Gefährliches «Böötlä»: Kanton Thurgau macht den Fluss sicherer

Spezialisten der Kantonspolizei Thurgau bei einem Übungseinsatz.
© Kapo TG
Noch ist das Wasser zu kalt, doch bis zum Start der Gummibootsaison ist es nicht mehr lange hin. Der Kanton Thurgau überarbeitet deswegen die Sicherheitsmassnahmen an der Thur, um diese sicherer zu machen. Die Seepolizei erwartet einen strengen Sommer.

Treiben lassen, mit den Füssen im Wasser planschen und den Alltag den Fluss runter spülen: Im einen Moment noch ein traumhafter Ausflug in die Natur, kann die Stimmung beim «Böötlä» auch schnell kippen. Strömungen, Hindernisse und nahende Wasserfälle führen in der Schweiz jedes Jahr wieder zu heiklen Situationen und Todesfällen.

Auch aus der Thur, dem zweitgrössten Fluss der Ostschweiz, muss die Kantonspolizei Thurgau immer wieder Personen retten. Deren Gewässer können täuschen: Oft fliesst sie gemächlich vor sich hin, doch es handelt sich um einen Wildbach, der Stellenweise gefährlich sein kann.

Erst letztes Jahr starben zwei Personen in Henau. Und sie waren nicht einmal mit einem Gummiboot unterwegs, sondern durchquerten den vermeintlich harmlosen Fluss zu Fuss.

10 Verhaltensregeln

«Die Thur und ihre Gefahren werden oft unterschätzt», sagt Marcel Kuhn, Dienstchef der Seepolizei der Kantonspolizei Thurgau. «Deshalb haben wir das Merkblatt ‹Für eine sichere Fahrt auf der Thur› gemeinsam mit dem Amt für Umwelt überarbeitet.»

Das überarbeitete Merkblatt für Fahrten auf der Thur. 

© Kanton Thurgau / Screenshot

Auf dem Merkblatt sind 10 Verhaltensregeln festgehalten. Diese gelten auch für das Befahren von anderen Flüssen. Für die Thur spezifisch wird auf den Wildwasserabschnitt zwischen der Altikerbrücke bei Niederneunform und der Thurgauer Kantonsgrenze hingewiesen.

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Quelle: Schaffhauser Polizei

Zusätzliche Warnblachen

«Auf dieser Strecke treibt die starke Strömung die Boote auf Hindernisse wie Bäume am Flussufer zu», sagt Tim Wepf, Leiter der Abteilung Wasserbau und Hydrometrie des Thurgauer Amts für Umwelt. Allgemein sei die Thur durch verschiedene Massnahmen in den letzten Jahren wieder natürlicher geworden, weitere sollen Folgen.

An allen Brücken ab der Pfynerbrücke wird aus diesem Grund mit Blachen darauf hingewiesen, dass Böötler die Thur auf eigene Gefahr befahren. Bei der Altikerbrücke vor dem Wildwasserabschnitt werden die Gummibötler mittels Warnblache zum Auswassern aufgefordert.

Bei allen bekannten Einwasserungsstellen gibt es zusätzliche Plakate mit Hinweisen und einem QR-Code, der zum neuen Merkblatt führt.

Das neue Warnschild mit QR-Code an der Thur. 

© Kapo TG

Seepolizei erwartet strengen Sommer

«Mit dem QR-Code erhoffen wir uns speziell bei Jugendlichen eine Sensibilisierung», sagt Marcel Kuhn, Dienstchef der Thurgauer Seepolizei. Der Zugriff auf das Merkblatt sei so an eine gute technische Lösung geknüpft.

Im besten Fall könnten damit einige Unfälle und Einsätze verhindert werden. Dennoch geht Kuhn von einem strengen Sommer für die Seepolizei aus: «Gummiboot fahren liegt im Trend. Die Thur ist dabei nur ein Nebenschauplatz, auf dem Rhein sind viel mehr Personen unterwegs.»

Hinzu kämen die Reiserestriktionen, die auch diesen Sommer noch eine Rolle spielen dürften. «Die Leute wollen ans Wasser und Spass haben», sagt Marcel Kuhn.

Dagegen sei auch nichts einzuwenden, solange man sich vernünftig verhalte und sich selbst nicht überschätze.

veröffentlicht: 31. Mai 2021 19:06
aktualisiert: 31. Mai 2021 19:06