Schulhund Lucy: «Bei Prüfungen bringt sie mir die Lösung»

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Quelle: FM1Today

Die sechste Klasse von Simone Barner hat seit über einem Jahr einen Hund im Schulzimmer. Lucy gehört für die Kinder zum Schulalltag. Für die Schülerinnen und Schüler heisst das auch: Verantwortung übernehmen und Gassi gehen.

Es ist mucksmäuschenstill im Klassenzimmer, im alten Schulhaus der Primarschule in Oberuzwil. Die Kinder arbeiten konzentriert am Platz, die Schulhündin Lucy schläft in ihrem Körbchen. Sie bewegt sich kaum, als wir das Klassenzimmer betreten. «Wir hatten hier vorne schon einen Cajon-Kurs mit 20 Instrumenten und Lucy schlief einfach», sagt Simone Barner, die Primarlehrerin der Klasse.

Seit über einem Jahr hat sie eine neue Begleiterin: die Schulhündin Lucy. Sie ist eine Kreuzung zwischen dem liebenswürdigen Golden Retriever und dem lernfähigen Pudel. Perfekt für einen Schulhund, so Barner. Ausserdem verliert sie aufgrund ihrer Pudel-Gene keine Haare – optimal, falls es in der Klasse Allergikerinnen oder Allergiker gibt.

«Ich gehe jetzt lieber in die Schule»

Auch wenn Lucy während der Lektionen viel schläft – die Kinder geniessen die Anwesenheit der Hündin. «Ich finde es mega cool, dass Lucy bei uns ist. Wenn sie vorbeiläuft, kann ich sie streicheln», sagt die Sechstklässlerin Eva.

Besonders Freude haben die Schülerinnen und Schüler, wenn sie Hundedienst haben. Also Gassi gehen, Kunststücke üben, füttern. «Ich ging vorher gar nicht gerne in die Schule. Aber jetzt bekommen wir dank Lucy Verantwortung. Jetzt gehe ich viel lieber hin», sagt eine Schülerin.

Das fällt auch ihrer Lehrerin und der Besitzerin von Lucy auf. «Ich merke bei dieser Klasse, dass sie sich sozial anders entwickelt. Sie lernen, für ein Tier Verantwortung zu übernehmen. Und nicht nur für sich», sagt Barner. Ihr sei besonders wichtig, dass die Kinder heutzutage einen Kontrast zur digitalen Welt haben. «Am PC lernen sie keine Empathie. Aber mit einem Schulhund vielleicht schon.» Beeindruckend sei auch die Eigeninitiative der Schülerinnen und Schüler. «Sie bringen Lucy Kunststücke mit einer wahnsinnigen Geduld bei.»

Stressreduktion dank Streicheleinheiten

Wissenschaftliche Studien belegen, dass die Anwesenheit eines Schulhundes eine positive Wirkung auf die Kinder haben kann. Beispielsweise bei Streicheleinheiten mit Lucy wird Oxytocin ausgeschüttet, auch genannt das Kuschelhormon. Dieses reduziert unter anderem Stress.

«Bei Prüfungen bringt sie mir manchmal die Lösung», sagt Schüler Mika. Wir fragen nach – Spickzettel-Taxi? «Nein, wenn ich nicht weiter weiss, kommt Lucy. Dann kann ich sie streicheln und mir fällt die Lösung ein.»

Die Oberuzwilerin Barner hatte zuvor eine Zusatzausbildung, den CAS «Tiergestütze Interventionen», absolviert. Lucy ist erst anderthalb Jahre alt, daher könnte eine Ausbildung zur Schulhündin noch zusätzlich anstehen. Pflicht ist diese für Lehrpersonen in der Schweiz jedoch nicht. Der Verein Schulhunde Schweiz bietet Weiterbildungen für Lehrpersonen mit Hunden an.

Lucy gibt den Takt vor

Nach der «Zehni-Pause» muss die Hundegruppe mit Lucy an die frische Luft gehen. Auf der Fussballwiese zeigen die Kinder, was sie der Hündin schon beigebracht haben. Bei Fuss gehen, Fangen, Spielzeug zurückbringen. Sitz, Platz, Warten. Bis sich Lucy zu kratzen beginnt. «Jetzt hat sie Stress», sagt Barner. Die Kinder hören auf zu rennen, geben der Hündin Zeit. Körpersprache erkennen, auf andere achten. Das ist wohl die Empathie, die Barner im Gespräch vorhin gemeint hat.

veröffentlicht: 28. Mai 2021 05:33
aktualisiert: 28. Mai 2021 05:32