Crimer: «Es ist keine Beleidigung, wenn man mich feminin findet»

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Quelle: tvo

Der Rheintaler Alexander Frei – besser bekannt als Crimer – hat eine neue Single veröffentlicht. Der international bekannte Musiker über weinende Männer und viel zu enge Jeans während der Kantizeit.

Das derzeit Auffälligste an Crimer ist, dass er eine neue Frisur trägt: eine blondierte, schulterlange Mähne mit dunklem Ansatz. Der 30-jährige Rheintaler Popsänger ist zu Gast bei der TVO-Sendung «Im Zug mit...» und hat gerade eine neue Single veröffentlicht mit dem Namen «Eyes Off Me».

Ein Schritt in Richtung Mainstream

Crimers neuer Song wird von einigen Kritikern als Mainstream bezeichnet und auch er sagt: «Es ist doch langweilig, immer das Gleiche zu tun. Deshalb habe ich auch immer einen neuen, blöden Haarschnitt. Ich will mich nicht repetieren, dasselbe essen oder eben dieselbe Musik machen.» Er habe nicht unterschrieben, immer denselben Musikstil spielen zu müssen.

Es sei aber so, dass sich «düstere Melancholie» wie ein schwarzer Faden durch seine Songs ziehe. «Diese Düsterheit versuchte ich abzulegen, poppiger und so vielleicht auch zugänglicher für das allgemeine Ohr zu werden. Dafür musste ich einen Schritt Richtung Mainstream gehen.»

«Menschen sollen weinen»

Nicht immer müssen Songs für Crimer eine tiefere Bedeutung oder eine Botschaft haben: «Man muss auch ab und zu abschalten und sich entspannen können.» Es gebe aber Songs, mit denen er tatsächlich etwas sagen wolle, wie beim Song «Bois Cry», dass auch Männer weinen dürfen. Er selbst habe das auch lernen müssen. «Wenn Männer weinen, wird von der Gesellschaft oft deren Männlichkeit infrage gestellt», sagt Crimer. «Man muss als Mann stark sein oder darf keinen Schmerz zeigen, heisst es oft – das möchte ich anders weitergeben. Die Menschen sollen weinen und sich dafür nicht verstecken müssen.»

«Während Lockdown oft geputzt»

Dass Crimer sich gut an sein eigenes Motto hält, zeigt auch sein Kleidungs- und Tanzstil. Er verstellt sich nicht. «Wenn ich mich unwohl fühle, merken es die Leute. Ich kann auch gut damit umgehen, dass Menschen mich als femininen Mann bezeichnen, das ist für mich keine Beleidigung.»

Sein neuer Song «Eyes Off Me» sei übrigens noch vor dem Corona-Lockdown entstanden. Die Corona-Zeit selbst hat er als sehr langweilig empfunden. Viel Zeit habe er in der Wohnung in Zürich verbracht, die er gemeinsam mit seiner Freundin hat. «Ich habe so oft geputzt, dass die Wohnung während Monaten immer geglänzt hat.»

(TVO-Interview «Im Zug mit ...» von Vanessa Kobelt)