Kicken im Parkhaus: «Wir wurden überrannt»

Die zweite Ausgabe von Lake Constance Football fand im Parkhaus eines Einkaufscenters in Romanshorn statt. Über den Tag verteilt kickten dort angehende Profis, Kinder und Hobbyfussballer zusammen.

Wo sich sonst Auto an Auto reiht und überladene Einkaufswagen über den Teer rollen, reiht sich am Sonntag Zuschauer an Zuschauer. Das einzige, was hier rollt, ist der Ball. Und wie. Die zweite Ausgabe des Ostschweizer Strassenfussball-Turniers von Lake Constance Football bringt begnadete Ballkünstler und Hobbyfussballer im Parkhaus der Migros Romanshorn zusammen.

Im Scheinwerferlicht steht dort ein temporärer Fussballkäfig. Zaunelemente begrenzen das Spielfeld, auf dem wild zusammengewürfelte Mannschaften von drei Personen über den Asphalt wirbeln. Aus den Boxen dröhnen Hip-Hop-Beats, Zuschauer und Spieler gleichermassen bejubeln gelungene Tricks und astreine Kombinationen, die zu Toren führen.

Es kommt einem vor, wie an einer Fussball-Party. «Die Stimmung ist bombastisch», sagt Organisator Carlo Zanetti (26).

Bei den Turnieren von Lake Constance Football meldet sich jeder Teilnehmer als Einzelspieler an. Die Mannschaften werden nach jedem Spiel neu gemischt, jeder spielt gegen und mit jedem. Der Spass und die Fairness stehen im Vordergrund – trotzdem gibt es eine Rangliste. Für jeden Sieg bekommen die Teilnehmer Punkte.

«Underground-Feeling»

Bei der Premiere Mitte August hatte es über 30 Grad. Anfang Oktober sieht es anders aus – das regnerische Wetter verlangt nach kreativen Lösungen. «Wir wussten, dass wir eine Schlechtwetter-Variante brauchten. Das Parkhaus der Migros ist dafür perfekt, nur schon wegen des Underground-Feelings», schwärmt Zanetti, selbst Lehrer in der Region.

Die Sprinkleranlage musste extra mit einem Netz gesichert werden. Bei einem Ventil-Treffer würde sonst innert weniger Minuten das ganze Einkaufszentrum überflutet werden. Den Widrigkeiten zum Trotz kann sich der Fussball-Käfig sehen lassen.

Das dachten sich wohl auch die vielen Mitspieler und Zuschauer, die den regnerischen Sonntag zusammen in einem Parkhaus verbrachten. Nachdem zumindest der Start des August-Events etwas harzig verlief, fanden diesmal etwa 250 Personen zusammen. «Wir wurden von Anfang an überrannt, zum Teil waren mehr als 150 Leute gleichzeitig da», so Zanetti.

Ausgezeichnete Qualität

Der zunehmende Anklang von Lake Constance Football hat verschiedene Gründe. Kommuniziert wird zeitgemäss über Instagram, wo vor allem die jüngeren Teilnehmer erreicht werden. Dann gibt es die Möglichkeit, richtige Talente zu sehen, oder sogar mit ihnen zusammenzuspielen.

«Von der St.Galler U18 waren fünf Jungs da, letztes Mal kam Novem Baumann von der U21 des FCZ. Die Qualität ist einfach brutal», sagt Zanetti. Trotzdem soll man sich auch als Fussball-Normalo nicht davon abschrecken lassen, mitzuspielen. «Der Mix ist sehr gut. Hier will niemand den anderen demütigen. Es spielen zum Teil 9-jährige Buben mit, wir wollen einfach eine gute Zeit haben.»

Ausgezeichnete Qualität liefert aber auch LCF selbst, zum Beispiel mit den aufwendig produzierten Videos auf Instagram.

Für das ambitionierte Projekt, das sich Kulturaustausch durch Fussball vorgenommen hat, scheint der Mix aus Promi-Einbezug und Instagram-Kommunikation zu funktionieren. Nun sollen alle vier bis fünf Wochen Turniere stattfinden.

Bei guter Witterung will Zanetti wieder wie beim ersten Mal beim Pestalozzi-Schulhaus spielen. Wenn es regnet oder schneit, lädt der Organisator zur Fussball-Party im Parkhaus.