Aus dem Kapplerhof werden Wohnungen

Es ist eine Leidensgeschichte, diejenige des Hotels und Restaurants Kapplerhof im Toggenburg. Zuerst gehörte er einer christlichen Gemeinschaft, dann wurde er verpachtet – beides Mal musste Konkurs angemeldet werden. Nach sechs Jahren in denen der Kapplerhof leer stand, wurden am Mittwoch die Schlüssel dem neuen Besitzer übergeben.

Ein rosarotes Schloss mit Teich vor dem Anwesen, einer Bowlingbahn, Swimming-Pool, Hotelzimmern und einem noblen Restaurant samt Gartenbeiz. Zu seinen goldenen Zeiten brachte der Kapplerhof in Ebnat-Kappel der Gemeinde einen Hauch Luxus. Die extra feinen, schönen Schuhe oder das neue lange Kleid wurden angezogen, wenn die Bewohner der umliegenden Gemeinden im Kapplerhof dinierten.

Heute sind es nur noch die Schuhe eines Hauswarts, die im einstigen Kongresszentrum ein und aus gehen. Dies um das Anwesen zu putzen und zu lüften. Der Swimmingpool ist schon lange nicht mehr benutzbar und in der Küche wurden jahrelang keine Fünfgang-Menus mehr zubereitet. Der Kapplerhof mutierte zum Geisterschloss, bei dem jeder ein mulmiges Gefühl bekommt, der den Komplex vom Thurweg aus beobachtet. Die glorreichen Zeiten sind vorbei, könnte man meinen.

St.Galler Immobilienfirma übernimmt Kapplerhof

Jahrelang passierte rund um den Kapplerhof überhaupt nichts. Bis April 2019. Damals wurde die Firma Fleischmann Immobilien mit Hauptsitz in Weinfelden mit dem Verkauf des Betriebes und des Grundstücks rund herum beauftragt. «Wir waren mit der Leidensgeschichte des Kapplerhofs betraut», sagt Werner Fleischmann, der Inhaber der Immobilienfirma. Dies schreckte die Thurgauer Firma aber nicht davon ab, den Betrieb zum Verkauf auszuschreiben. «Am Schluss hatten wir vier unabhängige Interessenten, die sich um den Kapplerhof stritten», gemäss Fleischmann seien sie teilweise sogar bereit gewesen, mehr als die geforderten drei Millionen für den Kapplerhof und das Bauland zu bezahlen.

Das Rennen machte die Firma LTS Invest AG mit Sitz in St.Gallen. Der Immobilienfirma wurde die Liegenschaft am Mittwoch auf dem Grundbuchamt überschrieben und der Verwaltungsratspräsident der LTS Invest AG Martin Paurevic bekam den Schlüssel des 30-jährigen Anwesens.

Schlüsselübergabe beim Kapplerhof. Von links: Peter di Gallo, VR-Präsident der verkaufenden Kurt di Gallo AG, Martin Paurevic, VR-Präsident LTS Invest AG und Werner Fleischmann, Inhaber Fleischmann Immobilien.

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Kapplerhof wird abgerissen

«Wir sind im Internet auf die Liegenschaft gestossen», sagt Martin Paurevic. Er gibt zu, dass seine Firma hauptsächlich am Bauland interessiert gewesen sei. «Das Bauland mit über 15'000 Quadratmetern war für uns entscheidend. Wir haben ziemlich schnell gemerkt, dass das Hotel in sehr schlechtem Zustand ist und eine Sanierung für uns nicht in Frage kommt», sagt der Geschäftsführer von LTS Invest AG. Es mache keinen Sinn, noch mehr Geld in das Hotel zu investieren.

Deshalb plant die Immobilienfirma den Kapplerhof abzureissen. «Wir planen mehrere Dutzend Eigentums- und mehrere Dutzend Mietwohnungen», sagt Paurevic. Dies sei aber nur ihr Wunsch, das ganze Vorhaben werde im Oktober mit dem Gemeindepräsident von Ebnat-Kappel und der Bauverwaltung besprochen.

Baubeginn im 2020 geplant

Das Ziel sei, dass im Frühling 2020 die Baueingabe eingereicht werde und, sollte es keine Einsprachen geben, im Sommer 2020 die Baubewilligung erteilt werden könnte. «Mit Baubewilligungen ist es immer schwierig, wir möchten aber, wenn möglich, noch nächstes Jahr mit dem Bau beginnen.» Vom Kapplerhof wird vermutlich nichts mehr übrig bleiben ausser vielleicht dessen Name: «Es ist gut möglich, dass wir die neuen Liegenschaften ‹Überbauung Kapplerhof› nennen, da dies ein sehr geläufiger Name ist.»

Die Ära Kapplerhof dürfte somit nach 30 Jahren vorbei sein. Obwohl das Gebäude das Ortsbild prägt, ist die Gemeinde darüber womöglich nicht ganz unglücklich: «Für die Gemeinde ist es bestimmt erfreulich, dass nach all den Jahren etwas passiert», sagt Werner Fleischmann.