«Joker-Listen»: Frühere Impfungen auch im FM1-Land

In Zukunft könnten in den Kantonen im FM1-Land nicht nur Menschen aus den Risikogruppen geimpft werden. Viele Kantone führen «Jokerlisten» ein.
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Verschiedene Kantone in der ganzen Schweiz führen sogenannte «Joker-Listen». Freiwillige sollen so übriggebliebene Impfungen erhalten, damit diese nicht weggeworfen werden müssen. Auch im FM1-Land kennt man die Praxis – oder plant zumindest, diese einzuführen.

«Es gibt immer wieder Leute, die kommen zu Impfstoffen, obwohl sie eigentlich nicht berechtigt wären. Ein Freund von mir, er wohnt in Zürich, hat gesagt, er lasse sich nächste Woche impfen, und er ist 55-jährig», sagt der Leiter der Hirslanden-Gruppe, Johann Rupert, gegenüber dem «Tagesanzeiger». Der südafrikanische Milliardär flog Mitte Januar in die Schweiz und liess sich im Kanton Thurgau bereits vor dem offiziellen Start impfen. Zwar legal, löste sein Vorgehen viel Kritik aus, er sah sich zu einer Entschuldigung gezwungen (FM1Today berichtete).

Kantone St.Gallen und Thurgau führen «Joker-Listen»

Eigentlich müssten alle Kantone ausschliesslich Personen ab 75 Jahren und chronisch Kranke mit hohem Risiko zuerst impfen. Manchmal kommt es aber vor, dass Impfungen liegenbleiben. Damit diese nicht verloren gehen, haben einige Kantone «Joker-Listen» eingeführt, auf denen sich Freiwillige (auch solche unter 75 Jahren) eintragen und bei Gelegenheit bereits früher geimpft werden können.

Im Kanton St.Gallen ist das Sache der Betagten- und Pflegeheimen, sagt Fabienne Frei vom Gesundheitsdepartement gegenüber dem «Tagesanzeiger»: «Jedes Heim erstellt vorab eine Jokerliste mit 5 bis 10 Personen, die sich gern impfen lassen möchten, telefonisch abrufbereit sind und innerhalb von 30 Minuten vor Ort sein können.» Falls möglich, sollen diese übriggebliebenen Dosen alten Menschen oder solchen aus der Risikogruppe zukommen.

Im Kanton Thurgau sind ebenfalls Listen für die Abgabe von überschüssigen Impfdosen eingeführt worden. Wer auf einer solchen aufgeführt ist, muss aber schnell sein. Zwischen 18 und 19:30 Uhr bekommen diese Personen einen Anruf und müssen daraufhin innert 60 Minuten im Impfzentrum Frauenfeld erscheinen.

Listen auch in Appenzell Ausserrhoden geplant

Listen für ungenutzte Impfdosen sind auch im Kanton Appenzell Ausserrhoden diskutiert worden, sagt Georg Amstutz, Leiter Kommunikation, auf Anfrage von FM1Today: «Es ist bis jetzt aber immer aufgegangen und wir haben stets kurzfristig Menschen gefunden, die spontan eine Impfung machen konnten.» Diese seien bis dato ausschliesslich aus der Hochrisikogruppe gekommen, entsprechend der Prioritätenliste.

Georg Amstutz, Leiter Kommunikationsdienst Kanton Appenzell Ausserrhoden

© Kanton Appenzell Ausserrhoden

Der Kanton ist bislang zwar gut mit dieser Praxis gefahren, dennoch sind Listen für die Zukunft geplant. Laut Amstutz gilt immer: «Das Ziel ist, dass es nie Reste gibt. Der Impfstoff ist sehr gesucht.» Wann diese Listen im Kanton Appenzell Ausserrhoden genau eingeführt werden, ist noch nicht bekannt. «Demnächst», sagt Amstutz.

In Graubünden gehen die Dosen in die Spitäler

Im Kanton Graubünden sind bis jetzt noch keine Listen für übriggebliebene Impfdosen vorhanden. Auch geplant seien keine, sagt Daniel Camenisch von der Bündner Kommunikationsstelle Coronavirus: «Wir halten uns streng an den Impfplan. Wenn bei uns am Abend etwas übrigbleibt, werden damit Gesundheitsfachpersonen mit direkter Betreuung von Covid-19-Patienten geimpft.»