«Weg wird der Schmerz nie sein»

Patrick starb bei einem Autounfall. Seine Angehörigen trauern immer noch. (Symbolbild)
Patrick starb bei einem Autounfall. Seine Angehörigen trauern immer noch. (Symbolbild)© iStock
Vor knapp 20 Jahren ist Patrick bei einem Autounfall gestorben. Diesen hat er nicht selbst verschuldet, sondern ein Betrunkener ist in das Auto gefahren, in dem er mit seinen Kollegen sass. Heute sprechen wir mit seinen Eltern über die Zeit, die nie ganz alle Wunden heilt.

«Die Woche der Wahrheit» bei den FM1-Wachmachern hat diese Woche vieles ans Licht gebracht. Es wurde unter anderem auch das Thema Alkohol am Steuer thematisiert. Dabei sprachen die Eltern von Patrick, die anonym bleiben möchten, über den Unfall ihres damals knapp 20-jährigen Sohnes vor knapp 20 Jahren. Ein Gespräch über Trauer, Wut und den Versuch, den Verlust irgendwie zu verarbeiten.

Wie haben Sie vom Tod Ihres Sohnes erfahren?
Vater: Pädy ist quasi vor unserem Haus tödlich verunglückt. Morgens um 5 Uhr hörten wir, wie jemand die Treppe raufrennt und klingelt. Es war ein Beifahrer des verunfallten Wagens von Pädy, der sagte, es sei ein schwerer Unfall passiert und unser Sohn sei verletzt. Daraufhin fuhren wir in die Notaufnahme des Kantonsspitals St.Gallen und sahen, wie viele Krankenwagen kamen – Pädy ist jedoch nicht angekommen. Für mich war dann die Frage: «Wie sage ich meiner Frau, dass Pädy nicht mehr kommt?»

Wie war der Moment für Sie, als klar war, dass Ihr Sohn gestorben ist?
Mutter: Als ich anfing, es zu realisieren, dass er wirklich nicht mehr kommt, das war Weltuntergang hoch drei. Die Gefühle kann man gar nicht richtig beschreiben, das war einfach ein riesiger Schmerz. Tagelang brannte meine Brust. Ich dachte, ich brenne innerlich. Es ist so surreal, man kann den Schmerz gar nicht beschreiben. Ich hatte im ersten Moment auch verabscheuende Gedanken. «Wie kann einer so rumfahren und junge Menschen gefährden?», ging mir durch den Kopf.

Haben Sie den Unfallfahrer, der für den Tod verantwortlich ist, gehasst?
Mutter: Vielleicht zu Beginn, ja. Man ist ausser sich und denkt: «Pädy lebt nicht mehr und der andere schon.» Das Gefühl hat sich dann aber mit der Zeit in Erbarmen gewandelt, da mir klar wurde, dass dieser Mann sein Leben lang gezeichnet sein würde. Der hat einen Menschen auf dem Gewissen. Dieses Erbarmen hat sich mit der Zeit dann aber grundlegend geändert, da der Unfallfahrer, nachdem er seinen Fahrausweis ein halbes Jahr abgeben musste, nach nur zwei Wochen bereits wieder betrunken einen Unfall baute.
Vater: Ich verspürte keinen Hass gegenüber dieser Person, da ich für mich selber genug Sorgen hatte. Somit brauchte ich die ganze Energie, um über den Berg zu kommen und zu realisieren, dass wir Pädy nicht mehr haben.

Wie geht man mit einer solchen Situation um?
Vater: Du musst lernen, nicht in eine Abwärtsspirale zu kommen. Sobald du merkst, dass es abwärts geht, musst du versuchen, diese Spirale zu verlassen und das Positive zu sehen. Aber was wir auch sagen müssen, wir haben es nicht alleine geschafft, sondern hatten in dieser Zeit gute Freunde, die uns unterstützten. Das zeigt einem, dass gute Menschen da sind, wenn es nicht so gut läuft.
Mutter: Wenn man davon spricht, dann kommt vieles wieder hoch, obwohl es jetzt fast 20 Jahre her ist. Man lernt, mit dem Schmerz umzugehen, da das Leben weitergehen muss. Aber weg geht der Schmerz nie.

(Interview: Joe Keller)

Die ganze Sendung zum Tod von Patrick, der unverschuldet bei einem Autounfall ums Leben kam, gibt es hier.