Knurrender Magen, dröhnender Kopf: So war unsere Suppenkur

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Quelle: FM1Today

Neujahrszeit ist auch die Zeit der austauschbaren und pseudorevolutionären Ernährungskuren, die uns «Entschlackung» und dergleichen versprechen. Aber spotten kann man aus der Ferne noch lange, deswegen haben wir eine davon getestet.

Direkt aus der Bro-Science-Hölle: Ernährungstrends, heilsversprechende Entschlackungskuren und basische Diäten haben mittlerweile ihren festen Platz in der Populärkultur. Im mit einer dünnen Goldschicht überzogenen Regal der Selbstoptimierung haben sie ihren Platz direkt neben HIIT-Workouts, Ashtanga-Yoga und Eigenhaartransplantationen.

Im Gegensatz zu den zuletzt genannten haben kurzfristige Ernährungsumstellungen in der Regel kaum messbare Wirksamkeit. Es gibt viel «kann zu einer besseren Darmflora führen» und es gibt viel «ermöglicht unter Umständen einen besseren Sowieso-Haushalt».

Meine Ablehnung gegenüber x-beliebigen Programmen aus dem Internet, die mir ein besseres Körpergefühl versprechen, ist immens.

Mitgemacht habe ich trotzdem.

Challenge accepted

Bei aller Ablehnung auf der einen Seite, mag ich auf der anderen Herausforderungen. Und so wirklich mitreden (und ablästern) kann man ja doch nur, wenn man sich der flüssigen Selbstgeisselung unterworfen hat.

Zusammen mit meinen Kolleginnen Lena, Lara und Celia habe ich mich folgender Kur gestellt:

Selbstredend steht die Kur im Zeichen ewigen Lebens, beziehungsweise von «Detox und Entlastung des Körpers». Dabei verspricht die Suppenkur gegenüber etwa einer Saftkur einige Vorteile. So darf man Nahrung zwar nur flüssig zu sich nehmen, aber an Nährstoffen an sich mangelt es dem Körper nicht. Von einer neuntägigen Heisshunger-Belagerung ist also nicht auszugehen.

Magen knurrt, Kopf dröhnt

Von meinem Normalgewicht bin ich beim Start der Kur wegen der leckeren Weihnachtsstullen meiner Omi zwar ein paar Kilos entfernt, es liegt aber im Rahmen der saisonalen Schwankung. Normalerweise pendelt sich das bis Ende Januar wieder ein. Diesmal sollte es schneller gehen.

Der Preis des plötzlichen Kalorienboykotts: Mein verwöhnter mitteleuropäischer Weichei-Magen bettelt pausenlos um Leckerli. In etwa so wie ein Labrador am Tisch, während die Familie Blut- und Leberwurst verspeist. Auf jeden Fall sind sich die Geräusche von Magen und Hund sehr ähnlich.

Viel herausfordernder als die Missachtung monotoner Knurr- und Fiepkakophonien ist das Aushalten meiner Kopfschmerzen. Der Koffeinentzug macht sich nach etwa einem Tag bemerkbar und entzieht mir sämtliche Lebensfreude. Ich bin beinahe durchsichtig und meine Augen sehen aus wie geplatzte Tomaten. «Was ist denn mit dir los?», muss ich mir des Öfteren im Geschäft anhören. Die knappen Erklärungen «Suppenkur» und «Koffeinentzug» quittieren die meisten mit einem Kopfschütteln, das wohl heissen soll: selbst schuld.

Grüntee als Methadon

Schon am zweiten Tag der Kur gebe ich den Entzug teilweise auf. Noch immer fühlt sich der Cold Turkey an, als ob mir jemand mit der Schrotflinte rostige Nägel in die Hirnrinde ballern würde. Zumindest glaube ich das. Ich verzichte weiter auf Kaffee, trinke dafür fortan Grüntee. Das koffeinhaltige Substitut hilft – und macht den Rest erträglich. Und viel Tee trinken soll man während der Kur ja sowieso.

