Kindische Erwachsene: Bussen gegen Maskenverweigerer sind richtig

Ein Mann isst im Zug ein «Brötli». Das darf er.
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Immer wieder gibt es Menschen, die im Zug die Maskenpflicht umgehen wollen, indem sie ausschweifend essen oder trinken. Das BAG fordert Bussen. Gut so. Ein Kommentar.

In der Schweiz geht alles ein bisschen länger. Während des ersten Lockdowns und bis weit in den Sommer hinein galten in der Schweiz noch beileibe die fast laxesten Pandemiemassnahmen in ganz Mitteleuropa. Die ordentliche Eidgenossen-Seele blieb stets stoisch, respektierte die Regeln des Bundesrats und liess sich kaum aus der Ruhe bringen.

Knabbern gegen den Maskenzwang

Währenddessen tobte in unserem nördlichen Nachbarland ein veritabler Kulturkrieg. Ein rechtsextremer Politiker musste sich gar auf einem Zug-WC einschliessen, weil ein Kondukteur im ICE die Polizei gerufen hatte. Was war passiert? Der Mann weigerte sich, eine Maske im Zug zu tragen. Angeblich wollte er nur «Gebäck knabbern» und bekam damit ganz ungeniert einige Tage lang eine Plattform in den Medien.

Das war vor geschlagenen fünf Monaten. Jetzt, im Januar 2021, darf sich die Schweiz endlich auch in die Liste der Nationen eintragen, deren Bürger sich trotz Erwachsenenalter wie quengelnde Kinder verhalten. Das Bundesamt für Gesundheit ist seit heute wegen Maskenverweigerern im öffentlichen Verkehr mit Postauto und SBB bezüglich «kommunikativer Massnahmen» in Kontakt. Zudem soll es Bussen geben, wenn man sich mit dem Vorwand, etwas zu verzehren, quasi selbständig von der Maskenpflicht befreit.

Eidgenössischer Stolz

Man kann schon fast ein bisschen stolz sein auf unser kleines Land und unsere vernünftigen Bürger. Wie lange haben wir es ohne peinliche Schlagzeilen über eine einfache Maske ausgehalten, wie lange musste das Bundesamt für Gesundheit sich nicht dazu äussern. Doch jetzt ist genug. Jetzt sind sie auch unter uns, diese Menschen, die das Gefühl haben, etwas ganz heroisches zu tun, wenn sie dem unschuldigen Kondukteur maskenlos einen Latz anhängen. Wie stolz dürfen wir sein.

Man darf die Massnahmen des Bundes kritisieren, man soll sogar. Ganze Existenzen gingen zugrunde, die Kantone und auch der Bund eiern umher, entscheiden mal dies, mal das, heben anderes nach kurzer Zeit wieder auf, üben sich in föderalistischer «déformation professionelle». Vieles davon ergibt auf den ersten Blick kaum Sinn, auf den zweiten auch nicht. So auch die Maske, einverstanden. Doch sie funktioniert. Wenn auch nur begrenzt.

Maskenlos im «Widerstand»

Die Maske nervt, das weiss auch die vernünftige Mehrheit, die sie ständig im Zug, in den Bussen und Trams, in Innenräumen und an der Haltestelle trägt. Wir sind alle froh, wenn sie wieder weg ist. Leute, die aber keine Maske tragen, weil sie «Widerstand» demonstrieren wollen, Leute, die allen Ernstes aus purer Bequemlichkeit anfangen, stundenlang im Zug Essen in sich hineinschaufeln, nur damit sie das Ding, welches unser Pflegepersonal tagtäglich im Gesicht hat, nicht tragen müssen, diese Leute sollten zurecht gebüsst werden.