Bier wird teurer – Zentralschweizer Brauereien müssen Preise erhöhen

Zentralschweizer Brauereien spüren Preiserhöhungen in verschiedenen Bereichen.
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Die Preiserhöhungen beim Glas, bei den Lieferkosten oder in der Energie- und Rohstoffbeschaffung treffen vor allem Kleinbrauereien hart – aktuell müssen sie für die Bierproduktion bis zu 30 Prozent mehr Geld ausgeben. Früher oder später sei eine Preiserhöhung beim Verkauf unabdingbar.

Am beschlagenen Glas bilden sich Tropfen, die langsam über den Handrücken rinnen – ein kaltes Bier lässt sich derzeit in vielen verschwitzten Händen finden. Doch wie viel sind die Konsumentinnen und Konsumenten bereit, für das kühle Blonde zu bezahlen?

Derzeit erhöhen einzelne Brauereien aufgrund der gestiegenen Kosten für Glas die Verkaufspreise, wie die Luzerner Zeitung berichtete. Das teilweise wegen einer höheren Nachfrage nach der Corona-Pandemie, aber auch der Ukrainekrieg hat seinen Einfluss.

«Wir wollen unter drei Franken bleiben»

Die Brauerei «Chäller Bröi» in Aesch bezieht ihre Glasflaschen von einem Werk in der Ukraine. «Wir hatten aufgrund des Kriegs einen Engpass», sagt Inhaber Raphael Herzog, mittlerweile seien aber genügend Flaschen vorhanden. Die Lieferkosten in allen Bereichen seien im Schnitt um 50 Franken gestiegen. Raphael Herzog verzichtet vorerst noch darauf, das Bier teurer zu verkaufen. «Als Kleinbrauerei ist es schwierig, da wir nicht in grossen Mengen verkaufen.» Grosse Brauereien können die Preise beispielsweise um fünf Rappen erhöhen – Herzog müsste sein Bier um 10 Rappen erhöhen, damit es sich auszahle. «Aktuell kostet unser Bier 2.90 Franken und wir wollen eigentlich unter drei Franken bleiben.»

Brauerei Baar erhöhte Bierpreis bereits vor einem Monat

Um 10 Rappen pro Liter erhöht wurden die Preise des Baarer Biers. Die Brauerei Baar hat die Preiserhöhung per 1. April vollzogen. «Damals haben wir das nicht wegen des Kriegs gemacht, sondern wegen der angespannten Glassituation. Viele Privatpersonen haben sich während der Coronapandemie mit Flaschen eingedeckt, dadurch stiegen die Glaspreise», sagt Geschäftsführer Martin Uster. Hinzu seien höhere Verpackungsmaterialausgaben gekommen, da einzelne Unternehmen die Corona-Pandemie nicht überlebten und neue Preise verhandelt werden mussten.

Eine weitere Preiserhöhung aufgrund des Krieges im Herbst schliesst Uster nicht aus. Die aktuell höheren Liefer-, Energie- und Glaspreise können durch interne Massnahmen getragen werden. «Im Herbst müssen wir noch einmal über die Bücher.» Die Verträge mit den Glasliferanten würden zwar im Voraus gemacht, die Energiepreise sind aber variabel. «Es ist vergleichbar mit den Benzinpreisen, der Flaschenpreis ist zwar vertraglich festgelegt, hinzu kommt aber ein Energiezuschlag, der je nach Situation variiert.» Derzeit sei dieser Zuschlag aufgrund des Ukrainekrieges rund 30 Prozent höher.

«Kunden akzeptieren den Preisanstieg»

«Wir bezahlen derzeit 30 Prozent mehr für das Glas, die Zutaten und die Energie», sagt auch Urs Wagner, Geschäftsführer des «Stiär Biär» aus Altdorf. Er ist froh, hat er noch hohe Lagerbestände: «Dadurch müssen wir den Verkaufspreis sicher in den nächsten zwei Monaten nicht anpassen.» Eine Preiserhöhung für die Käuferinnen und Käufer sei aber in absehbarer Zeit nicht abzuwenden. «Wir warten, bis die grossen Brauereien vorlegen, dann ist die Preiserhöhung einfach erklärbar», sagt Wagner.

Bei der Braustation Sursee wird der Preis der Biere bald erhöht: «Wir sind in der Planung», sagt Braumeister Adrian Tschoche. Die Inflation mache vor Konsumentinnen und Konsumenten keinen Halt. Dass der Preisanstieg bei den Kundinnen und Kunden nicht schlecht aufgenommen werden dürfte, zeigt das Beispiel aus Baar. «Jeder Kunde akzeptiert den Preisanstieg», sagt Martin Uster.

veröffentlicht: 19. Mai 2022 15:58
aktualisiert: 19. Mai 2022 20:32