Flugzeug vor Staad: «Die Bergung des Wracks ist nicht notwendig»

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Quelle: CH Media Video Unit / TVO

Nach der missglückten Bergungsaktion des abgestürzten Kleinflugzeugs vor Staad wurde es still um die versenkte Piper. Aus Sicht der Sust wäre eine Bergung gar nicht mehr zwingend notwendig. Herausgeholt werden soll die Maschine dennoch.

Spezialisten aus der ganzen Schweiz standen bereit oder schwammen im Wasser, die Feuerwehr zog grosse Ölsperren auf und der rote Kran des deutschen Bergungsschiffs ragte stundenlang verheissungsvoll aus dessen Heck.

Am Ende wurde nichts aus der geplanten, spektakulären Bergungsaktion des abgestürzten Kleinflugzeugs vor Staad. Es gab Komplikationen, die vor allem mit der Tiefe des gesunkenen Wracks zusammenhingen. Dieses befindet sich rund 84 Meter unter der Wasseroberfläche. Eine Tiefe, die auch für erfahrene Polizeitaucher eine Herausforderung darstellt und grösster Vorsicht bedarf.

Die Bergung verzögerte sich am Ende so lange, dass die Aktion aus Sicht- und Sicherheitsgründen abgebrochen werden musste. Das war vor einem Monat, seit da ist es still geworden um den Sechssitzer in der Tiefe.

Bergung nicht notwendig

Eine lange Zeit, wenn man den ersten Bergungsversuch als Vergleich heranzieht. Der erfolgte eine Woche nach dem Absturz. Von einem Schnellschuss will Hanspeter Krüsi, Leiter Kommunikation der Kantonspolizei St.Gallen, jedoch nichts wissen: «Die Bedingungen an diesem Tag waren perfekt. Am Ende hat es nicht geklappt, doch wir konnten sehr viele Erkenntnisse gewinnen. Solch eine Bergungsaktion ist kein Routineeinsatz.»

Hinzu kommt, dass nun kein extremer Zeitdruck mehr herrscht. Es geht lediglich um die Bergung von Material – und dieses ist für die Rekonstruktion des Unfallhergangs nicht mehr notwendig. Der Bergungsversuch wurde im Auftrag der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) durchgeführt, deren Auftrag ist unter anderem die Analyse des Absturzes.

«Durch die Auswertung von Funksprüchen, Radardaten, Piloten- und Zeugenaussagen haben wir genügend Informationen zusammen», sagt Martin Pohl, Untersuchungsleiter der Sust. «Aus unserer Sicht ist die Bergung des Wracks nicht notwendig.»

Dies auch gemessen an den Kosten, die eine solche Flugzeugbergung verursacht. «Wir mussten deswegen auch etwas die Handbremse ziehen», sagt Pohl. «Die Kosten für das Schiff und den Kran allein sind im mittleren fünfstelligen Bereich, alles in allem wird so eine Bergung auch schnell sechsstellig.»

Es wird einen zweiten Versuch geben

Dass die Maschine aus dem See geholt wird, ist jedoch bereits entschieden. Das Baudepartement des Kantons St.Gallen hat sich auf eine Bergung festgelegt. «Das Flugzeug im Bodensee zu lassen, ist keine Option», sagt Marco Paganoni, Kommunikationsmitarbeiter im Baudepartement, zu welchem das Amt für Umwelt und das Amt für Wasser und Energie gehören.

Wegen der Kosten oder aus anderen Gründen eine Schädigung der Umwelt in Kauf zu nehmen, sei nicht tolerierbar. «Im Flugzeug befinden sich nach wie vor Treibstoff und andere Substanzen, die früher oder später austreten und das Wasser verschmutzen. Das Flugzeug drin zu lassen, widerspricht der Haltung des Baudepartements und wäre ein verheerendes Signal gegen den Schutz der Umwelt», sagt Paganoni.

Eine Haltung, die auch die Sust unterstützt. Denn auch wenn die Bergung des Flugzeugs aus analytischer Sicht kaum mehr eine Rolle spiele, sei diese aus Umweltschutzgründen sinnvoll, sagt Pohl: «Wir werden uns auch am zweiten Bergungsversuch beteiligen. Allerdings tauschen wir die Rollen mit der Kantonspolizei. Die Führung liegt jetzt bei ihnen, die Polizei gibt uns den Auftrag.»

Frühestens Mitte April

Eine Beteilung der Sust ist sinnvoll, da ihre Spezialisten das nötige Fachwissen mitbringen – nicht nur für die Bergung, sondern auch für die Demontage und den Transport des Flugzeugwracks.

Die Vorbereitungen für den zweiten Einsatz laufen derzeit. Es sollen auch die Erkenntnisse aus dem ersten Versuch eingebracht werden. «Wir haben eine genauere Vorstellung», sagt Hanspeter Krüsi von der St.Galler Kapo. «Allenfalls teilen wir die Aktion diesmal über mehrere Tage auf und bringen zuerst die Hebegurten am Flugzeug an. Die Bergung könnte dann an einem anderen Tag stattfinden.»

Es gebe jedoch viele Faktoren zu berücksichtigen. Die Spezialisten aus der ganzen Schweiz müssen zur Verfügung stehen, das Bergungsschiff aus Deutschland, dazu braucht es den Segen der Behörden – schliesslich handelt es sich ab einer Tiefe von 25 Metern um internationale Gewässer. Und dann gibt es noch massgebende Faktoren, die man gar nicht beeinflussen kann – namentlich Sicht und Wetter.

«Ich halte Mitte April für einen realistischen Zeitraum», sagt Martin Pohl von der Sust. Bei einer Verzögerung um ein paar Tage wird man sich beim nächsten Versuch aber wohl keine Gedanken mehr machen.

Auch wenn alle Befragten betont nicht vom «nächsten Versuch», sondern von der effektiven Bergung sprechen wollen.