Ansonsten ist Suppenfasten erträglich. Liegt sicher auch daran, dass ich gerne Suppe zubereite und esse. Ich beginne mit einer wahllosen Pilz-Kartoffel-Rüebli-Lauchsuppe, die ziemlich lecker gerät. Dazwischen gönne ich mir am Anfang mangels Smoothie-Maker gekaufte Fruchtsäfte.

Der Smoothie-Siegeszug

Das bringt mich zu einer weiteren Aversion: Smoothies. Kapitalgewordene Fruchtpampe. Eine glorreiche Errungenschaft der Ernährungsindustrie: Ein bisschen Apfelextrakt hier, ein bisschen Chiasamen da, eine Prise Fruchtkonzentrat dazu, angereicht mit diversen Konservierungsstoffen – drei Franken fünfzig bitte, ist ja schliesslich gesund. Und pasteurisiert.

Ein bisschen anders sieht es bei den selbstgemachten Smoothies aus. Mit der Konsistenz konnte ich mich während der fünftätigen Intensiv-Kennenlernphase zwar nicht anfreunden, trotzdem muss ich eine gewisse Bewunderung eingestehen: In so kurzer Zeit eine halbe Mango, einen Apfel, eine Banane und ein paar Nüsse verdrücken zu können, ist schon beeindruckend. Aber nur wenn man die Zubereitungszeit abzieht.

Keine Energie

Die Suppentage ziehen sich so dahin. In Gemüse-, Kürbis-, Zucchetti-, und Tomatensuppe befinden sich der Kohlenhydrate wegen immer Kartoffeln, aber so richtig in Schwung komme ich nicht. In dieser Phase treibe ich nur einmal Sport, deutlich weniger als sonst. Allerdings finde ich mich damit ab, meinem Körper ein wenig Ruhe zu gönnen.

Kurz vor dem Hinschmeissen bin ich nur einmal. Beim Schneiden von Suppengemüse erwische ich anstatt einer Zwiebel meinen Finger. Aus Wut über mich selbst und mein selbstgewähltes Joch verliere ich das grosse Ganze kurzzeitig aus den Augen und frage mich ernsthaft, wieso ich mir diesen Schund antue. Trotzdem ziehe ich mir die Suppe weiter rein – und die Kur durch.

Cheats und Cheers

Angespornt und etwas unter Druck gesetzt werde ich von den Mädels, die mit mir der Suppe Treue geschworen haben. Allesamt betrügen sie bei der Kur (und mich, den asketischen Suppenmönch) mit den lasterhaften Versuchungen dieser Welt: fester Nahrung und Alkohol.

Einer muss es ja – vom Grüntee mal abgesehen – durchziehen, und so löffle ich mich Schüssel für Schüssel durch die fünf Suppentage. Bis endlich das Fastenbrechen ansteht – also wieder feste Nahrung, allerdings vegan. Da ich normalerweise kein Fleisch esse, ist das schon ziemlich nahe am Normalprogramm.

Fazit

Erstmal zu den nackten Zahlen: Ich habe innerhalb von neun Tagen zwischen vier und fünf Kilo verloren. Das ist nicht, was man gemeinhin als gesundes Abnehmtempo versteht und wird sich wohl als kurzfristig herausstellen.

Anfangs hatte ich sehr oft Hunger, das legt sich jedoch mit der Zeit und man gewöhnt sich an die flüssige Nahrung. Trotzdem ist die Freude über feste Nahrung am Ende riesig und ich schätze das für den Moment sehr und kaue sogar ein paar mal extra. Während der Kur fühlte ich mich nach etwa der Hälfte auch ziemlich leicht – viel Energie beim Verdauen verbraucht der Körper wohl nicht.

Würde ich die Kur wiederholen? Nein. Ich finde es immer noch doof. Wer sich sonst nicht ausgewogen ernährt, dem bringen auch ein paar Tage Umstellung nichts. Du solltest ja auch erst staubsaugen, bevor du den Boden feucht aufnimmst. Keine Empfehlung meinerseits.

So. Falls ihr mich sucht, ich bin wahrscheinlich an der Kaffeemaschine.