«Plus Minus»: Manillios Umgang mit der Spannung zwischen den Polen

Denkt viel über die Spannung zwischen den Polen nach: Rapper Manillio. Am Freitag erscheint sein neues Album "Plus Minus". (zVg)
Denkt viel über die Spannung zwischen den Polen nach: Rapper Manillio. Am Freitag erscheint sein neues Album "Plus Minus". (zVg)© Keystone/UNIVERSAL MUSIC SCHWEIZ
Mit seinem letzten Album «Kryptonit» hat Rapper Manillio alles erreichen wollen: Platz 1 in den Charts, Goldstatus. Es ist ihm gelungen. Bloss: Glücklicher hat ihn der Erfolg nicht gemacht. Mit «Plus Minus» will er jetzt keine Kompromisse mehr eingehen.

Achterbahn, Rodeo – diese Begriffe sind Manillio durch den Kopf gegangen, als er einen Titel für sein neues Album suchte. Für «Plus Minus» hat sich der Rapper schliesslich entschieden, weil das «die Energie zwischen zwei Polen, das stetige Kippen zwischen guter und schlechter Stimmung beispielsweise» am besten umschreibe.

Es ist sein Thema. Was an all den Studiomomenten liege, in denen sich Frustration und schlechte Laune durch eine einzige kleine Begebenheit sekundenschnell in Motivation und Gelächter verwandeln können. Aber auch, weil er selber eine nicht sehr ausgeglichene Person sei.

Die Spannung zwischen Hoch und Tief auszuhalten, ist ein wichtiges Thema des 31-Jährigen. Er will noch besser damit umgehen können, dass «nicht immer alles auf der Wohlfühllinie liegt, warm und flauschig ist». Es brauche ein Auf und Ab, sagt er.

Der perfekte Mittelpunkt

Karrieretechnisch hatte Manillio mit «Kryptonit» 2016 ein riesiges Hoch. Das Album war sein erstes, das er bei einem Major-Label veröffentlichte; es erreichte Goldstatus für 10’000 verkaufte Exemplare und auch die Tour war ein Erfolg. Alles, was er sich vorgenommen hatte, hat er erreicht. Bloss: «Das ist jetzt auch nicht die Welt, das hat mich auch nicht glücklicher gemacht», so der Musiker. Vor allem sei er Kompromisse eingegangen, die er nicht hätte eingehen müssen.

Kurz: «Jetzt habe ich es mal gesehen und es ist okay für mich, nun einen neuen Punkt zu definieren, an dem ich glücklich bin.» Mit seinem neuen Album «Plus Minus», das am Freitag in die Läden kommt, will er den «perfekten Mittelpunkt finden, an dem für mich alles stimmt».

Der gelernte Polygraf, der mit bürgerlichem Namen Manuel Liniger heisst und seit sechs Jahren von der Musik lebt, ist zumindest schon mal sehr zufrieden mit den neuen Songs. Natürlich, sonst würde er sie niemals veröffentlichen, sagt er. Manillio ist ein Musiker, der sich selbst am meisten unter Druck setzt. «Gerade, weil ich davon lebe.»

Aber immerhin fühle er sich inzwischen nicht mehr gestresst, wenn er am Montagmorgen um acht noch nicht am Songschreiben sei, sondern erst dann, wenn er wirklich Ideen habe. Er habe gelernt, dass unproduktive Tage keine verlorenen Tage seien, und «dass ich nicht vergessen darf, zu leben.» Schliesslich ist das Leben seine Inspiration.

Es sieht nur easy aus

Manillio geniesst den Ruf eines brillianten Alltagsbeobachters und -beschreibers. Ein Notizbuch hat er nicht, aber sein Handy, auf dem er Gedanken, ganze Zeilen oder einzelne Wörter speichert. «Snack» etwa, wie er einen Song auf «Plus Minus» (feat. Grapejuice) genannt hat, sei ein Ausdruck, den sein Kollege oft verwende. Ein Ausdruck für «nüt, nüt, nüt» beziehungsweise dafür, dass auch ein XXL-Triple-Speck-Leben nichts als «e Snack» sei, erklärt er im Songtext.

Knackig sind sie, die Texte von Manillio. Dicht, treffend, kein Wort ist zu viel und keins zu wenig. Und sie ergänzen gut die Entspanntheit des Sounds. Mit dieser Lässigkeit, von der Manillio sagt, sie sei mehr Schein als Tatsache. «Das ist etwas, was ich gut kann», so der Rapper «Machen, dass es easy klingt, obwohl sehr viel harte Arbeit dahinter steckt.»

(SDA)