Dein altes Handy kann das Haus anzünden

Aus Nostalgie wolltest du dein uraltes Nokia oder Sony Ericsson nicht wegwerfen und nun liegt es vergessen zuhause in irgendeiner Box? Achtung: Dein Lieblingshandy könnte sich in eine tickende Zeitbombe verwandelt haben.

Als ich mein altes schwarzes Sony Ericsson mit den orangen Tasten vor ein paar Tagen per Zufall in einer verstaubten Kiste fand, hüpfte mein Herz vor Freude. All die guten Erinnerungen meiner Jugend kamen wieder auf. Die Freude hielt aber nicht lange und das hüpfende Herz geriet ins Stocken, als ich das Handy umdrehte. Der Akku war so dick aufgebläht, dass er das Gehäuse um mehrere Millimeter nach oben gedrückt und verbogen hat.

Da wurde mir klar, was für ein Glück ich hatte. Mir war bekannt, dass Akkus sich aufblähen können. Aber dabei habe ich immer an meinen aktuellen Smartphone-Akku gedacht, nicht an die alten Handys, die noch irgendwo in einer Kiste herumliegen. Interessiert an den aufgeblähten Akkus und dessen Gefahr, fragte ich nach bei Marcel Held, Experten für Batterien an der Empa.

Herr Held, wie kommt es überhaupt dazu, dass ein Akku sich aufbläht?

Im Inneren des Akkus entstehen Gase die zum Aufblähen führen. Dies geschieht meistens bei Akkus, die lange im Einsatz waren und nicht mehr viel Kapazität aufweisen. Dazu führen hohe Temperaturen bei der Lagerung und im Betrieb zu einer schnelleren Alterung der Akkus.

«Ältere Akkus blähen sich eher auf als neuere»

Blähen sich ältere Akkus eher auf als neuere?

Ja, das Aufblähen wird oft bei älteren Akkus, beziehungsweise Akkus, die schon oft geladen und entladen wurden, beobachtet.

Marcel Held ist Senior Engineer und Experte für Batterien an der Empa, Dübendorf

Was kann passieren, wenn sich ein Akku aufbläht und man dies nicht bemerkt?

In der Regel werden solche Akkus auch ziemlich warm. Stellt man fest, dass ein Gerät ungewöhnlich warm wird, kann das ein Hinweis sein, dass der Akku sein Lebensende erreicht hat und sich womöglich aufbläht. Viele Geräte haben jedoch ein eingebautes Batterie-Management-System, welches verhindert, dass der Akku weiterverwendet werden kann.

«Das alte Handy sollte man nicht wieder aufladen»

Wenn man das Handy in einer Kiste hat, merkt man nicht, dass es warm wird. Darf ich mein altes Handy von früher dann überhaupt behalten oder ist das gefährlich?

Solange Sie das Handy nicht mehr aufladen, können Sie es meist problemlos behalten. Vielleicht können Sie auch einen neuen, passenden Akku kaufen und es wieder benutzen.

Die Gefahr besteht darin, dass alte Lithium-Ionen-Akkus möglicherweise tiefentladen sind. (Anm.d.Red. Der Akku kann sich auch bei Nichtbenutzung von selbst entladen, dies ist schädlich für den Akku.) Man sollte diese vor allem nicht wieder aufladen, dies könnte zu einem internen Kurzschluss und dann zu einer Überhitzung oder sogar zu einem Brand führen. Auch wenn Explosionen selten vorkommen, sollte man die Akkus schnellstmöglich entsorgen.

Dann kann ich immerhin das Gehäuse behalten. Wie soll man einen aufgeblähten Akku entsorgen?

Am besten mit dem Gerät zum Händler oder Hersteller gehen, den Akku fachgerecht entfernen lassen und dem Recycling zuführen. Aufgeblähte Akkus sollte man auf keinen Fall weiterverwenden, aufladen oder mechanisch beschädigen.

Fazit: Dein altes Handy kannst du behalten, allerdings solltest du den alten Akku darin nicht mehr aufladen. So bleibt es leider unbenutzbar, ausser du kaufst dir einen neuen (alten) Akku. Zusätzlich wäre es gut, wenn du ab und zu kontrollieren würdest, ob sich der Akku nicht aufgebläht hat. Ein aufgeblähter Akku kann gefährlich sein, falls er beschädigt wird oder wärmeren Temperaturen ausgesetzt wird.

Ein Smartphone-Akku kann gefährlich werden, sobald er überhitzt. Experten raten daher, folgende Tipps zu beachten:

  • Das Handy nicht über Nacht auf dem Bett laden oder gar unter dem Kopfkissen, da kann es sehr warm werden.
  • Nicht ins Bett gehen mit dem Handy in der Hosentasche, die Körpertemperatur kann den Akku stark erhitzen.
  • Das Handy nicht im direkten Sonnenlicht oder im heissen Auto liegenlassen.
  • Beim Akkutausch keine Billig-Akkus verwenden, sondern lediglich die Originalteile vom Hersteller.
  • Eindringendes Wasser kann ebenfalls zu einem Kurzschluss führen.
Sarah Lippuner