Fans in St.Gallen: «Wir sind so stolz auf die Nati!»

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Quelle: TVO/FM1Today

Erneut bot die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft ein tolles Spiel – und ein Wechselbad der Gefühle für die Fans. Am Ende hat es nicht ganz gereicht, in der Stadt St.Gallen war die Stimmung während und nach dem Viertelfinal trotzdem grossartig.

Während die Zuschauerinnen und Zuschauer vor der einen Bar noch angespannt auf den letzten Penalty von Mikel Oyarzabal warten, kommen von einer anderen schon die enttäuschten «Nein!»-Rufe. Die Übertragung war dort etwas schneller, die Fans wissen deshalb schon, was sie erwartet: Oyarzabal verwandelt und schickt die Schweiz nach Hause.

Dieses Spiel bot alles

Die Fans in der St.Galler Innenstadt sind geschockt. Der Viertelfinal gegen Spanien hat ihnen alles abverlangt: Der frühe Rückstand gegen eigentlich harmlose Spanier liess sie kurz verzagen, der tolle Treffer von Shaqiri jubeln.

Bis dahin war die Stimmung in der Stadt durchaus etwas verhalten, danach war davon allerdings nichts mehr zu spüren. Die St.Gallerinnen und St.Galler schrien die Schweizer Nati nach dem Ausgleich nach vorne, als wären sie selbst im Stadion.

Und dann kam sie, die superharte rote Karte gegen Remo Freuler. Im ersten Moment kollektive Verzweiflung, doch die Fans reagierten genau gleich wie die Schweizer Fussballer: Eine trotzige Jetzt-erst-recht-Mentalität stellte sich ein, jede gelungene Abwehraktion, insbesondere jene von Yann Sommer, wurde frenetisch bejubelt.

Fans der Schweizer Nati bei der St.Galler Südbar
© FM1Today

Tolle Stimmung beim Elfmeterschiessen

Sommer war für die Fans definitiv der Held des Abends. Die Schweizer mussten viele Kilometer gehen und viele Minuten überstehen, um es in die Verlängerung und anschliessend ins Elfmeterschiessen zu schaffen. Doch am Ende war es Sommer, der die vielen Gelegenheiten der Spanier zunichte machte – immer wieder wurde sein Name gesungen und in den St.Galler Abendhimmel skandiert.

Vielleicht war die Stimmung beim Elfmeterschiessen fast zu gut. Der Erfolg gegen Frankreich hatte die Fans womöglich schon etwas selbstgefällig gemacht. Dazu war Yann Sommer warmgeschossen, da er schon so viele Bälle halten musste. Spaniens Goalie Unai Simon dagegen musste kaum einen Schuss parieren.

Privatautos, Taxis und sogar Linienbusse fuhren durch die Innenstadt und hupten in freudiger Erwartung des möglichen Halbfinaleinzugs. Als Sergio Busquets den ersten Penalty dann auch noch an den Pfosten setzte, baute sich eine unglaubliche Lärmkulisse auf, die Bierdusche gab es gratis – doch dann kam der tiefe Fall.

Die Schweizer vergaben mehrere Elfmeter kläglich. Und dann, als Mikel Oyarzabal anlief, und es die einen schon wussten und die anderen hörten, wurde es ganz, ganz leise – aber nicht lange.

Faire Verlierer

Denn die Schweizer Fussballnati hatte Unglaubliches geleistet. Das wurde den vielen Fans Sekunden nach dem Ausscheiden aus der Europameisterschaft klar, und deswegen wurde sie auch lautstark gefeiert. Die Ostschweizerinnen und Ostschweizer klatschten und sangen, zeigten sich als faire Verlierer und feierten die Schweizer EM-Helden.

«Wir sind so stolz auf die Nati!», sagen zwei junge Frauen. Ähnlich klingt es von einer Gruppe Männer in Fanmontur: «Das haben sie so toll gemacht, schade, hat es nicht gereicht.» Von Frust, etwa wegen der roten Karte gegen Freuler, ist kaum etwas zu spüren.

Die Nati hat es zwar nicht geschafft, sich ins Halbfinale zu spielen – aber den Weg in viele Herzen haben die Spieler gefunden.

veröffentlicht: 2. Juli 2021 22:24
aktualisiert: 3. Juli 2021 06:49