Mario Kart, bleib so wie du bist

Das Kult-Spiel Mario Kart kommt im September auf das Smartphone
© Nitendo Mario
Jubelschreie, kaputte Konsolen, Tränen – Mario Kart ist ein hoch emotionales Spiel. Es zerstörte Freundschaften, den Familiensegen oder Schulnoten. Dennoch denken wir gerne zurück an die Zeit, in der alles was zählte war, den Finger niemals von der A-Taste wegzunehmen. Nun kommt der Game-Klassiker auf das Smartphone.

Ganz knapp nur noch ist das Gesäss auf dem Sofa. Die Beine stehen wie zwei Pfosten auf dem Teppich vor der Couch. Der Rücken ist gerade. Der Blick auf den viereckigen kleinen schwarzen Kasten fixiert, der in einiger Entfernung auf einem alten Fernsehmöbel steht. Die Hände umklammern den hellgrauen Controller, so fest, dass die weissen Knochen auf dem Handrücken zu sehen sind. Der rechte Daumen ruht auf der A-Taste, die für die Geschwindigkeit zuständig ist.

Der Körper wippt bei jeder Kurve hin und her, genauso wie die Arme, sie imitieren die Umdrehung des Lenkrades. Zwischendurch wird geflucht, den Controller verworfen, den imaginären Freund angespornt, den man selbst auswählen und mit einem Fahrzeug versehen konnte. Oder es wird versucht, den Gegner irgendwie aus dem Konzept zu bringen.

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Quelle: FM1Today

Spielnachmittag endete mit Streit

Ich war ständig der Pilz. Der war so süss. Ich muss zugeben, dass ich Mario Kart erst spät entdeckte. Zwar spielte ich es ab und zu bei Freunden, so richtig den «Plausch» am Spiel bekam ich im Teenageralter, als meine Freundin und ich im Zimmer ihres Bruders ganze Nachmittage in den vielen Wunderländern verbrachten. Die Controller ständig austauschend, da jede das Gefühl hatte, ein Controller funktioniere besser.

Häufig endeten die Mittwochnachmittage im Streit, teilweise untereinander, meistens aber mit der Mutter der Freundin, die uns den Stecker des schweren alten Fernsehens zog und die Spielkonsole in der Holztruhe verstaute.

Heute muss ich die Mutter meiner Freundin nicht mehr um Erlaubnis fragen und obwohl der Reiz des Verbotenen nicht mehr da ist, macht Mario Kart immer noch gleich grossen Spass. Noch immer sitze ich beim Gamen in der WG meines Freundes aufrecht da, mit dem Gesäss an der Kante des Sofas und feure meinen imaginären Freund an.

Smartphone-Version kommt im September

Für das Gamen von Mario Kart braucht es in Zukunft aber weder Sofa noch Spielkonsole. Mario Kart Tour gibt es ab dem 25. September für Smartphones mit den Betriebssystemen iOS und Android herunterzuladen.

Nintendo baute ins Smartphone-Spiel Figuren und Strecken ein, die eingefleischte Fans vermutlich schon von den früheren Spielen kennen. Gespielt wird im Hochkant-Modus. Die Karts müssen nicht gestartet werden, sie fahren automatisch. Der User lenkt die Karts mit dem Finger oder in dem er das Smartphone hin und her bewegt.

Mario Kart Tour wird in der Basisversion kostenlos sein. Es arbeitet aber nach dem Pay-to-Win-Prinzip. Das heisst, dass User echtes Geld investieren müssen, um bessere Fahrzeuge, Fahrer oder Gleitschirme kaufen und sich daraus einen Vorteil vor der Konkurrenz schaffen können. So wie es bei vielen Games heutzutage gehandhabt wird.

Mario Kart ist auf seine Art modern

Jetzt im ernst, liebes Mario Kart, warum? Stellt euch diese Welt Mario-Kart-spielender Digital Natives einmal vor. Jeder sitzt im Bus vor seinem kleinen Bildschirm und streicht mit dem Finger über die Glasscheibe, trägt Kopfhörer und macht seinen Frust höchstens durch das auf den Boden stampfen eines Fusses bemerkbar.

Sogar den legendäre Mario-Kart-Start, bei dem, bei optimalem Start, gegenüber der Konkurrenz bereits ein guter Vorsprung herausgefahren werden kann, gibt es nicht mehr. Ich habe den Start übrigens regelmässig verschlafen. Alles was Generation Smartphone noch tun muss, ist das Smartphone oder den Finger hin und her bewegen.

Mario Kart ist kein Spiel, das man gesellschaftstauglich machen muss. Es ist modern in seiner altmodischen Art und Weise. Es ist wie eine Ray-Ban-Sonnenbrille – so alt, dass es schon wieder hip oder in ist.

Mario Kart ist ein Stück Geschichte, die immer noch am besten ist, wenn sie in ihrer ursprünglichen Form erzählt oder praktiziert wird. Und das gemeinsam in der Stube, fluchend, streitend, weinend, jubelnd, dabei aber niemals den Finger von der A-Taste wegnehmend. Mario Kart, bleib so wie du bist.