Schimmel in Ostschweizer Regalen: Giftstoffe in Pelati, Ketchup und Co.

Werden unsaubere Rohstoffe verarbeitet, kann es auch im Ketchup Schimmel haben.
© Keystone/Symbolbild
Mehrere Kantonslabore haben Tomaten- und Paprikaerzeugnisse nach Schimmelrückständen untersucht. Dabei kam heraus, dass in 38 von 54 untersuchten Produkten giftige Tenuazonsäure drin war. Vier Produkte mussten beanstandet werden.

Die Kantonslabore von St.Gallen, Thurgau, Graubünden, Glarus, Fürstentum Liechtenstein und Zürich haben 54 Tomaten- und Paprikaerzeugnisse untersucht. In 38 davon konnte die giftige Tenuazonsäure (TEA) nachgewiesen werden, vier waren so stark belastet, dass sie beanstandet werden mussten, berichtet «SRF».

FM1Today hat bei Davide Degiorgi, Lebensmittelinspektor und stellvertretender Kantonschemiker Thurgau, nachgefragt, wie es dazu kommen konnte.

Herr Degiorgi, 38 von 54 Produkten hatten Schimmelrückstände. Was waren das für Produkte?
Davide Degiorgi: Wir haben ganz normal in Läden und bei Grossverteilern Tomaten- und Paprikaerzeugnisse amtlich erhoben und dann auf jene Toxine untersucht, die Schimmelpilze bilden können.

Also Produkte, die wir auch im Laden kaufen würden.
Genau. Dinge, die Sie und ich in den Korb legen würden. Das waren Dosen, Konzentrate aus der Tube oder Saucen im Glas oder in der Flasche, aber auch Ketchup aus der Plastikflasche.

Woher kamen diese Produkte?
Die Rohstoffe kommen in der Regel aus dem Ausland, wo Tomaten und Paprika angepflanzt werden. Meistens werden sie auch dort verarbeitet.

Und dann haben Sie bei der Mehrheit dieser Produkte Schimmel gefunden?
Wir haben gezielt nach Toxinen gesucht, die diese Schwärzepilze bilden. Es gibt rund 70 solcher Toxine. Vier Produkte mussten wir beanstanden.

Aber bei 38 konnten die Toxine nachgewiesen werden.
Das ist schon viel. Aber teilweise waren die Werte auch sehr gering. Noch gibt es keinen Höchstwert, das ist Gegenstand der Forschung, einen solchen zu definieren. Irgendwann wird man einen solchen festlegen und der darf dann nicht überschritten werden.

Dann passiert jetzt nichts nach diesen Tests?
Wir haben die Betriebe, die diese Produkte vertreiben, mit einem Untersuchungsbericht informiert. Sie werden jetzt mit ihren Lieferanten Kontakt aufnehmen und schauen, was man verbessern kann. Bei den vier Produkten, die beanstandet worden sind, gibt es eine Kostenfolge. Das heisst, die Verursacher müssen für die entstandenen Testkosten aufkommen. Das ist keine Busse, eine solche dürfen wir auch gar nicht ausstellen. Das dürfte nur die Staatsanwaltschaft tun, bei der wir eine Strafanzeige erstatten müssten.

Können Sie sagen, welche Hersteller das waren?
Nein, wir sind an die Schweigepflicht gebunden.

Gibt es Unterschiede bei der Verpackung der Produkte?
Nein. Es hängt nur davon ab, ob der Grundstoff gut war. Ob diese Tomate oder Paprika danach in einer Dose oder einem Glas verkauft wird, ist völlig egal.

Wie schädlich sind diese Toxine?
Die genauen Auswirkungen werden derzeit erforscht. Die Toxine könnten eine erbgutschädigende Wirkung haben.

Noch zum Ketchup. Hier würde man doch keinen solchen Schimmel erwarten. Da hat es doch kaum mehr Tomaten drin.
Für die Herstellung werden die gleichen Ausgangsstoffe mit Tomaten aus dem Feld genutzt. Wenn hier unsauberes Gemüse verarbeitet wird, dann hat es auch solche Schimmelpilzgifte im Ketchup.

veröffentlicht: 27. August 2020 15:09
aktualisiert: 27. August 2020 17:19