Samuel verlor Kampf gegen Krebs – seine Stofftiere helfen weiterhin Kindern

Christa Dürr und ihr Cousin Dominic Hehli mit ihren Helpis.
© HelpiS
Für Kinder ist die Zeit im Spital besonders schlimm. Ein Rheintaler Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, ihr Leid zu mindern und verschenkt dazu spezielle Stofftiere. Das soll so bleiben – auch wenn der junge Erfinder der Stofftiere mittlerweile verstorben ist.

Herzige Stofftiere, welche den Tropf am Infusionsständer vor Kinderaugen verstecken – gleichzeitig aber dem medizinischen Fachpersonal nicht im Weg sind. Die Idee zu den «Helpis» genannten Stofftieren kam Samuel Dürr, weil er selbst viel Zeit im Spital verbringen musste und er den Anblick der Infusion nicht mochte.

Vor bald drei Jahren erkrankte Samuel schwer an Krebs. Damals war er zwar schon 15 Jahre alt, doch die Stofftiere begeisterten ihn. Vor allem, weil er damit anderen jungen Menschen die Zeit im Spital erleichtern konnte. Bald darauf stand der ehrenamtliche Verein, der es sich zur Aufgabe machte, kranken Kindern Stofftiere zu schenken.

Nur Samuel können die Helpis nicht mehr helfen. Er hat den Kampf gegen den Krebs im April verloren. Er wurde 17 Jahre alt.

«Jetzt erst recht»

Die Stofftiere des Rheintaler Vereins sind bereits in Spitälern rund um den Globus zu sehen. Es gibt Löwen in Russland, Pinguine in Brasilien und Affen in Schweden. «Unser Verein konnte über 250 Helpis an Kinder im In- und Ausland spenden», sagt Christa Dürr, Präsidentin des Vereins und Mutter des verstorbenen Samuel.

Sie betreibt den Verein zusammen mit ihrem Cousin und ihrer Mutter. Der Tod ihres Sohnes sei zwar schrecklich, aber mit dem Verein als Vermächtnis habe sie einen positiven Weg gefunden, damit umzugehen. «Wir haben uns gesagt: Jetzt erst recht. Denn es gibt jeden Tag Kinder, die ins Spital müssen und Hilfe brauchen», sagt Christa Dürr.

Kein Weihnachtsgeschäft

Eine Verpflichtung oder Druck mit dem Verein weiterzumachen, fühle sie nicht. «Es macht uns einfach Freude, diese gute Aufgabe weiterzuführen. Und das ist so auch im Sinn von Samuel», sagt Dürr.

Für wohltätige Vereine etwas untypisch, spüren sie beim Verein Helpis den nahenden Heiligabend nicht, und das sei auch in Ordnung so. «Wir betreiben kein Weihnachtsgeschäft und wollen das auch nicht ausnutzen, um die Kassen des Vereins zu füllen», sagt Dürr.

Trotzdem seien sie natürlich froh um jede Stofftier-Patenschaft, damit sie weitere Kinder beschenken könnten. Denn die Helpis machen laut Christa Dürr einen grossen Unterschied im Spital.

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Quelle: FM1Today

«Die Kinder fühlen sich ernst genommen»

Da Pflegepersonal leistet grossartiges, das war auch vor der Pandemie schon so. Trotzdem kann die Spitalumgebung trist wirken, ganz besonders in den Augen eines Kindes. «Das Stofftier ist darin ein froher Farbtupfer, etwas, das nur dem Kind gehört», sagt Dürr.

Die Kinder könnten sich für eines der Tiere entscheiden und fühlten sich dadurch ernst genommen. «Das Tier hilft auch dem Personal. Man kann die Kinder zum Beispiel nach dem Tier fragen, und ob es denn schon einen Namen habe. Das hilft, um das Eis zu brechen», sagt die Präsidentin. Die Kinder können das Helpis-Stofftier auch beim Stationswechsel oder bei einer Sprechstunde mitnehmen.

Stofftiere aus Leidenschaft

Für die Vereinsmitglieder sind die Stofftiere längst viel mehr als nur ein Hobby: «Beim Versenden der Pakete werden wir zum Beispiel auf der Post erkannt. Die Rückmeldungen sind durchwegs positiv.»

Den Verein im Gedenken an Samuel weiterzuführen und Gutes zu tun, erfüllt die drei nahen Verwandten. «Wenn wir uns treffen, dann geht es über kurz oder lang immer um den Verein», sagt Dürr.

Das Engagement ermögliche ihnen, trotz des Verlusts positiv in die Zukunft zu gehen, sagt Christa Dürr: «Ich wünsche mir oftmals sehr, dass Samuel einfach wieder da wäre. Und manchmal weiss ich nicht, wo oben und unten ist. Aber wir werden uns irgendwann wiedersehen – bis dahin harren wir aus und pflegen diese schöne Idee von Samuel.»

veröffentlicht: 24. Dezember 2021 06:03
aktualisiert: 24. Dezember 2021 06:03