«Falsche» Handbremse: Wenn eine Lernfahrt in einer Anzeige endet

Wer das Autofahrern erlernt, muss vieles beachten. (Symbolbild)
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Begleitete Lernfahrten sind an sich schon stressig. Aber nicht nur beim Fahren gilt es einiges zu beachten – auch bei der Auswahl des Fahrzeugs. Gerade bei der Handbremse: Neuere Fahrzeuge sind wegen der Position der Handbremse oftmals ungeeignet.

Wenn man als Lernfahrerin oder Lernfahrer beginnt, mit einer Begleitperson zu fahren, hat man meist schon ein paar Fahrstunden in der Tasche. Man ist erpicht zu zeigen, was man in der Fahrschule gelernt hat und gleichzeitig aufgeregt. Das Auto ist anders als in der Fahrschule, der Motor «ersäuft» vielleicht öfter, die Person auf dem Beifahrersitz hat nicht so viele Möglichkeiten, um im Notfall einzugreifen.

Der Druck liegt eher beim Fahrschüler. Könnte man zumindest meinen – aber auch auf den Beifahrer kommt einiges zu. Dies bereits bei der Vorbereitung der Fahrt, begonnen mit der Auswahl des Fahrzeugs. Einige Autos sind dazu nicht nur nicht geeignet, sondern schlicht nicht zulässig.

Stadtpolizei erstattet drei Anzeigen

In St.Gallen sind am Sonntag gleich drei unzulässige Gespanne aufgefallen. Deren Autos waren für eine Lernfahrt nicht geeignet. Dies wegen der Handbremsen. «Bei der Kontrolle stellten die Einsatzkräfte fest, dass bei allen Fahrzeugen die Handbremse nicht vom Beifahrer erreicht werden konnte», schreibt die Stadtpolizei.

In der Folge mussten Lern- und Beifahrer die Plätze tauschen und die Fahrt so fortsetzen. In allen drei Fällen wurden sowohl Lenker als auch Begleitperson angezeigt – wegen «Ausführen einer Lernfahrt mit einem dazu nicht eingerichteten Fahrzeug» und «Erteilen von Fahrunterricht mit einem dazu nicht eingerichteten Fahrzeug».

Betroffen sind vor allem neuere Fahrzeuge, wo sich die Handbremse nicht in der Mitte befindet – sondern nur noch als Knopf auf der Fahrerseite verbaut ist. Darüber hinaus gibt es bei diesen automatischen Handbremsen auch solche, die während der Fahrt nicht reagieren. Auch das ist nicht zulässig. Es ist in der Regel jedoch nicht so, dass Autofahrer diese Verstösse bewusst in Kauf nähmen.

«In der Regel ist es Unwissenheit. Trotzdem haben wir bei den Anzeigen keinen Spielraum – hier geht es um die Sicherheit im Strassenverkehr», sagt Roman Kohler, Mediensprecher St.Galler Stadtpolizei.

Busse von 300 Franken

Den Umfang der Bussen zeigt die St.Galler Staatsanwaltschaft auf. Dabei könnten Lern- und Begleitfahrer gegen folgende Gesetze und Verordnungen verstossen.

«Die Busse bemisst sich nach den Umständen des Einzelfalles, namentlich nach dem Verschulden der beschuldigten Person und ihren persönlichen Verhältnissen. Der Bussenansatz der Richtlinien der Staatsanwaltschaft des Kantons St.Gallen beträgt 300 Franken», schreibt Beatrice Giger, Medienverantwortliche der St.Galler Staatsanwaltschaft.

St.Galler Polizei mit Informationsoffensive

Die St.Galler Stadtpolizei betreibt auch einiges an Präventionsarbeit. Sie informiert regelmässig auf Social Media (Facebook und Instagram) und veröffentlichte auf Instagram einen Guide zu diesem Thema.

Bekannt ist das Problem auch bei der St.Galler Kantonspolizei. Zwar gebe es nicht gerade eine Häufung dieser Fälle, aber es kommt immer wieder vor. Die Kapo hat aus diesem Grund einen Leitfaden für Lernfahrer und für Begleitfahrer erstellt.

Dabei sind einige Punkte aufgeführt, die den meisten neu sein dürften. Dass man als Beifahrer mindestens 23 Jahre alt sein und im Besitz eines unbefristeten Führerscheins sein muss, ist vielen klar.

Allerdings gilt auch für Begleitfahrer auf Lernfahrten eine Nulltoleranz beim Alkohol. Während beim normalen Fahren ein Promillewert von unter 0,5 erlaubt ist, muss der Begleitfahrer bei einer Übungsfahrt komplett nüchtern sein. «Wir hatten auch schon Fälle, wo Lernfahrer und Begleitperson zusammen in den Ausgang gingen und nur der Lernfahrer nüchtern blieb. Das hat für beide Konsequenzen», sagt Florian Schneider, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen.

Auch wichtig: Lernfahrer dürfen erst auf die Autobahn, wenn sie prüfungsbereit sind. Das heisst, wenn der Termin für die praktische Prüfung bestätigt wurde.