«Es ist logisch, dass Frauen mehr bezahlen müssen»

Coiffeur Suisse St.Gallen verteidigt die unterschiedlichen Frauen- und Herrenpreise beim Haareschneiden.
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Ein Zürcher Coiffeur will mit Unisex-Preisen für mehr Gleichberechtigung beim Haareschneiden sorgen. In der Ostschweiz ist eine solche Abrechnung nach Zeitaufwand nicht verbreitet. Dass Frauen mehr bezahlen müssen, ist laut Verband naheliegend.

Es ist bekannt, dass Frauen für einen Coiffeurbesuch tiefer ins Portemonnaie greifen müssen als Männer. Oft auch für Haarschnitte, die nicht unbedingt mehr Zeit brauchen. Vergleicht man die Angebote verschiedener Salons, so bezahlt eine Frau für Waschen-Schneiden-Föhnen im Schnitt rund 20 Franken mehr. Ein Zürcher Coiffeur wollte dies nicht länger hinnehmen und wirkt nun mit einem neuen System dem sogenannten Gender-Pricing entgegen.

«Haare sind Haare»

Der Coiffeursalon «Mad Hairstyle» in Zürich verrechnet seine Dienstleistungen neu nach Zeitaufwand. Kundinnen und Kunden können zwischen einem kurzen, mittleren und langen Service entscheiden. Das günstigste ist der Trockenhaarschnitt für 56 Franken. «Haare sind Haare, egal auf welchen Kopf sie wachsen. Ich habe nie verstanden, warum eine Frau mehr bezahlen soll, für die selbe Leistung wie ein Mann», sagt Geschäftsführer Marc Menden gegenüber den Zeitungen von CH Media.

«Kein entspanntes Erlebnis»

Eine Abrechnung nach Zeit, wie es der Coiffeur in Zürich macht, ist in der Ostschweiz alles andere als üblich. «Es ist natürlich jedem Coiffeur selbst überlassen, wie er seine Preise macht. Ich stelle mir eine solche Zeitabrechnung aber eher schwierig vor», sagt Andrea Klaus von Coiffeur Suisse St.Gallen zu FM1Today. Wenn der Kunde selbst über die Länge des Services entscheidet, könnte der Coiffeur oder die Coiffeuse laut der Sektionspräsidentin in Zeitnot geraten. «Das wäre ja dann für beide Seiten kein entspanntes Erlebnis mehr.»

Frauen brauchen mehr Zeit

Eine Abrechnung nach Dienstleistung ergibt für Andrea Klaus, die selbst einen Salon in St.Gallen hat, mehr Sinn. Dass Frauen dabei mehr bezahlen müssen als Männer, sei einfach zu erklären. «In den meisten Fällen dauert der Haarschnitt bei Frauen effektiv länger. Dies gilt auch für Kurzhaarfrisuren, die bei Frauen oft genauer ausgeschafft werden müssen.» Neben dem Schneiden würden auch das Föhnen und die Beratung bei Frauen länger dauern. «Ein Mann sitzt meist einfach auf den Stuhl und lässt uns machen. Frauen lassen sich gerne beraten und inspirieren.» Hinzu kämen teurere Geräte für Frauen, höhere Produkt- und Lagerkosten, sowie teurere Weiterbildungen für Hochzeitsfrisuren und Haarverlängerungen. «Für mich ist es also logisch, dass Frauen beim Friseur mehr bezahlen müssen.»

«Preise für Herren müssten höher sein»

Andrea Klaus glaubt auch nicht, dass das es ein grosses Bedürfnis bei den Ostschweizer Kundinnen ist, weniger für ihren Haarschnitt zu bezahlen. «Die meisten Kundinnen suchen sich einen Salon, in dem sie sich in erster Linie sehr wohl fühlen und nicht einen, der möglichst günstig ist.» Tatsächlich habe sie aber auch schon über Unisex-Preise mit Kundinnen gesprochen. «Die vorherrschende Meinung war dann, dass eigentlich die Preise für die Herren höher sein müssten.» Dies würde jedoch für viele Salons bedeuten, dass sie männliche Kunden verlieren, zumal günstige Barber-Shops wie Pilze aus dem Boden schiessen.