Rennfahrer nach Sieg: «Habe den Nuggi der Tochter im Cockpit»

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Quelle: FM1Today/Marija Lepir

Ein Wochenende voller Sonnenschein, lauten Motoren und Rekorden. Und zwar nicht nur auf der Rennstrecke. Das Bergrennen Hemberg war ein voller Erfolg – auch für den Regensdorfer Fahrer Marco Geering, dessen spektakuläre Trainingsfahrt auf FM1Today zu sehen ist.

Nach drei Jahren Zwangspause verwandelte sich das beschauliche Toggenburger Dorf Hemberg endlich wieder zur Rennstrecke. Die Boliden bretterten bei schönstem Wetter über die teilweise neu asphaltierte Strecke. Beste Bedingungen also, die Stimmung war entsprechend ausgelassen.

Tausende Zuschauer waren anwesend, und ihre Helden haben geliefert. Unter anderem wurde ein neuer Streckenrekord aufgestellt, dazu gab es etwa 200 Renn- und Showfahrzeuge zu sehen.

Marco Geering gewinnt erneut

Ein wunderbares Wochenende war es auch für Marco Geering, der seine spektakuläre Trainingsfahrt bestätigen – und den Sieg einheimsen konnte. Und das, obwohl er dieses Jahr zum ersten Mal in einer höheren Kategorie fuhr.

«Das hat mich überrascht. Einen Podestplatz habe ich für realistisch gehalten, der direkte Sieg ist natürlich toll». Zuvor hatte das Rennen schon in tieferen Kategorien gewinnen können.

Umso mehr, weil es sich bei dieser Kategorie um die wohl am härtesten umkämpfte handelt. «Die Fahrer in dieser Kategorie sorgen oft für die höchsten Geschwindigkeiten und es gibt die geringsten Abstände zwischen den Zeiten», sagt der 31-Jährige.

«Kann mich noch verbessern»

Mit seiner eigenen Leistung sei er zufrieden, wenn auch nicht ganz: «Ich habe sehr hohe Ansprüche an mich selbst und kann mich im Detail immer noch ein wenig verbessern.»

Trotzdem sei es ein wunderbares Wochenende gewesen. «Die Bedingungen waren absolut perfekt. Und man hat gemerkt, wie sich die ganze Region auf das Bergrennen Hemberg gefreut hat. Das so viele Leute kommen, hätte ich nicht gedacht», sagt der frischgebackene Hemberg-Champ.

Tatsächlich verzeichneten die Veranstalter am Samstag einen neuen Besucherrekord – rund 8000 Leute kamen nach Hemberg, das keine tausend Einwohner hat.

Den Nuggi der Tochter im Cockpit

Um so eine Leistung abzurufen, muss einfach alles stimmen, sagt der Hobbyrennfahrer: «Beim Auto hat technisch alles gepasst und mental war ich voll da.» Dennoch verlässt sich Geering nicht nur auf harte Faktoren. Auch ein Glücksbringer war mit von der Partie.

«Mit ihm Cockpit habe ich auch den ersten Nuggi meiner Tochter», sagt der junge Vater. Ein wenig Aberglaube muss sein. Bei den Profis gibt es ein Sprichwort: Pro Kind wird man eine Sekunde langsamer.

Bei Amateur Geering scheint das nicht zuzutreffen – stellenweise mit über 200 Kilometern pro Stunde raste er durch Hemberg und konnte am Ende gerade eine Sekunde Vorsprung auf den Zweitplatzierten herausfahren.

Leichte Hemberg-Rakete

Das liegt auch daran, dass Geering sein Auto sehr gut kennt. Er fährt seit Jahren damit, weiss genau, wo das Limit ist. Und das, obwohl er im Vergleich mit den meisten anderen auf veraltete Technik setzt.

«Die meisten Fahrer vertrauen zum Beispiel auf ein sequentielles Getriebe, wo man zum Schalten nur noch ziehen und drücken muss – oder direkt am Lenkrad schalten kann», sagt Geering. Er jedoch hat eine normale Gangschaltung.

Dafür ist es bis aufs nötigste abgespeckt. Das Auto mag von aussen schick wirken, innen jedoch wurde alles herausgerissen, was nicht zur Fortbewegung nötig ist. Gerade mal 800 Kilo wiegt sein Opel Kadett C GTE noch. Darin versteckt die Hemberg-Rakete einen 2-Liter Motor und fast 300 PS.

Kein günstiges Hobby

Unter der Woche ist Geering kein Rennfahrer, sondern Familienvater und arbeitet als Informatiker. Das mit den Autos sei ein reines Hobby – und nicht unbedingt ein günstiges. «Eine Saison Fussballspielen ist auf jeden Fall günstiger», sagt Geering, «aber wenn sich der Materialverschleiss in Grenzen hält, ist es nicht so exorbitant teuer, wie alle meinen.»

Er habe einige kleinere Sponsoren, um die er sehr froh sei. Für seine Leidenschaft legt er trotzdem drauf und muss sein eigenes Geld investieren. Und das, obwohl er nicht jedes Rennen im Kalender fährt, sondern nur sieben oder acht pro Saison.

Das nächste findet Mitte Juli im Wallis statt. Wie im Hemberg wird es auch dort ein Bergrennen geben – und auch in Anzère wird Geering wieder versuchen, die Bestzeit anzugreifen.

veröffentlicht: 13. Juni 2022 20:14
aktualisiert: 13. Juni 2022 22:15