20 Anzeigen gegen Lärm-Fahrer

Der Sommer lädt offenbar einige zum Rasen in Rorschach ein – ganz zum Leidwesen der Bewohner. (Archivbild)
© St.Galler Tagblatt
Seit Monaten beschweren sich die Rorschacher über Motorenlärm mitten in der Nacht. Die Polizeipräsenz in der Stadt ist erhöht. Alleine im August wurden 20 Autofahrer verzeigt. Doch damit ist das Problem noch nicht gelöst.

Die Stadt Rorschach versprüht ein südländisches Flair. Viele der alten Häuser mit buntem Verputz stehen dicht an dicht, weshalb es im Sommer richtig heiss werden kann. So heiss, dass es manchmal schwierig ist, überhaupt einzuschlafen. Umso schlimmer, wenn man - kriegt man ein Auge zu - von lauten Motorengeräuschen aus dem Schlaf gerissen wird. Und das regelmässig. Schon vor Monaten beschwerten sich Anwohner mit Unterstützung ihres Stadtschreibers über die Verkehrsrowdys (FM1Today berichtete).

In der Gruppe «Du bisch vo Rorschach, wenn...» schwappten die Emotionen in den letzten Tagen wieder hoch. «Weiss jemand, was das für ein Schnodderi ist, der mit seinem angebohrten Knatter-Auspuff mit seiner motorisierten Schwanzverlängerung nachts durch Rorschach fährt?», will ein User wissen.

«Auch serienmässige Autos können laut sein»

Wer genau der Schnodderi in diesem Fall ist, weiss die Kantonspolizei St.Gallen nicht. Sie führe in Rorschach aber sehr aktiv Kontrollen durch, sagt Mediensprecher Florian Schneider: «Alleine im August haben wir 20 Anzeigen gemacht, dies wegen verschiedenster Übertretungen.» Dazu gehören typische Tuning-Verstösse wie folierte Heckleuchten, zu tief liegende Autos oder nicht eingetragene Teile. Aber auch rowdyhaftes Verhalten wie links an einer Verkehrsinsel vorbeizufahren oder eine rote Ampel zu ignorieren. Der Lärm selbst lässt sich laut Schneider allerdings nur schlecht zurückverfolgen. Ziel der Kontrollen sind deshalb Fahrzeuge, die für den Lärm in Frage kommen könnten. Das sind nicht unbedingt aufgemotzte Fahrzeuge. «Auch serienmässige Autos mit entsprechender Motorisierung können laut sein. Der Lärm geht meist mit einer nicht angepassten Fahrweise einher.»

Die verstärkten Kontrollen zeigen bisher offenbar nur bedingt Wirkung. «Gestern um 22 Uhr ist auch einer bei der Mehrzweckhalle vorbeigefahren und hat heruntergeschaltet, damit es knallt. Aber muss das sein um diese Zeit? Lärmbelästigung hoch zwei», schreibt jemand auf Facebook. Es gibt viele, die sich diesem Tenor anschliessen.

«Viele lernen es nur übers Portemonnaie»

Der Kampf gegen die Verkehrssünder und Tuning-Enthusiasten ist langwierig. «Viele lernen es nur übers Portemonnaie», sagt Schneider, «und das auch erst beim zweiten oder dritten Mal». Zwar finde bei einer Übertretung auch immer eine Meldung an das Strassenverkehrsamt statt, doch bis jemand den Führerausweis verliere, brauche es zum Teil mehrere Vergehen. Ausser bei der Geschwindigkeit, wo es ebenfalls verstärkte Kontrollen gebe.

Mit dem Ende des Sommers dürften die Nächte für die Rorschacher zumindest kurzfristig wieder angenehmer werden. Es lässt sich leichter einschlafen und nächtliche Ausfahrten sind weniger attraktiv, wenn es kalt ist.

Christoph Thurnherr