Neue St.Galler Werbe-App will Innenstadt beleben

Das Logo des St.Galler City Messengers.
© FHS St.Gallen
Die Stadt St.Gallen präsentiert am 23. Oktober eine neue Messenger-App. Diese soll den Kontakt zwischen Betrieben und Kunden vereinfachen und gleichzeitig die Innenstadt beleben. Die Abgrenzung zur reinen Werbeplattform ist schwierig.

Ein Bäcker hat kurz vor Ladenschluss noch viele Gipfeli übrig und möchte diese zum halben Preis weggeben. Doch wie erfahren das die St.Galler? Neu soll das über die City-Messenger-App möglich sein, die am Mittwoch veröffentlicht wurde.

Die App entstand in einer Zusammenarbeit der Fachhochschule, der Standortförderung der Stadt, Pro City St.Gallen, wurde von Innosuisse gefördert und von der Renuo AG programmiert.

Als Messenger erinnert sie in den Grundzügen an Whatsapp, allerdings sind keine gegenseitigen Kontaktdaten nötig. Anbieter und Kunden registrieren sich auf der Plattform, um miteinander in Kontakt treten zu können. Die Betriebe können dabei die einzelnen Kunden nicht sehen, sondern senden Ihre Anzeigen (siehe Bäcker) an alle Nutzer.

Wenn die Empfänger Fragen haben, oder sich zum Beispiel ein Gipfeli reservieren lassen möchten, können sie einseitig einen Chat beginnen. Damit soll in der Stadt ein dichtes Informationsnetzwerk entstehen, dem Lädelisterben entgegengewirkt und erst noch die Innenstadt belebt werden.

«Es ist keine Werbeplattform»

Der Fokus bei der Entwicklung lag bei einer einfachen Anwendung für den Benutzer. Dies ist sicherlich geglückt. Der Download und die Registrierung dauert nicht lange und ist selbst erklärend.

In der Applikation selbst findet man nach Kategorien aufgeschlüsselt die verschiedenen Interessensbereiche «Aktionen» (Vergünstigungen), «Neuheiten» (Neue Angebote der vom Aussterben bedrohten Lädeli), «Empfehlungen» (Produkt- oder Veranstaltungsempfehlungen der Anbieter selbst), «Anlässe» (Jubiläen, besondere Events). Wahlweise können auch Push-Benachrichtigungen aktiviert werden.

In der Praxis sieht das am Launch-Tag so aus:

City Messenger Übersicht
© FM1Today

Auf den ersten Blick ist zwischen den Kategorien kaum ein Unterschied erkennbar. Das Tibits lockt mit einem Gratis-Dessert, Juwelier Frischknecht präsentiert «eine absolute Neuheit», Käsefachmann Kündig empfiehlt das eigene Fondue und im Casino gibt es etwas zu gewinnen.

Vom Begriff Werbeplattform will die Projektleiterin Sigrid Hofer-Fischer nichts wissen: «So sehe ich das nicht. Es gibt ja auch ganz klar die Rubrik Empfehlungen, wo man zum Beispiel Insidertipps gibt. Tourismus St.Gallen hat in der Testphase zum Beispiel Infos zu einer Stadtführung gegeben. Das ist keine Werbung, sondern man sieht, was die Stadt einem bietet.»

Es würde sich sogar grösstenteils nicht um Werbung handeln. Neben den Empfehlungen gebe es ja auch die Anlässe, wo man über Jubiläen oder besondere Events informiert werde.

Die Belebung der Innenstadt

Ebenfalls hervorgehoben wurde die einfache Kommunikation mit den St.Galler Betrieben. Die Anzeige, Empfehlung oder ähnliches kann angeklickt und daraufhin eine Unterhaltung mit dem Dienstleister gestartet werden. Zum Beispiel eine Terminreservation oder eine Rückfrage zu einer Aktion.

Der grosse Vorteil: Kunden müssen sich nicht an Ladenöffnungszeiten halten und können lange Wartezeiten umgehen. Zumindest für das Stellen der Anfrage, der Anbieter muss die schriftliche Chat-Anfrage ja noch beantworten, was erst wieder zu Ladenöffnungszeiten geschieht.

Neben dem Lädelisterben ist es der Herausgeber-Kooperation auch wichtig, mehr Leben in die Innenstadt zu bringen. Angelockt werden soll das Leben – oder die Leute, die es bringen – offenbar durch eine Vielzahl von Angeboten.

«Es geht nicht grundsätzlich darum, mehr zu verkaufen», dementiert Samuel Zuberbühler, Leiter der Standortförderung St.Gallen. «Es geht darum, mehr Frequenz in die Innenstadt zu bringen. Sie soll wieder ein sozialer Treffpunkt werden. Natürlich gehört shoppen auch dazu.»

Die Geschäfte haben freie Hand

Der City Messenger kann im Apple- oder Play Store heruntergeladen werden und geht mit 30 St.Galler Betrieben an den Start. Nach und nach sollen mehr Geschäfte dazu kommen. Einziges Aufnahmekriterium: Das Geschäft muss in der Innenstadt sein.

Eine Moderation findet nicht statt. Der Fokus liegt klar auf der Geschwindigkeit der Kommunikation. So ist es für die Betriebe theoretisch möglich, mehrere Anzeigen nacheinander zu schalten – ob das nun zielführend ist oder nicht. Hierbei wird auf die Selbstregulierung gesetzt.

Die Gratwanderung zwischen einer Plattform mit nützlichen Insidertipps und einer digitalen Werbekanone ist ein schwieriges Unterfangen. Auch wenn das Tool gut ist und Vorteile bietet, entscheiden am Ende die Nutzer über den Inhalt des City Messengers. Und der erscheint zumindest zum Start unausgeglichen.

(thc)