Weshalb mein Herz für den Funken brennt

iStock-543203324-1024x683
© FM1Today
Burn baby, burn! Im Rheintal wird in den nächsten Wochen mit Funken der Winter vertrieben. Das ist so viel mehr als Feuerbrauch. Der Funken ist die erste Niele. Das erste Bier. Der erste Kuss.

Der Funken hat sich fest in meine Erinnerungen gebrannt, in alle Stufen des Älterwerdens. Als Kind rannte ich mit meinen Gspänli Tage vor dem grossen Funkensonntag zur Wiese neben dem Sportplatz. Dort standen wir und starrten mit grossen Augen auf den Holzhaufen, der bis in den Himmel zu reichen schien. Kaum auszumalen, wenn erst der Böögg dort oben thronte und die Flammen bis zum Mann aus Stroh nach oben krochen. Dann, wenn ich die Hand meiner Mutter fest umklammerte, die Augen schloss und auf den Knall wartete. Bis die Erwachsenen nickend sagten: «Ja, es wird ein guter Sommer.»

Die ersten Nielen

Bei den Eltern zu stehen, mit roten Wangen und heissen Ohren, die Zunge verbrannt von der heissen Bratwurst und die Handschuhe klebrig vom Punsch... Das verlor irgendwann seinen Reiz. Etwas älter, suchte ich, die Mütze tief ins Gesicht gezogen, rund um’s Feuer nach meinen Schulgspänli. Schon nachmittags hatten wir gemeinsam Nielen im Wald gesammelt. Diese rauchten wir jetzt heimlich hinter dem kleinen Festzelt, wo wir uns vor unseren Eltern versteckten. Danach war uns kotzübel. Egal, die Erwachsenen hatten und nicht erwischt und wir waren die Grössten.

Heisse Küsse am Feuer

So richtig spannend wurde der Funken in der Pubertät. Oh ja, wir waren «on fire». Jetzt konnten wir endlich Töffli fahren und es war sogar möglich, den Funken in einer (OMG!) anderen Gemeinde zu besuchen. Meine Freundinnen und ich waren nervös. Zum ersten Mal hatten wir coole Turnschuhe statt der Gummistiefeln an (was wir am nächsten Tag beim Schuheputzen zutiefst bereuten). Auch etwas Wimperntusche trugen wir auf. Die Jungs aus der dritten Oberstufe waren da, wir hatten uns verabredet. Einer hatte Bier mitgebracht. Der erste Schluck schmeckte bitter, das Gefühl der Freiheit unglaublich süss. Es wurde geknutscht, im Hintergrund knisterten die Flammen. Zum ersten Mal wurde uns heiss und es hatte nichts mit dem Feuer zu tun.

Ein nostalgischer Ort

Ist man Erwachsen, ist der Funken der Ort, an dem man alte Freunde wieder trifft. Mit Bier stösst man auf vergangene Zeiten an und findet sich bald schunkelnd auf dem Festbank wieder. Heute beobachte ich vergnügt die faszinierten Kinder, die glühenden Nielen in der Dunkelheit und das junge Pärchen, das händchenhaltend vor dem Feuer steht. Dann warte ich auf den Knall und sage: «Ja, es wird ein guter Sommer.»