Raucher werden in Unterführung abgeschoben

Viele Bahnhöfe in der Ostschweiz sind mittlerweile rauchfrei. Erst diese Woche wurden am Bahnhof St.Gallen Nichtraucher-Bereiche eingerichtet. Nicht alle sind von der Platzierung der Raucherzonen in der Region begeistert.

Wer in Wattwil am Bahnhof seine Zigarette zu Ende rauchen will, bevor er oder sie in den Zug steigt, muss dies in der Unterführung tun. Vor jeder Treppe, die zu den Perrons führt, wurde ein Rauchverbot auf den Teer gepinselt. Viele Raucher stehen zu Stosszeiten deshalb in den Ecken neben den Aschenbechern, während die Pendler an ihnen vorbei stressen.

Auch an anderen Ostschweizer Bahnhöfen ist die Situation unbefriedigend, berichten FM1Today-Leserreporter. In Herisau beispielsweise sei die Raucherzone dort, wo alle Pendler aussteigen. Da sich der Raucherbereich konzentriere, sei es unangenehmer als vorher, als die Raucher noch überall an ihren Zigaretten zogen.

In Rapperswil wurden bereits einzelne Aschenbecher aufgebrochen, um Zigaretten zu entsorgen. Die Aschenbecher bei einigen Abfalleimern waren zugeschweisst worden, da sie sich ausserhalb der Raucherbereiche befinden.

In Rapperswil wurde ein Aschenbecher aufgebrochen. 

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«Das ist ein schweizerischer Kompromiss»

An vielen Orten seien die Raucherbereiche ausserdem im unüberdachten Bereich. «Die Raucher werden in den Regen abgeschoben», schreibt ein Leserreporter zu einem Bild aus Herisau.

«Jeder Bahnhof ist anders», schreiben die SBB auf Anfrage zur Umsetzung der Raucherbereiche. «Grundsätzlich gilt: An kurzen Perrons des Regionalverkehrs wurde ein Raucherbereich eingerichtet, an langen Perrons des Fernverkehrs zwei.» Damit werde ein typisch schweizerischer Kompromiss geschaffen, welcher von Respekt und Toleranz geprägt sei, heisst es auf der Webseite des Verbands öffentlicher Verkehr der Schweiz (VöV).

«Neue Regelung braucht Zeit»

Die Schweizerische Südostbahn war bei den genannten Beispielen zuständig für die Platzierung der Raucherbereiche. Diese wurden je nach Grösse der Bahnhöfe und Haltestellen sowie nach dem Personenfluss ausgerichtet. Für Rückmeldungen sei es noch zu früh: «Die neue Regelung braucht noch etwas Zeit, bis sie alle bemerkt haben», sagt Brigitte Baur, SOB-Mediensprecherin.

Die SBB, welche rauchfreie Bahnhöfe bereits länger testen, hätten bisher gute Erfahrungen sammeln können: «Raucher und Nichtraucherinnen sind mit der Lösung zufrieden», schreibt Daniele Pallecchi, Mediensprecher der SBB. Eingehalten werde das Rauchverbot meistens: «Je länger das Rauchverbot an einem Bahnhof gilt, desto besser wird es eingehalten.»

«Vandalismus gibt es immer»

Das Problem mit den aufgerissenen Aschenbechern ist den SBB bekannt. «Vandalismus gibt es immer», schreiben sie dazu. Ob es noch an weiteren Standorten vorkomme, darauf gehen die Bundesbahnen nicht ein. Die SOB meint, dass dieser Vandalismus nicht der neuen Raucherregelung zugewiesen werden könne.

Keine Bussen

Seit Anfang Juni werden in der Schweiz die Bahnhöfe Schritt für Schritt rauchfrei gemacht. Mitte 2020 sollen alle Schweizer Bahnhöfe rauchfrei sein. Einen gesetzlichen Rahmen für Bussen gegen renitente Raucher gibt es vorerst nicht. «Die Raucherzonen basieren auf dem Goodwill der Leute», sagt Andreas Keller vom Verband öffentlicher Verkehr VöV. «Es wird Pendler und Angestellte geben, die die Raucher auf das Rauchverbot aufmerksam machen, Bussen werden aber nicht verteilt. Wir haben keine Raucherpolizei.»

Auf Linien, die den Raucherbereich kennzeichnen, wird bewusst verzichtet. Man wolle das «Miteinander» fördern - die fehlenden Bodenmarkierungen seien ein Zeichen von Respekt. Ausserdem müsse der öffentliche Verkehr den Bedürfnissen der Menschen mit Einschränkungen gerecht werden. Bodenlinien könnten Menschen mit Einschränkungen verwirren.