Präsident Hüppi zu den Pyro-Konsequenzen: «Der Schaden ist enorm»

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Quelle: FM1Today

Nachdem die Fans beim Spiel gegen Servette massiv Pyros gezündet haben, reagieren der FC St.Gallen und die Stadtpolizei – mit einem Choreo-Verbot und mehr Polizei. FCSG-Präsident Matthias Hüppi nimmt Stellung.

Matthias Hüppi, im letzten Heimspiel gegen Servette haben Leute im Fansektor massiv Pyros gezündet. Wie haben Sie das im Stadion erlebt?
Matthias Hüppi: Ich war ziemlich überrascht, weil ich nicht mit diesen Exzessen gerechnet hatte. Und nach diesen Monaten, mit einer sehr guten Atmosphäre im Stadion ohne den kleinsten Zwischenfall, hat uns das wirklich auf dem falschen Fuss erwischt.

Ihr habt ja mit den Fans den Dialog gesucht und auch Regeln abgemacht. Wie sehr schmerzt das, wenn die Leute sich nicht daran halten?
Das ist ja keine persönliche Geschichte. Es geht bei allem, was wir machen, einzig und alleine um das Wohl des FC St.Gallen. Und da gehört es dazu, dass wir uns auch mit geschlossenen Reihen wehren. Der Schaden, der angerichtet wird, ist enorm. Erstens ist es eine Gefährdung der anderen Zuschauer, alle Menschen haben das Recht, sich gut aufgehoben und sicher zu fühlen. Hinzu kommt, dass man mit solchen Aktionen in Kauf nimmt, dass ein Spiel abgebrochen werden muss. Wenn wir einen Match 0:3 forfait verlieren würden, den wir eigentlich gewonnen hätten, es dazu Bussen gäbe und Strafen in Bezug auf ein Spiel in einem leeren Stadion, dann würde das den FC St.Gallen existenziell gefährden. Das muss allen klar sein.

Wenn Sie die Möglichkeit hätten, mit jemandem zu sprechen, der Pyros abgefackelt hat, was würden Sie ihm sagen?
Ich suche immer das Gespräch mit allen Zuschauerinnen und Zuschauern, auch wenn ich natürlich nicht mit allen reden kann. Mir ist aber grundsätzlich völlig egal, wo sie sich im Stadion aufhalten und wo sie sitzen oder stehen. Für mich sind alle gleich wichtig und gehören zum FC St.Gallen und tragen ihren Teil dazu bei, dass wir ein einzigartiger Klub in der Schweiz sind. Das lassen wir uns durch niemanden nehmen.

Die Polizei macht jetzt strengere Auflagen. Wie sehen die aus?
Einerseits haben wir die Auflage, dass es im nächsten Spiel gegen Thun ein Fahnen- und Bannerverbot gibt, damit es nicht die Möglichkeit gibt, sich hinter diesen versteckt zu vermummen. Das ist eine Auflage der Polizei, die wir in dieser Form umsetzen müssen. Dazu steht auch alles auf dem Prüfstand. Wenn das vernünftig abläuft – das soll keine Drohung sein – dann geht es wieder anders weiter. Falls nicht, gibt es Probleme und dann wird die Stadtpolizei die Auflagen nochmals verstärken. Das andere ist, dass wir die Sicherheitskontrollen erhöhen müssen.

Sie können die verstärkten Auflagen also nachvollziehen?
Ja. Es bleibt uns ja nichts anderes übrig. Das kostet natürlich wieder Geld und fügt uns wieder Schaden zu, denn wir sind ja noch immer dabei, Altlasten zu bereinigen. Es müsste langsam aber sicher klar sein, dass wir das nur gemeinsam schaffen können.

Gibt es zusätzliche Massnahmen, die der FC St.Gallen ergreift?
Wir werden sicher gewisse Massnahmen ergreifen. Aber diese breiten wir nicht an der Öffentlichkeit aus. Es geht einfach darum, dass sich die Menschen im Stadion wohl und sicher fühlen können. Wir tragen die Verantwortung für alle Menschen, die sich im Stadion und auch rund ums Stadion bewegen. Diesen Auftrag wollen wir ernst nehmen.

Was sagen Sie zu den weiteren Massnahmen, welche die Stadtpolizei fordert? Konkret unterstützt die Polizei die Forderung nach personalisierten Tickets und Stehplätzen.
Klar ist, dass der Druck zunehmen wird, je mehr es solche Ereignisse geben wird. Der Weg der Kulanz ist dann irgendwann nicht mehr der mögliche Weg. Man sollte immer sachbezogene und vernünftige Lösungen finden, um diese Probleme in den Griff zu bekommen. Aber der Druck wird steigen. Das liegt sicher auch an diesen Gruppierungen, die ja einen kleinen Teil unserer Fans im Stadion ausmachen, welche die anderen ein Stück weit drangsalieren. Das wollen wir einfach nicht. Wenn der Druck steigt, muss man das in Kauf nehmen.

Jetzt kommt das Choreo-Verbot. Haben Sie Angst, dass es einen Stimmungsboykott gibt?
Angst habe ich grundsätzlich vor nichts. Und wir haben eine so hoffnungsvolle, junge Mannschaft, die jetzt drei Meisterschaftsspiele hintereinander gewonnen hat. Gestern (Mittwoch) ein super Auftritt in Sion, ich war selbstverständlich dort, und es war eine riesige Freude. Da wächst etwas und das lassen wir uns nicht nehmen.

Der FC St.Gallen hat auf dem Platz einen Lauf, man hat drei Mal gewonnen, verbreitet Freude. Tut das jetzt weh, dass man doch wieder mit negativen Schlagzeilen auf sich aufmerksam macht?
Das ist ja nicht zu verhindern, damit muss man leben. Und ich muss nochmals betonen, dass wir so viele Spiele hatten, mit null Problemen und wunderschönen Choreographien unserer Fans. Und ich sehe ja, mit wie viel Leidenschaft und Engagement alles zusammengebaut wird. Und ich wünsche mir das. Und nicht das vom letzten Samstag.