: «Im Schneckentempo herumzufahren ist nicht lustig, aber seit ich ein bisschen schnell bin, macht es schon sehr Spass.»

Aurelio ist manchmal über 100 Stundenkilometer schnell, eine Geschwindigkeit, die bei Mutter und Vater schon mal zu einem höheren Puls führt. «Ich habe manchmal Angst. Vor allem, weil er schon einige Crashs hatte», sagt Rita. Sie vertraue ihrem Sohn aber und Marco ergänzt: «Die Karts und die Strecken sind sehr sicher konstruiert. In Frankreich ist es neben der Piste eben, wenn sie von der Strecke abkommen, tut ihnen das nichts.»

«Kimi Räikkönen hat mich aus dem Sand gezogen»

Der Helm liegt neben dem Kart, Aurelio trägt jetzt eine Mütze. Eine Kimi-Räikkönen-Mütze. Der ehemalige Formel-1-Fahrer ist Aurelios grosses Vorbild. «Er war einmal bei einem Training von mir hier in Wohlen», erzählt der 9-Jährige. Dabei habe er einen Crash gehabt und sei in den Sand gefahren. «Kimi ist sofort losgesprungen und hat mich aus dem Sand geholt.» Am Abend habe er noch ein Autogramm bekommen. «Es war so toll. Das werde ich nie vergessen. Er ist ein echter Formel-1-Fahrer.»

Einst selbst Formel-1-Fahrer werden, möchte Aurelio nicht. «Es ist ein bisschen krass und ich fahre zwar schon gerne Kart, aber Formel-1 muss man wirklich wollen. Das kann man nicht ‹halbbazig› machen.» Darüber dürften die Eltern nicht unglücklich sein. Für sie gilt sowieso: «Wenn einer der beiden Jungs, Aurelio oder Mattia, keinen Spass mehr daran haben, dann hören wir alle auf», sagt Rita.

(abl)

veröffentlicht: 17. März 2022 07:45
aktualisiert: 17. März 2022 09:55