Schnelltest positiv, PCR-Test negativ – was ist da los?

FM1Today weiss von einigen Personen, die nach einem positiven Antigen-Schnelltest ein negatives PCR-Testresultat erhalten haben.
© Keystone/dpa-tmn/Zacharie Scheurer
Es ist ein Sonderfall, der sich mit den vermehrten Coronatests aber häuft. FM1Today weiss von mehreren Personen, die in den letzten Tagen nach einem positiven Antigen-Schnelltest, ein negatives PCR-Testresultat erhalten haben. Fachexperten haben für die Ursache noch keine endgültige Antwort. Derweil ändert das BAG kurzerhand die Testpraxis.

Dass ein Antigen-Schnelltest weniger sensibel ist, und manchmal ein positives Resultat nicht erkennt, ist bekannt. Meist bringt der, bis jetzt, verlässlichere PCR-Test Klarheit über eine Covid-Infektion.

Je mehr Tests, desto mehr Ausnahmen

Doch was ist, wenn der Antigen-Schnelltest zwei Striche, also positiv, anzeigt und der darauffolgende PCR-Test negativ ausfällt? Genau dies passierte diese Woche dem TVO-Videojournalisten Claudio Hollenstein. Und FM1Today weiss noch von weiteren Fällen, bei denen vergangene Woche ein Antigen-Schnelltest «falsch-positiv» war, respektive der PCR danach negativ anzeigte. Dies, obwohl die Personen zum Teil Symptome hatten.

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Quelle: tvo

Die Ursachenfindung gestaltet sich nicht ganz einfach. Denn sogar der Fachexperte Martin M.J. Risch, er leitet die Labormedizin am Kantonsspital Graubünden, dünken solche Fälle speziell. Risch sagt aber auch: «Je mehr getestet wird, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es solche Sonderfälle gibt.»

PCR-Test ist der Schiedsrichter

Beim Bundesamt für Gesundheit heisst es am Freitagmorgen auf Anfrage von FM1Today, dass man keine Häufung von solchen Fällen feststellt. «Wir haben keine Anhaltspunkte, dass die PCR-Tests die neue Virusvariante schlechter erkennen», sagt Jonas Montani, BAG-Mediensprecher.

«Es gibt manchmal wirklich komische Konstellationen», sagt auch der Arzt Peter Reiser aus Flims. Auch in seiner Praxis respektive der dazugehörigen Apotheke «medic2go» hatten einige Schnelltests ein positives Ergebnis angezeigt und der darauffolgende PCR-Test war negativ.

«Es ist sicher nicht die Regel und man kann sagen, dass der PCR-Test der eigentliche Schiedsrichter ist», sagt Reiser. Auch gemäss dem Chefarzt des Zentrallabors in Chur ist das Verfahren via PCR der Goldstandard und aussagekräftiger als ein Antigen-Schnelltest.

Laufende Überprüfung

Klar ist: Bei den abertausenden Tests, die aktuell schweizweit gemacht werden, können fehlerhafte Resultate nicht ausgeschlossen werden. Doch ist nicht nur die Menge an Tests ist ein entscheidender Punkt, sondern auch die diversen Produkte, welche sich in der Zwischenzeit auf dem Markt befinden und genutzt werden. Dazu können auch menschliche Fehler bei dem Abstrich, Transport oder der Analyse passieren.

Und ebenso klar ist für den Labormediziner Risch, dass fortlaufende Untersuchungen – auch von PCR-Tests – nötig sind und auch getätigt werden. «Es ist wichtig, dass bei den PCR-Tests das Augenmerk auf die Empfindlichkeit gelegt wird.»

Was nun, wenn Antigentest positiv?

Zusätzliche Fragezeichen wirft die Kehrtwende des BAG am Freitagabend auf: Neu braucht es bei einem positiven Antigen-Schnelltest keinen zusätzlichen PCR-Test mehr, schreibt das BAG auf Anfrage der NZZ am späten Freitagnachmittag. Das BAG begründet den Entscheid mit der aktuellen epidemiologischen Lage. Bei einem positiven Antigen-Schnelltest könne man mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass man tatsächlich infiziert ist.

Ein positives Resultat muss durch das Testzentrum dem kantonalen Contact Tracing und dem BAG mitgeteilt werden und wird offiziell als «Fall» gewertet.

Im Falle von TVO-Journalist Hollenstein hat ein zweiter PCR-Test ein positives Ergebnis geliefert. Er befindet sich seit dem ersten positiven Antigentest in Isolation.

veröffentlicht: 7. Januar 2022 17:33
aktualisiert: 18. Januar 2022 09:04