Weg mit der Infusion: Rheintaler Stofftiere für Kinder im Spital

Christa Dürr und Dominic Hehli sind Cousins und das Präsidium des Vereins «HelpiS».
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Für viele Kinder ist die Infusion im Spital ein Graus. Abhilfe schafft hier ein ehrenamtlicher Rheintaler Verein, der diese mit Spezialstofftieren versteckt. Dahinter stecken persönliche Erfahrungen: Der Sohn der Präsidentin ist schwer an Krebs erkrankt.

Scharfe Kanten, kalte Farben und seltsame Maschinen mit Schläuchen: Ein Spital ist keine besonders freundlich anmutende Umgebung. Schon gar nicht in den Augen eines Kindes, welches dort unter Umständen eine lange Zeit verbringen muss und ohnehin schon eine schwere Zeit durchmacht.

Besonders schwer wiegt der Tropf am Infusionsständer. Von dort fliessen die Medikamente durch Schläuche in Kinderarme und werden zum Symbol der eigenen Unzulänglichkeit. Mehr noch: Sie befestigen Patienten physisch im Krankenzimmer.

Abhilfe schaffen will hier der Rheintaler Verein Helpis. Und zwar mit den gleichnamigen Stofftieren.

«Bluttransfusionen sind besonders schlimm»

Die Helpis bestehen derzeit aus einem Löwen, einem Pingu, einem Schaf, einem Hasen und einem Affen. Spezielle Stofftiere, die den Blick auf den Tropf von einer Seite verdecken – auf der anderen Seite aber zulassen. Denn das medizinische Personal muss die Infusionsflasche jederzeit einsehen können.

«Bluttransfusionen sind besonders schlimm», sagt Dominic Hehli, Vizepräsident des Vereins. Der mit Blut gefüllte Plastiksack sei für Kinder schwer zu ertragen. «Die Helpis verstecken die Infusion nicht nur, sie geben den Kindern auch Kraft und Hoffnung», sagt Hehli.

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Quelle: FM1Today

Helpis als Selbsttherapie

Etwas, das auch Vereins-Vizepräsident Hehli und Präsidentin Christa Dürr, sie sind Cousins, gebrauchen können. Christa Dürrs Sohn Samuel erkrankte vor zwei Jahren an Krebs und war für lange Zeit im Spital. Dort kam ihnen – zusammen mit Samuel – dann die Idee zu den Helpis. Auch wenn Samuel damals schon fünfzehn war, begeisterte er sich sofort für die Stofftiere.

«Für Kuscheltiere ist man doch nie zu alt», berichtigt seine Mutter Christa,«Samuel geht es aber vor allem darum, anderen Kindern die Zeit im Spital zu erleichtern.» Eine Aufgabe, von der Samuel und sein Umfeld nun zehren. «Natürlich lenkt das auch von der Krankheit ab», sagt Christa Dürr.

Zusammen haben sie die Tierfiguren ausgewählt, zeichnen lassen und in der Türkei in Produktion gegeben. Im März hat der Verein die erste Charge von zweitausend Helpis erhalten.

Die Helpis haben Hehli und Dürr zusammen entworfen und entwickelt. Auch Christa Dürrs Sohn, Samuel, war beteiligt. 

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«Am liebsten würden wir alle verschenken»

Eine kommerzielle Absicht hat der Verein mit den Helpis nicht. Im Gegenteil. Die Mitglieder haben ihr eigenes Geld in die Produktion gesteckt – und niemand habe die Absicht, dieses zurückzufordern.

«Am liebsten würden wir alle Helpis verschenken», sagt Vizepräsi Hehli. Das sei auch die Absicht: Möglichst viele Helpis gratis an Kinder im Spital abzugeben, damit deren Familien nicht noch zusätzlich finanziell belastet werden.

Dazu ist der Verein allerdings auch auf Spenden angewiesen.

Beim fehlenden Schaf gibt es derzeit Produktionsschwierigkeiten. 

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Spitalmitarbeiter fassen sich an den Kopf

Auch ins Ausland haben es mittlerweile einige Helpis geschafft. Die Rückmeldungen der Ärzte, aber auch der betroffenen Kinder und Eltern seien durchs Band positiv. «Die Spitalmitarbeiter fragen sich uns gegenüber oft, warum sie nicht selbst auf diese Idee gekommen sind», sagt Christa Dürr.

Ihr Sohn Samuel muss seine Zeit mittlerweile nicht mehr im Spital verbringen. Er ist zu Hause im Rheintal. Als Folge seines Tumors kann er Arme und Beine nicht mehr bewegen. «Die Helpis liegen ihm sehr am Herzen. Und er macht sich auch Gedanken über weitere Projekte», sagt seine Mutter.

Bestimmt will er auch in Zukunft Kinder unterstützen, die in seiner Situation waren. Doch auch heute ist er schon ein bisschen bei allen Kindern, die ein Helpis haben.

Denn der Buchstabe S, der steht für Samuel.

veröffentlicht: 12. April 2021 05:29
aktualisiert: 12. April 2021 05:29