Quintillàs Penalty-Abstinenz und Zeidlers Optimismus

Dieses Bild soll der Vergangenheit angehören. Jordi Quintillà tritt bis auf weiteres keine Penaltys mehr.
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Am Mittwoch trifft der FC St.Gallen zuhause auf den FC Luzern. Die Espen konnten sich gerade mit zwei Unentschieden wieder ein bisschen erholen. Peter Zeidler spricht über einen neuen Spieler, den Umgang mit der Baisse und Jordi Quintillàs Klasse in schwierigen Zeiten.

Der FC St.Gallen steckt aktuell in einer kleinen Krise. In den letzten fünf Spielen konnten die Espen nur gerade zwei Punkte ergattern. Speziell ärgerlich war, dass der FCSG mehrmals Führungen verspielte. Eine davon resultierte sogar in einer Last-Minute-Niederlage gegen Sion.

Am Dienstag lud der FCSG zur Medienkonferenz. Trainer Zeidler gab sich gewohnt optimistisch, allerdings auch erwartungskonform bescheiden und vorsichtig. «Ich halte nicht viel von Sätzen wie ‹Wir müssen gewinnen›. Wir ‹wollen› gewinnen». Das Leben gehe schliesslich auch weiter, wenn der FCSG nicht so erfolgreich sein könne, wie man sich das wünscht.

Zeit in der Westschweiz hat gut getan

Die vergangenen Tage standen für die Espen im Zeichen ihrer «Tour de la Romandie». Diese Zeit, als der FC St.Gallen erst in Genf bei Servette (2:2) und dann in Sion (1:1) gastierte und zwischendrin nicht nach St.Gallen zurückkehrte. «Man kann jetzt sagen, wir hätten nur zwei Punkte geholt. Oder man kann sagen, dass wir wenigstens nicht verloren haben», bilanziert Zeidler nüchtern.

Die Zeit im Westen der Schweiz sei für die Mannschaft speziell gewesen. «Viele Spieler haben zum ersten Mal Genf gesehen, einige waren noch nie im Wallis.» Während dieser Quasi-Landschulwoche habe man auch viel Zeit für persönliche Gespräche mit den Spielern gehabt. Nichtsdestotrotz gehe es aber auch beim FCSG am Schluss um die sportlichen Resultate, so der Übungsleiter. Die beiden Unentschieden seien ein Schritt in die richtige Richtung: «Jetzt wäre es schön, wenn wir schon am Mittwochabend nachlegen könnten.»

Luzern zuletzt mit Kantersieg

Der Gegner vom Mittwoch geniesst aktuell ein Mini-Hoch. Die Luzerner bodigten am Sonntag den FC Vaduz gleich mit 4:0, nachdem sie gegen die viertplatzierten Luganesi ein 1:1 Unentschieden herausholen konnten. Die Innerschweizer rangieren derzeit auf dem zweitletzten Platz. Viel Aussagekraft hat diese Platzierung allerdings nicht, der Unterschied vom fünftplatzierten FCSG zum neuntplatzierten Luzern beträgt gerade einmal fünf Punkte.

Das Rezept gegen die starken Innerschweizer: Die Defensive. «Wir wollen unsere Art zu verteidigen noch disziplinierter, noch organisierter, noch synchronisierter machen, um noch einmal ein Fremdwort zu benutzen», sagt Zeidler. Die letzten beiden Unentschieden hätten kleine Fortschritte aufblitzen lassen, vollends zufrieden ist der Trainer allerdings noch nicht.

Die angesprochene Defensive stand zuletzt immer wieder in der Kritik. Vorallem die linke Aussenverteidigung lässt bei den St.Gallern arg zu wünschen übrig. Der rekonvaleszente Miro Muheim wird schmerzlich vermisst. «Schauen wir mal, wann er wieder mitmacht», sagt Zeidler zum Status des Aussenverteidigers, der sich Mitte Januar an der Schulter verletzte.

Quintillà will keine Penaltys mehr treten

Auch das Thema Standardsituationen wird an der Medienkonferenz aufgegriffen und durchgekaut. Einerseits kassieren die Espen immer mal wieder einen Penalty, andererseits werden eigene Strafstösse auch gerne mal verschossen oder vom gegnerischen Torhüter gehalten. «Eigentlich verrückt», sei es, dass der Schiedsrichter in den letzten fünf Partien fünfmal gegen den FC St.Gallen auf den Punkt zeigte. Viermal lag der Ball anschliessend hinter Lawrence Ati Zigi in den Maschen, einmal konnte der Ghanaer einen Treffer verhindern.

Hinsichtlich eigener Strafstösse war das letzte Aufeinandertreffen in Sion ebenfalls kein Paradebeispiel. Jordi Quintillàs Schuss nach einem Foulspiel an Kwadwo Duah war derart kraftlos und unplatziert, dass Sion-Keeper Timothy Fayulu mit dem Oberschenkel abwehren konnte, obwohl er sich alle Mühe gegeben hatte, wegzuhechten.

«Das ist die Klasse von Jordi Quintillà», lobt Peter Zeidler seinen Schützling und meint damit die Reaktion des Spaniers nach dem Spiel. Nicht nur habe er sich bei seinen Mitspielern entschuldigt, er sei auch direkt auf Zeidler zugekommen und habe gesagt: «Trainer, der nächste Elfmeter, den ich schiessen werde, wird im Elfmeterschiessen gegen YB sein. Vorher nicht mehr.» (Cup-Achtelfinal gegen die Young Boys, Datum noch offen, Anm. d. Red.) Jordi Quintillà übt sich bis auf Weiteres also in Strafstoss-Enthaltsamkeit.

Die «Frohnatur» muss sich in Geduld üben

Chukwubuike Junior Adamu heisst die neue Offensivkraft bei den St.Gallern (FM1Today berichtete). Der Stürmer kommt bis Ende Saison leihweise von Salzburg. «Wir können ihn in den nächsten zwei Spielen allerdings noch nicht berücksichtigen», sagt Zeidler. Junior Adamu musste nach seiner Anreise aus Österreich direkt in Quarantäne. Er sei ein hoffnungsvolles Talent und eine Frohnatur: «Im Video hat er sein gewinnendes Lächeln gezeigt.»

Nicht von der Hand zu weisen ist allerdings die Länge der Leihe. Der 19-Jährige wird in der Liga höchstens 15 Spiele bestreiten können. Dessen ist sich Zeidler bewusst, rechnet aber im gleichen Atemzug vor: «15 Spiele, das sind 45 mögliche Punkte. Die werden wir nicht alle holen, aber er kann uns da sicher viel helfen.»

Die Partie FCSG - FC Luzern beginnt am Mittwoch um 18.15 Uhr. Mit FM1Today seid ihr live mit dabei.