Weihnachten kann kommen, ich bin sowas von bereit

Die Vorfreude auf Weihnachten könnte bei mir grösser nicht sein.
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Ich bin kein Organisationstalent. Ich bin eine Alles-auf-den-letzten-Drücker-Macherin, eine Chaotin, ein unglaublich vergessliches Wesen. Aber das Coronavirus hat mich besser gemacht und diese Weihnachten könnte ich schon morgen feiern.

«Ich könnte kotzen» – dieser Gedanke oder Würgreiz stellte sich bei mir regelmässig ein, wenn ich bereits im November in den Geschäften auf Lichterketten, glänzende Samichläuse oder mit Pailletten besetzte Christbaumkugeln traf. Bei letzterem hat sich meine Abneigung auch noch nicht gelegt, aber, liebe Leserinnen und Leser, müsste ich meinen jetzigen Gemütszustand anhand von Weihnachtsschmuck beschreiben, wäre er einer dieser blinkenden Sterne, die an fast allen Fenstern hängen – aufgeregt wartend bis Weinachten endlich kommt.

Denn dieses Jahr bin ich so hibbelig, wie vermutlich zuletzt vor 26 Jahren als ich drei Jahre alt war und begann, meine Weihnachtswünsche aus den Spielzeugkatalogen zu schneiden und für das Christkind auf ein weisses Blatt Papier zu kleben.

Weinen wegen Weihnachtsschmuck

Angefangen hat meine Weihnachtseuphorie eines Novemberabends, als ich mit dem Auto von der Wasserfluhstrasse in das Städtchen Lichtensteig abbog. Es war einer dieser Tage, an denen eine coronabedingte Absage die andere jagte und der Nebel die Stimmung zusätzlich zu erdrücken drohte. Einer dieser Tage, die nie zu enden scheinen, weil sie beim Verlassen des Hauses in Dunkelheit beginnen und beim Verlassen des Büros in Dunkelheit aufhören. Bei der Einfahrt in das süsse Toggenburger Städtchen wurde es plötzlich hell. Sterne zierten die aneinander geschmiegten Häuser in der kleinen Innenstadt und mir kamen fast die Tränen. Wirklich.

Weihnachtsdekorationen bringen Licht in den Alltag.

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Dieser Moment war so schön und so melancholisch und erinnerte mich daran, dass nicht alles dunkel und düster sein muss. Mein November-Blues verwandelte sich in einen November-Rock'n'Roll und noch am gleichen Abend beschloss ich, Weihnachten dieses Jahr bereits vor dem 24. Dezember in mein Haus zu lassen.

Adventskranz aus Gin-Flaschen

Ich begann, Weihnachtsgeschenke einzukaufen – im November! Normalerweise kommen mir solche Gedanken frühestens Mitte Dezember, wobei ich jeweils mit Schrecken feststellen musste, dass ein Teil der Geschenke es gar nicht mehr bis Weihnachten unter den Christbaum schaffen würden. Dieses Jahr befinden sich viele Geschenke bereits verpackt im Stubenschrank. Die Weihnachtsguetzli sind längst gebacken und ein Adventskranz ziert den Esstisch. Zwar besteht dieser aus vier mit Kerzen gefüllten Gin-Flaschen, aber immerhin. Sogar ein mit Lichtlein verzierter Christbaum steht neben dem Fernseher.

Ein Christbaum schmückt mein Wohnzimmer.

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Ich habe sogar schon einen echten Christbaum geschmückt und zwar den grossen auf dem zentralen Platz in meiner Wohngemeinde und bin drauf und dran, ein Freund von Adventsfenstern zu werden. Viele Freunde wagen es zu sagen, dass ich alt werde. Vermutlich haben sie recht. Aber egal wie alt man ist, ich glaube, dieses Jahr tut etwas Licht allen Menschen auf der Welt gut.

Ein Gin-Flaschen-Adventskranz

© Lara Abderhalden

Das Licht nimmt uns niemand

Weihnachten werden dieses Jahr anders sein. Vermutlich werden wichtige Menschen aufgrund der Coronamassnahmen in einigen Familien am Weihnachtsfest fehlen. Partys wurden abgesagt, Weihnachtsfeiern verschoben, das traditionelle Glühweintrinken mit dem Büro abgesagt, aber die glänzenden Samichläuse auf unseren Kommoden kann uns niemand nehmen und je mehr die Gärten leuchten, desto weniger alleine fühlt sich jeder einzelne.

Also mein Gemütszustand hat sich soeben von einem blinkenden Stern in einen rot-blau-grün leuchtendes Gespann inklusive Rentier verwandelt. Wie sieht es bei euch aus? Schreibt uns per Kontaktformular eine Nachricht.

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veröffentlicht: 6. Dezember 2020 17:19
aktualisiert: 6. Dezember 2020 17:37