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Lerchenfeld St.Gallen: Keine Duschen in Frauen-Garderobe – das sagt die Stadt

«Nicht haltbar» – Ärger wegen fehlender Duschen in Frauen-Garderobe

Im Lerchenfeld soll es bald auch Duschen in der Frauenumkleide geben. (Archivbild)
© St.Galler Tagblatt/Andri Vöhringer
Frauen können in der Badi Lerchenfeld nicht in der Garderobe duschen. Das sorgt bei einigen St.Gallerinnen für Empörung – und auch bei der Bildungskommission. Nun soll aber gehandelt werden, wie die Stadt versichert.

Regelmässige Besucherinnen der St.Galler Badi Lerchenfeld kennen das Prozedere vielleicht bereits. Wenn sie duschen wollen, müssen sie an der Kasse den Schlüssel für die Schiedsrichtergarderobe beim Eisfeld abholen, um dort das warme Nass zu geniessen. Männer hingegen haben eine Dusche in der ihnen zugewiesenen Garderobe.

Diesen Umstand kritisieren nun einige St.Gallerinnen in einem Bevölkerungsvorstoss zu Handen der Bildungskommission. Eva Crottogini, SP-Stadtparlamentarierin und Präsidentin der Bildungskommission, pflichtet den Kritikerinnen bei: «Dieser Umstand ist im Jahr 2024 nicht mehr haltbar.»

Keine Missgunst, sondern Fehlplanung

Doch warum ist dies überhaupt so? Der Grund dafür liegt bereits über 20 Jahre zurück. Bei der Sanierung hatte man die Duschen nicht auf dem Plan. Heute würde man dies definitiv anders planen. «Seit 2005 arrangieren wir uns damit», erklärt der Betriebsleiter Dominique Conde. Man versuche, die Synergien mit der Eishalle so gut es geht zu nutzen. Die Garderobenverteilung wurde damals mit einer bestimmten Überlegung getroffen.

Die Männergarderobe hat eine Dusche, ist aber wesentlich kleiner als die Damengarderobe.

© FM1Today/Marian Märki

Das Lerchenfeld wird im Sommer als Badi und im Winter als Eissportzentrum genutzt. Die Garderoben werden sowohl dür den Sommer- wie auch Winterbetrieb genutzt. Die Männergarderobe ist eigentlich die Garderobe des Eisclubs. Der Verein bestimmte bei der Planung mit – und wünschte sich eine Dusche.

Die Frauengarderobe ist im Winter die öffentliche Garderobe, in der man die Schlittschuhe anzieht. Dies, weil diese geräumiger sei und auch über Einzel-Umkleidekabinen verfüge. «Frauen kommen öfters mit Kindern und benötigen dementsprechend mehr Platz», erklärt Conde. Zudem bestehe nicht unbedingt eine grosse Nachfrage: «Seit 2005 habe ich zwei Reklamationen erhalten», sagt Conde. Zudem zeige man sich auch gesprächsbereit. «In der Eishalle haben wir zusätzliche Duschen, die wir beispielsweise am Openair-Wochenende freigegeben», sagt Conde.

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Vor allem das Argument, dass Frauen wegen der Kinder – und vor allem der Kinderwagen – mehr Platz benötigen würden, stösst Crottogini sauer auf. «In der heutigen Zeit kommen auch Männer mit Kindern», sagt sie. Vielen Frauen sei zudem überhaupt nicht bewusst, dass es für sie Duschen in der Schiri-Kabine gibt, vermutet Crottogini. Es müsse dringend gehandelt werden.

Projekt bereits in Planung

Roland Hofer, Abteilungsleiter Infrastruktur der Direktion Bildung und Freizeit, betont gegenüber FM1Today, dass man den Unmut nachvollziehen könne, und man auch bereits handle. «Ein Projekt ist bereits in Bearbeitung und soll – vorbehältlich der Budgetgenehmigung durch das Stadtparlament – bis zum Badisaisonstart im Sommer 2025 fertiggestellt sein», erklärt Hofer. Konkret geht es darum, dass in der aktuellen Garderobe für den öffentlichen Eislauf zusätzlich eine für alle Frauen und Mädchen zugängliche Garderobe mit Dusche errichtet werden soll.

In der jetzigen Frauengarderobe, die im Winter die öffentliche Eisfeld-Umkleide ist, werden im hinteren Teil Duschen erstellt.

© FM1Today/Marian Märki

Doch warum konnte das Projekt nicht früher umgesetzt werden? Der Vorstoss wurde bereits im vergangenen Jahr eingereicht. Auch dafür hat Hofer eine logische Erklärung: «Die Bildungskommission des Stadtparlamentes hat im April 2024 einen Augenschein genommen, der für den Einbau der geplanten Garderobe/Dusche erforderliche Kredit ist noch nicht gesprochen.» Zu den Kosten kann Hofer noch keine Angaben machen. Hofer betont allerdings mehrmals, dass es immer eine Duschmöglichkeit für Frauen im Lerchenfeld gegeben habe. Er räumt aber ein, dass diese nicht so niederschwellig sind wie bei den Männern.

Vorstoss wurde nicht eingereicht

Das Projekt wurde der Bildungskommission auch bereits bei einem Rundgang durchs Lerchenfeld vorgestellt. Aus diesem Grund verzichtete die Kommission auch auf einen Vorstoss. «Wir haben das Vertrauen in den Stadtrat, dass er die Dringlichkeit erkennt und die Massnahmen umsetzt», erläutert Crottogini. Auf die Frage, ob noch ein Vorstoss eingereicht werde, falls die Massnahmen nicht kommen, antwortet sie deutlich: «Darüber mache ich mir keine Gedanken. Die Duschen werden zur Badisaison 2025 dort sein. Punkt!»

Übrigens: Die Garderoben haben nichts mit der Nutzung des Freibades als Hallenbad zu tun. Das Traglufthallen-Provisorium, welches für den Sanierungszeitraum für das Hallenbad Blumenwies errichtet wird, erhält nämlich separate Container-Kabinen – samt Duschen.

veröffentlicht: 3. Juni 2024 06:00
aktualisiert: 3. Juni 2024 06:00
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