«Jetzt habe ich Blut geleckt» – St.Galler Schreiner holt internationalen Design-Preis

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Quelle: FM1Today

Seit einigen Jahren stellt Remo Hämmerle aus St.Gallen aus alten Weinfässern Möbel her. Die spezielle Idee fand in der Region schnell Anklang. Jetzt ist der gelernte Möbelschreiner auch international bekannt. Ein Tisch aus seiner Werkstatt hat einen Design-Award gewonnen.

«Wir haben fast zwei Wochen lang gefeiert», sagt Remo Hämmerle in seiner Werkstatt in Goldach und lacht. Das mag nicht ganz ernst gemeint sein, nichtsdestotrotz ist die Freude dem 33-Jährigen ins Gesicht geschrieben. Mit seinem Tisch «Maximus» gewann Hämmerle eben den internationalen «SIT Furniture Design Award» für das Jahr 2020.

Internationaler Design-Award aus Los Angeles

Die Jury mit Sitz in Los Angeles war von der Arbeit des jungen St.Gallers überwältigt. Trotzdem bleibt Hämmerle bescheiden: «Es ist noch ein ziemlich junger Award, aber er bedeutet mir sehr viel.» Es sei eine Art Anerkennung von Leuten aus der Branche, die Ahnung von Design haben. «Das bestätigt mich, meine Arbeit, meine Kreationen. Es macht Lust auf mehr. Jetzt habe ich Blut geleckt.»

Der prämierte Tisch aus Goldach.

© fasswerk.ch

Man nehme: Alte Weinfässer

Das prämierte Produkt besteht, wie praktisch alles aus dem Hause «Fasswerk Hämmerle», aus Dauben von alten Weinfässern. Die Idee dazu hatte überdies nicht einmal er selber, sondern seine Lebens- und Geschäftspartnerin Nadine Ledergerber im Jahr 2013: «Wir sassen in ihrem Garten und auf einmal sagte sie: ‹Es wäre doch voll geil, wenn man in so ein Fass eine Schublade oder irgendetwas reinbauen würde›».

Remo Hämmerle und Nadine Ledergerber. Nicht nur im Privaten ein Paar, sondern auch Geschäftspartner.

© fasswerk.ch

«Die ersten drei Versuche gingen so richtig in die Hose»

Prompt bestellte sich Hämmerle im Internet drei Fässer und probierte die verrückte Idee aus. Die Ernüchterung kam allerdings schnell und er merkte: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. «Die ersten drei Versuche gingen so richtig in die Hose, die waren echt scheisse.» Viele hätten hier wohl aufgegeben, nicht so der Rotmöntler: «Mich hat es einfach nicht mehr losgelassen, ich wollte es weiterentwickeln, weil ich wusste, dass so etwas Potenzial hat.»

Dieses Fass heisst «Martha». Es ist eines von vier verschiedenen Fässern «ab Stange».

© fasswerk.ch

Mittlerweile kann Hämmerle vom Verkauf seiner modifizierten Fässer leben. Er verkauft sie als Stauraum für Spirituosen und hat auch schon ein Weinfass zu einem Humidor für Zigarren und anderen Tabakprodukten umgebaut. Ausserdem stellt er individuell zusammengestellte Fässer für seine Kunden her.

«Es brennt unter den Fingernägeln»

Hämmerle hat nicht nur Blut geleckt, er steckt auch viel Herzblut in seine Arbeit. Doch bei seiner «Büez» als selbständiger Unternehmer musste er auch schon richtiges Blut vergiessen: «Kleinere Schnitte und Verletzungen gehören in diesem Job zum Berufsrisiko. Doch kürzlich ist wirklich etwas Gröberes passiert.» Bei der Arbeit mit einem Stechbeitel rutschte Hämmerle ab und stach sich damit in die Hand. Es folgten eine Operation und wochenlanges Warten und Däumchendrehen.

Für Hämmerle ist das das Schlimmste: «Es brennt unter den Fingernägeln. Man will seine Ideen und Kreationen weiterentwickeln und weiterbringen. Da ist ein wochenlanger Knock-out einfach ein Seich.» Ein Glück also, dass er – nicht wie andere Schreiner – noch Fingernägel hat.

veröffentlicht: 8. Mai 2021 09:26
aktualisiert: 8. Mai 2021 09:26