GC-Böller im Kybunpark: «Gastrecht missbraucht»

Ein Böller explodiert vor der Auswärtstribüne. Die Fans haben kein Verständnis für derlei Aktionen.
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Nach der 0:4-Pleite zu Hause gegen die Grasshoppers regt sich Unmut. So sollen während des Spiels Böller von der Auswärtstribüne in Richtung Familiensektor geflogen sein. In den Fanforen hat man kein Verständnis für diese Aktion. Der FCSG verurteilt den Vorfall. Die Polizei ermittelt.

In der TV-Übertragung sind sie deutlich zu hören: die Böller aus der GC-Tribüne. Zwei bis drei Mal knallte es im Kybunpark am Sonntagnachmittag ordentlich. Dabei sollen die Feuerwerkskörper mitunter auf den Rasen und mindestens einer – der Stein des Anstosses – in den neben der Auswärtstribüne befindlichen Familiensektor B geworfen worden sein. Im FCSG-Forum gehen die Wogen deswegen hoch, schreibt User «GrünWeissetreue»: «Forfait Sieg für SG, alles andere ist nicht akzeptabel.» Und Nutzer «G-SeppliMazzarelli» doppelt nach: «Bis jetzt wurde das Ganze noch nicht mal thematisiert in den Medien. Meiner Meinung nach wäre ein Spielabbruch angebracht gewesen.»

«Grenze des nicht tolerierbaren Masses überschritten»

Auf Nachfrage von FM1Today bestätigt der FC St.Gallen die Vorkommnisse vom Sonntag. Es sei mindestens ein Knallkörper aus dem Gästesektor B4 in Richtung des angrenzenden Sektors B3 gezündet worden. «Mit dem Werfen von pyrotechnischen Gegenständen durch die Gästefans wurde eine Grenze in einem nicht tolerierbaren Mass überschritten und die Gefährdung unbeteiligter Personen wissentlich und willentlich in Kauf genommen», so der Club.

Die Sicherheit aller Zuschauerinnen und Zuschauer geniesse beim FC St.Gallen jederzeit oberste Priorität. «Wir tolerieren unter keinen Umständen, dass unser Gastrecht von Anhängern der gegnerischen Mannschaft in irgendeiner Form missbraucht wird und dass unsere Fans durch Fehlverhalten von Gästefans gefährdet werden», heisst es im Schreiben weiter.

Der FC St.Gallen werde anhand des verfügbaren Videomaterials zusammen mit den Behörden alles daran setzen, die Täter zu ermitteln und hart zu sanktionieren.

Tränen wegen Böllern

Dies ist offenbar auch dringend nötig, wie dieser User im FCSG-Forum schreibt: «Meine Tochter hat noch geheult, als wir schon im Auto sassen. Sorry, aber das war etwas vom Übelsten seit langem im NSSG (Neues Stadion St.Gallen, Anm. d. Red.). Nicht einmal der Stadionsprecher hat sich genötigt gefühlt, eine Durchsage zu machen. Nein, es ist nichts passiert.» Der User mit dem Namen «Rockn'Roll, Baby!» untermalt seinen Zorn dabei mit drei kotzenden Smileys. Und weiter: «Ich erwarte strafrechtliche Untersuchungen und eine Stellungnahme von beiden Vereinen, der Liga und der Polizei. Ich gehe aber davon aus, dass das im Sande verläuft.» Der FC St.Gallen begründet die fehlende Durchsage des Stadionsprechers wie folgt: «Die fehlende Durchsage ist der Tatsache geschuldet, dass wir am Sonntag sehr kurzfristig einen Ersatzspeaker im Einsatz hatten, der diesen Job bei einem Super-League-Spiel zum ersten Mal machte und sich nicht bewusst war, dass er eine solche Durchsage hätte machen dürfen resp. sollen».

Die Diskussionen sind hitzig. Manch einer sagt, genau solche Böller-Aktionen seien Wasser auf die Mühlen jener, die personalisierte Tickets fordern. Dagegen hatten beide Fanlager mittels Räumung der Tribünen am Sonntag demonstriert.

Nein zu personalisierten Tickets. Die leeren Ränge im Espenblock.
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Kritik auch im GC-Forum

Im Stadion werden die beiden Lager wohl keine Freunde mehr. Doch in einem sind sie sich einig. So schreibt User «B.soffen» im GCZ-Forum: «Böller in andere Sektoren schmeissen? Gratuliere, die GC-Kurve hat das Niveau der Südkurve erreicht. Keinen Scheiss besser.» Er bezieht sich damit auf die Südkurve des FC Zürich, deren Fans vor rund einem Monat ebenfalls Böller in die verfeindete Kurve der GC-Anhänger geworfen haben.

Hierfür kassierte der FC Zürich zwei Geisterspiele, ein drittes auf Bewährung. Beide Clubs erhielten überdies eine Busse in der Höhe von 20'000 Franken. Ein User im GCZ-Forum dementiert allerdings die Beobachtungen anderer. Es sei lediglich ein Mal Feuerwerk in Richtung Nebensektor abgefeuert worden – darüber, nicht auf Menschen. «Absolut dumm – so oder so – aber bei weitem nicht Süd-Kurve-Pennerniveau.»

«Immer wieder Provokationen»

Die GC-Fans haben sich gemäss Polizei-Bilanz am Sonntag nicht von ihrer besten Seite präsentiert: Die gut 400 Fans haben bereits während des Fussmarsches vom Bahnhof Winkeln zum Kybunpark immer wieder knallendes Feuerwerk gezündet. «Es gab immer wieder Provokationen, fliegende Flaschen oder Bierdosen. Ausserdem wurden an die 20 Sprayereien an Hausfassaden gesprüht», sagt Dionys Widmer, Mediensprecher der Stadtpolizei St.Gallen.

Dionys Widmer, Mediensprecher der Stadtpolizei St.Gallen

Auch auf dem Rückweg zeigten sich die GC-Fans aggressiv: «Sie suchten Auseinandersetzungen, worauf mehrere Passanten flüchten mussten, welche am Bahnhof auf den Zug warteten. Ausserdem wurde im Zug mehrmals die Notbremse betätigt, was eine Verspätung von 20 Minuten zur Folge hatte.» Auf die Böller im Stadion angesprochen, vertröstet Dionys Widmer. «Das wird nun abgeklärt.»

Die Swiss Super League hat sich bis anhin nicht zum Vorfall geäussert.

veröffentlicht: 6. Dezember 2021 12:12
aktualisiert: 6. Dezember 2021 14:51