Der FC St.Gallen ist noch älter als angenommen

Der FC St.Gallen im Jahre 1886 - 10 Jahre nach der eigentlichen Gründung.
© Stadtarchiv St.Gallen, Privatarchiv FC St.Gallen
Der FC St.Gallen gilt mit dem Gründungsjahr 1879 als der älteste Fussballverein des europäischen Festlands. Im Archiv des Vereins tauchten aber Dokumente auf, die zeigen, dass der FC St.Gallen noch älter ist.

Gegenwart und Zukunft des ältesten Vereins der Schweiz sehen derzeit rosig aus. 7 Siege aus 8 Spielen – das ist die beste Serie seit 2010. Das junge, dynamische Team von Trainer Peter Zeidler ist ein grosses Versprechen für kommende Jahre.

Wenn irgendwo eine kleine Unsicherheit besteht, dann eher bei der bekanntesten Kennzahl des FC St.Gallen: 1879. Das ikonische Gründungsjahr hat für den Verein grosse Bedeutung, ziert Vereinswappen, Fanartikel oder die Haut mancher Hardcore-Fans.

Dabei ist das Jahr nicht unbedingt richtig. «Es gibt Hinweise darauf, dass der FC St.Gallen schon drei Jahre davor vereinsmässig Fussball spielte», sagt der pensionierte Stadtarchivar Fredy Hächler. Das hat Hächler aus zahlreichen Dokumenten aus dem Archiv des FC St. Gallen recherchiert.

Nach Umzug herausgefunden

Beim Auszug aus dem Espenmoos tauchten 50 Bananenschachteln gefüllt mit Erinnerungen aus der Vereinsgeschichte auf. «Der FC St.Gallen fragte sich damals: Wohin mit dem alten Plunder?», erinnert sich Hächler. Glücklicherweise sei der FC auf das Stadtarchiv zugekommen.

In den Unterlagen stiess Hächler schliesslich auf ein Spielprotokoll aus dem Jahr 1876. Drei Jahre vor dem offiziellen Gründungsdatum, dem 19. April 1879. An diesem Tag druckte das St.Galler Tagblatt bekanntlich einen Aufruf zur Vereinsgründung im Restaurant Hörnli.

Für einen älteren Verein sprechen mehrere Punkte. Zum einen sind die Unterlagen im «Archiv» des FCSG aufgetaucht, zum anderen mussten die Vereine früher untereinander Spiele abmachen. Eine Liga gab es damals noch nicht.

Ein reiner Kick unter Freunden wäre wohl kaum protokolliert worden und war damals auch nicht die Regel. Fussball war relativ neu und wurde in Institutionen gespielt.

Für Dani Last, Mediensprecher des FC St.Gallen, ist das Jahr 1879 aber unumstösslich: «Nur weil das Jahr 1876 in einem Protokoll erwähnt wird, können wir natürlich nicht gleich alles ändern. Und es ist klar, dass der Verein bis zur Gründung einen gewissen Vorlauf brauchte und nicht einfach aus dem Nichts kam.»

Lob für den FC vom Stadtarchivar

Warum geht der FC St.Gallen vom «falschen» Jahr 1879 aus? Der Verein könne nichts dafür sagt Hächler. Um das herauszufinden, müsste man ganz genau arbeiten und enorm viel Zeit für die Dokumente aufwenden, so wie er es getan habe.

Und ganz klare Strukturen bestanden vor wohl 1879 noch nicht. Auch wenn Hächler in seiner Arbeit zum Thema festhält, dass bereits vor 1879 ein organisierter Fussballverein mit einer initiativen Kommission, einem Präsidenten, einem Vize, einem Aktuar, einem Kassier und einem Revisor bestand.

Hächler lobt den ältesten, noch existierenden Fussballverein des europäischen Festlands sogar: Bei kaum einem anderen Club seien so viele Unterlagen aus den Anfangstagen erhalten geblieben wie beim FC St.Gallen. Früher hätten die meisten Vereine die Dokumente systematisch entsorgt.

Geschichte wird in St.Gallen gelebt und geliebt

Dass in St.Gallen eine grosse Identifikation mit der langen Geschichte stattfinde, betont auch Dani Last: «Unsere Geschichte ist uns wichtig und die kann uns keiner nehmen.» Auch ohne drei zusätzliche Jahre sei der FCSG der älteste, noch bestehende Fussballverein auf dem Festland.

Im krassen Gegensatz dazu wird der FC St.Gallen am Sonntag wohl wieder die jüngste Formation der Super League aufs Feld gegen Meister YB schicken. Zu recht. Denn die jungen Wilden machen seit Wochen nichts anderes, als die alte Fussballstadt im Osten zu begeistern.