Einbürgerungspraxis: «Gimi» wendet sich mit Rap an Gemeinde

Ein Jahr nach seiner Einbürgerung übt Mergim Ahmeti weiterhin Kritik an der Gemeinde Oberriet. Ausserdem macht er Schicksalgenossen Mut.
© Gert Bruderer / rheintaler.ch
Mergim Ahmeti, auch «Gimi» genannt, ist der wohl bekannteste Schweizer im Rheintal. Der heute 25-Jährige wurde vor einem Jahr nach langem Hin und Her endlich eingebürgert. Jetzt schickt er der Gemeinde einen «offenen Brief» in Form eines Rap-Videos.

Der Montlinger Mergim Ahmeti hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Bekannt wurde er aufgrund seiner Einbürgerungsgeschichte. Noch vor drei Jahren wurde ihm von der Gemeinde Oberriet mitgeteilt, dass sein Gesuch um Einbürgerung negativ beschieden wurde. Einer der Gründe war unter anderem, dass Ahmeti zu wenig Beizen im Dorf kenne. Überdies wurde er bei der Befragung auch zu seinem muslimischen Glauben befragt: «Nicht, dass Sie jetzt hier Ihren Teppich ausbreiten und zu beten beginnen», hiess es damals.

Ahmeti legte daraufhin Rekurs ein. Vor einem Jahr wurde er dann endlich eingebürgert – gegen den Willen der Gemeinde: Das kantonale Departement des Innern beurteilte als Rekursinstanz den Fall und entschied, dass Ahmeti Schweizer werden sollte. Die offene Ablehnung, die Widerwilligkeit der Gemeinde und die fadenscheinigen Begründungen grenzen an Rassismus, schliesslich ist Ahmeti hier aufgewachsen, spricht astreines Schweizerdeutsch mit Rheintaler Dialekt und war langjähriges Mitglied im FC Montlingen. Sein Leumund ist einwandfrei.

«Kein typischer Ausländer-Haarschnitt»

Dass Ahmetis Kampf noch nicht ausgestanden ist, zeigt ein «offener Brief» des Schweizers mit kosovarischen Wurzeln, über den der «Rheintaler» am Donnerstag erstmals berichtete. In einem Rap-Video macht er anderen Ausländern Mut, sich trotz aller rechtlichen und gesellschaftlichen Hürden einbürgern zu lassen – oder es zumindest zu versuchen. Gleichzeitig übt er abermals Kritik an der eigenwilligen Integrationspraxis der Gemeinde Oberriet, zu der Montlingen gehört.

Am Anfang des Videos ist eine nachgestellte Szene aus seinem Einbürgerungsgespräch zu sehen. Dort heisst es etwa: «Sie haben aber keinen typischen Ausländer-Haarschnitt. Ihre Landsmänner haben ein wenig andere Frisuren.»

«Was ich mit diesem Text sagen will: Geh' für den Schweizer Pass und lass dich nicht abschrecken», rappt Ahmeti in seinem Song, der am Donnerstagebend auf Youtube Premiere feierte. «Sie werden dich mit Formalitäten versuchen, einzuschüchtern.» Doch das Kämpfen lohne sich.

Keine Entschuldigung der Gemeinde

Die Gemeinde habe ihren Fehler bis heute nicht eingesehen, sagt Ahmeti gegenüber FM1Today. «Eine Entschuldigung für das Prozedere habe ich nie erhalten.» Damit es nicht wieder zu einem solchen Fall komme, müsse sich am Einbürgerungstest in Zukunft einiges ändern: «Das Prozedere muss transparenter werden.» Dies beispielsweise, indem man im Voraus wisse, wie viele Fragen gestellt und wie viele für ein Bestehen richtig beantwortet werden müssen. «Um eine Prüfung in der Schule zu bestehen, braucht man auch keine 6.»

Ausserdem solle in der Expertenrunde jemand sitzen, der nicht aus der Gemeinde stammt, wünscht sich Ahmeti. «So hätten einbürgerungswillige Menschen eine Chance und wären nicht willkürlichen Entscheiden ausgesetzt.»

Montlingen bekommt einmal mehr sein Fett weg, ein Jahr nach der Einbürgerung von Ahmeti. Auf Anfrage bestätigt Rolf Huber, Präsident des Einbürgerungsrats Montlingen, Kenntnis von dem Video zu haben. Zum Inhalt sagt er: «Das ist seine Meinung. In der Schweiz haben wir Meinungsfreiheit und das ist gut so.»

veröffentlicht: 30. April 2021 21:41
aktualisiert: 30. April 2021 18:04