St.Galler City Messenger: Konsumgeil per App

Der neue City Messenger kann jetzt heruntergeladen werden.
© FHS SG
Die Stadt St.Gallen hat seit Mittwoch ihren City Messenger. Dieser verfolgt hehre Ziele: Das Lädelisterben soll verhindert und die Innenstadt belebt werden. Der Messias unter den Apps ist dabei vor allem eines: Werbung. Ein Kommentar.

«Bitte keine Werbung», heisst es auf einem Grossteil der Schweizer Briefkästen. Auf unseren Tablets und Smartphones installieren wir Ad-Blocker, um von Werbeanzeigen im Internet nicht beim Surfen gestört zu werden. Mit Hilfe der Replay-Funktion überspringen wir die Geissel des linearen Fernsehens, um zu den gewünschten Sendungen zu kommen.

Um die vermeintlich vor dem Aussterben bedrohten Läden in der St.Galler Innenstadt zu retten, setzt die Stadt jedoch genau auf jene, meist unerwünschte, Begleiterscheinung, die so viele aus ihrem Leben zu verbannen versuchen.

Der City Messenger, der Retter St.Gallens, wird als grosse Neuheit angepriesen. Im Gegensatz zu statischen Apps, die nur Inhalte aufbereiten, kommt er im Gewand einer interaktiven Chat-App daher, nicht unähnlich Whatsapp.

Die Geschäfte der Innenstadt beginnen darin quasi die Unterhaltung. Mit einer Anzeige, auf die ein angemeldeter Nutzer mit einer Chatnachricht reagieren kann. Die einfache Kommunikation steht dabei im Vordergrund.

Die Digitalisierung des Lädelibesuchs

Das Kleidergeschäft XYZ weist beispielsweise darauf hin, dass die neuen gefütterten Winterstiefel angekommen sind. Der potenzielle Kunde kann reagieren und direkt nachfragen, ob es die auch in Grösse 48 gibt. Der Anbieter liefert sogleich die Antwort und im besten Fall gleich noch ein Paar auf die Seite.

Durch den einfachen Zugang und die Kenntnis über Sonderangebote, Neuheiten, Empfehlungen oder Anlässe soll der Nutzer dazu motiviert werden, die Stadt zu besuchen. Und in ihr natürlich Geld auszugeben. Die Annahme: Die Leute wissen gar nicht, was es in der Stadt alles gibt.

Pushmeldung über Angebote

Dabei gibt es offenbar vor allem Konsumangebote. Ein gratis Dessert etwa, oder 25 Prozent Rabatt auf das teurere von zwei T-Shirts. Es sind bekannte Absatzförderungsstrategien, die im Mantel einer Chat-Nachricht mit Bild aufbereitet und per Pushnachricht an alle kaufwütigen Konsumenten rausgeschickt werden, die sich erst noch freiwillig dafür angemeldet haben.

Der City Messenger ist die neue Anzeigetafel für einen Hybrid aus Online- und Offline Shopping. Durch die Online-Präsentation von Offline-Angeboten soll der Flut an Werbung der Internet-Versandhändler Amazon oder Zalando Paroli geboten und die Lädeli gerettet werden.

Trotzdem: Der City Messenger will keine Werbeplattform sein. Zu divers sei das Informationsangebot. So gebe es zum Beispiel auch Tipps für Unternehmungen. Natürlich immer im Zeichen der lebendigen Stadt St.Gallen, natürlich meist kostenpflichtig.

Werbung 2.0

Was ist denn der durch einen Anbieter abgegebene «Tipp» für eine Unternehmung, eine Empfehlung der eigenen Biokosmetik oder die Präsentation eines Gewinnspiel-Anlasses im Casino, wenn nicht Werbung?

Es könnte Werbung 2.0 sein. Anstatt sie mühsam im Browser zu blockieren oder im Fernsehen zu überspringen, holen wir sie uns zur gezielten Dauerberieselung auf das eigene Smartphone.

Es ist das digitale Äquivalent zu einem Briefkastenkleber mit der Aufschrift: Immer her damit.